Zum Hauptinhalt springen
ANZEIGE
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Ganztagsgrundschule war Thema im Gemeinderat

„In Ruhe das Ganze entwickeln“

Foto: Julian Aicher
Schulrätin Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf informierte im Gemeinderat über das Konzept der Ganztagesgrundschule
veröffentlicht am: 27.10.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Kißlegg – „Ein Gefühl dafür entwickeln.“ Wofür? Für eine mögliche Ganztags-Grundschule. Mit diesen Aussichten befasste sich der Gemeinderat Kißlegg am 14. Oktober im Esthersaal des Neuen Schlosses. Betonte André Radke von den Freien Wählern, „wir werden heute nicht loslegen“, so warb Bürgermeister Dieter Krattenmacher dafür, ab jetzt nach und nach „ein Gefühl“ für dieses Bildungsangebot zuzulassen.

Bürgermeister Dieter Krattenmacher begrüßte Schulrätin Silvia Schultes im Kißlegger Gemeinderat. Foto: Julian Aicher

„Für mich ist das ein völlig offener Prozess“, bemerkte Krattenmacher. Also einer „mit offenem Ende“.  Ein Weg, der mit Unterstützung von Fachleuten beginnen sollte. Damit das angestrebte „Gefühl“ mit Fakten zum Thema gespürt werden konnte, hatte der Gemeinderat zwei Fachleute eingeladen. Von ihnen wünschte er sich mehr Wissen. Nämlich von Kißleggs Grundschulleiter Markus Mendler und Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf.

Bürgermeister Dieter Krattenmacher regte die Ratsrunde im Esthersaal zunächst dazu an, „dass Sie sich mal mit Pendlerstatistik befassen“. Dort seien „immer mehr Berufstätige“ zu erkennen. Und unter ihnen eine wachsende Zahl von Frauen. Dabei mehr und mehr gut ausgebildete weibliche Beschäftigte. Da liege es auf der Hand, zu fragen, wo und wie diese Kißleggerinnen ihre Kinder betreuen lassen, wenn die Eltern tagsüber auswärts ihren Berufen nachgehen.

Solchen Mamas und Papas könne eine Ganztagsschule „ein breites pädagogisches Angebot“ für ihren Nachwuchs unterbreiten. Montag bis Freitag von 7.50 Uhr bis 15.35 Uhr. Damit warb Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf. Dann benannte Schultes einen wesentlichen Vorteil der Ganztagsgrundschule: „Die Chance für Eltern liegt in der kostenfreien Betreuung.“ Für den Nachwuchs ermögliche sie auf dem Schulgelände „ein Mehr an Zeit“ und stärkere persönliche Zuwendung.

Grundsätzlich bestehe schon ab dem Jahr 2026 ein Rechtsanspruch auf 40 Stunden Betreuung der Buben und Mädchen außerhalb der Unterrichtszeiten an Grundschulen. Diese werde in Kißlegg von der St.-Anna-Stiftung Leutkirch gewährleistet. Mit 14 Fachkräften, wie Schulleiter Markus Mendler berichtete. Sie kümmern sich um gut 100 Schülerinnen und Schüler.

Dazu Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf: „Das kostet die Eltern entsprechend Geld.“ Dann ergänzte sie: „Bei mir kommen Eltern an, die können sich die Fünf-Tage-Betreuung nicht mehr leisten.“

ANZEIGE

Der Faktor Raum

Kißleggs Grundschulleiter Markus Mendler nannte die Ganztagsgrundschule grundsätzlich eine gute Sache. Dann goss Mendler aber Wasser in den Wein des Bildungswesens in Kißlegg: „Der Faktor Raum ist derzeit das größte Hindernis, wenn wie eine Ganztagsschule haben wollen.“ Die bestehende Grundschule sei außerdem auf Frontalunterricht angelegt, ergänzte CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Dürr: „Da müssen wir sicher viel an- und umbauen.“

Außerdem fehle es an Fachkräften dafür. Während CDU-Fraktionshäuptling Christoph Dürr „gute Aussichten“ dafür erkannte, dass sich auch Nicht-Lehrerinnen und Nicht-Lehrer um die Buben und Mädchen kümmern könnten,  bemerkte Schulleiter Markus Mendler: „Ich sehe große Schwierigkeiten,  dass man Personal an die Schule bekommt.“ Aus diesen Gründen riet Mendler: „Wir sollten nicht zu schnell zu einer Entscheidung kommen.“

Anders hörte sich an, was Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf dazu sagte. Die Vorbereitung für den Beginn einer Ganztagsgrundschule Kißlegg würden etwa ein Jahr dauern. „Da müssten Sie jetzt schon – ich sag’s mal flapsig – Gas geben.“ Demnach sei es „selbstverständlich umsetzbar“, was die staatliche Schulverwaltung in Sachen Gantagsangebot da vorlege. Dies umso mehr, als sich Kißlegg bei Fragen an die schon aktiv arbeitende Ganztags-„Stützpunktschule“ in Aulendorf wenden könne. Das habe Kißlegg bereits getan, erwiderte Grundschulleiter Markus Mendler. Sein Kollege von der Stützpunktschule Aulendorf habe Kißlegg vor kurzem besucht. Und dabei festgestellt, dass die Mehr-Seen-Gemeinde für den Ganztags-Grundschul-Betrieb „noch nicht so weit sei“.

„In Ruhe das Ganze entwickeln.“ Das forderte Gemeinderat SPD-Gemeinderat Peter Killat. Die Angebote von Schulamts-Vertreterin Schultes begrüßte er, „weil ich selber Ganztagsschulkind bin“. Andererseits zweifelte Killat: „Ich glaube nicht, dass es dafür genug Lehrerinnen und Lehrer gibt.“ Dennoch bestärke ihn die Hoffnung: „Das Gras wächst von unten.“

Die Antwort auf PISA

„Ich hab mich sehr gefreut“, betonte André Radke (Freie Wähler) über den Besuch von Silvia Schultes vom Schulamt Markdorf. Radke: „Der Ganztag ist die Antwort auf PISA.“ Dieses Angebot tatsächlich unterbreiten zu können, betrachte er aber als ein „dickes Brett“. Deshalb stehe fest: „Wir werden heute nicht loslegen.“ Da bestätigte ihn Silvia Schultes. Denn: „Was die Zukunft bringt, das kann ich nicht sagen.“ Bürgermeister Dieter Krattenmacher beruhigte schließlich den Rat: „Wir haben ein bisschen Zeit“.
Julian Aicher

Unter dem roten Download-Balken haben wir die Sitzungsvorlage hinterlegt

ANZEIGE
Julian Aicher
veröffentlicht am
27.10.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beitrag teilen
Downloads
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.