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Bad Waldsee – Samstagabend war das große Gotteshaus Sankt Peter und Paul in Reute rasch voll besetzt, der Grund: zwei Chöre, Reutissimo (der Liederkranz Reute) und La Chorale la Val Saônoise aus der Partnerstadt Bâgé baten zum „grenzüberschreitenden“ Benefizkonzert zugunsten der Klinikclowns Ravensburg. Pfarrer Stefan Werner, Oberbürgermeister Matthias Henne und Ortsvorsteher Achim Strobel ließen sich den Auftritt nicht entgehen. Auch Josef Bielau, Präsident des oberschwäbischen Chorverbandes, und der Präsident des Comté Jumelage in Bâgé, Serge Veysset, würdigten mit ihrem Besuch die gelebte deutsch-französische Partnerschaft zwischen Bad Waldsee und Bâgé, die am 13. Oktober 1991 besiegelt wurde. Mit Fug und Recht kann man von einem 35-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft sprechen!
Juliane Dobner begrüßte
Erfreut hieß Juliane Dobner, Vorsitzende von Reutissimo, die zahlreichen und hohen Gäste willkommen. Musik könne etwas, das Worten allein nur schwer gelinge, sie verbinde über Grenzen, weite Entfernungen und sogar über unterschiedliche Sprachen, betonte Dobner in ihrem Grußwort. Darin erinnerte sie auch an die Anfänge der Freundschaft ihrer Chöre. Im Mai 2025 durften die Reutener die großzügige Gastfreundschaft ihrer Sangesfreunde intensiv genießen; Juliane Dobner dankte nochmal herzlich dafür. Zu Recht hob Dobner die hohe Bedeutung persönlicher Begegnungen zwischen Menschen aus Partnerstädten hervor. Nur damit würden Städtepartnerschaften wirklich lebendig und es entsünden Freundschaften, meinte die Vorsitzende.

Barbara Zorell (links) und Juliane Dobner bei der Begrüßung.
Barbara Zorell, Michael Reisch und Annie Berry moderierten

Das Konzertprogramm sah zuerst Reutissimo (Bild), dann die Freunde aus dem Tal der Saône und zum Schluss beide gemeinsam vor. Selbstverständlich wurde der gesamte Konzertabend zweisprachig und sehr informativ moderiert. Den französischen Part übernahm Barbara Zorell, den deutschen Michael Reisch. Und Annie Berry führte gekonnt durch das Programm der Gäste.

Annie Berry (links).

Barbara Zorell und Michael Reisch (hinten rechts) sagen an.
Eckart Spägele dirigierte, Claudius Maier am Klavier

Reutissimo präsentierte, ideal passend zum Ambiente, zwei Gospels „I couldn’t be contented“ und „Good news“, das der amerikanische Country-Singer Shabozeey bekannt machte. Solche Lieder erzählen von Alltagssorgen, Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen oder von Herzen in Käfigen und Sehnsucht nach Licht und Freude. All das will man dem Herrn vortragen oder vermitteln. Beide Titel wurden unter motivierendem Dirigat Eckart Spägeles (Bld) und mit Klavierbegleitung durch Claudius Maier perfekt vorgetragen. Dabei bezog der Dirigent auch das Publikum ein, indem er zum rhythmischen Mitklatschen aufforderte.

Claudius Maier am Klavier.
Recht heiter wurde es mit Paul Ankas „Zwei Mädchen aus Germany“, dem Evergreen aus den Sechzigern, in dem die „Vorzüge“ von Gisela und Monika besungen werden, der Interessierte sich aber nicht entscheiden kann. Das für Chor arrangierte Stück wurde lächelnd gesungen, zumal der Anteil der Sängerinnen den der Sänger weit übertrifft, eine allgemeine Erscheinung heute?
Auch der „Teddybär“ von Peter Kraus trug zur guten Stimmung bei. Ein Verliebter möchte am liebsten Teddybär bei seiner Angebeteten sein, womit er sicher immer bei ihr sein dürfte. Dobner hatte ein unübersehbares Exemplar dieser Gattung mitgebracht und durfte es beim Vortrag rhythmisch flott wiegen.

Der Teddybär war bei Juliane Dobner in guten Händen.
Der von Connie Francis besungene „Schöne fremde Mann“ erweckte wieder Stimmung und möglicherweise schöne Erinnerungen bei den Konzertbesuchern.

Reutes Chorleiter Eckart Spägele.
Mit dem nachdenklichen „Come again“ von John Dowland beendeten die Reutener ihren Programmteil. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Stücken entstand diese Komposition bereits vor mehr als 500 Jahren im elisabethanischen Zeitalter der britischen Inseln. Dowland war ein bedeutender Lautenspieler, mehrfach beschäftigt an königlichen Höfen und wusste die Sehnsüchte nach Liebe zu vermitteln. Sicher war auch dieser authentisch intonierte Titel eine bewusste Annäherung an das Gotteshaus.
Dobner bat nun die französischen Freunde zum Konzert. Sie berichtete, dass diese Chorgemeinschaft an der Saône sich bereits seit 45 Jahren mit anspruchsvoller Chorliteratur beschäftigt und dabei wohl selbst genauso viel Freude am Gesang und an Auftritten hat wie es hier der Fall ist.
Olivia Gallina dirigierte, Juliette Vitoux am Klavier

Olivia Gallina hochkonzentriert.
Die französischen Gäste waren alle mit einer großen roten Rose auf weißer Bluse geschmückt. Die Chorleiterin Olivia Gallina trat in würdigem Schwarz vor ihren Chor. Die Klavierbegleitung lag nun mit Juliette Vitoux in besten französischen Händen. Mit „C’est ma prière“ (M. Brandt) eröffneten die Gäste Teil zwei des Konzertabends. Dieser 1974 entstandene Titel bringt Hoffnungen auf Zuversicht und Liebe auf Erden zum Ausdruck und war sicher auch eine Verneigung vor dem Ambiente. Dass die Gäste eher zum Genre des klassischen Chansons neigen, war zu erwarten und sie beherrschten ihre Arrangements perfekt und auf sehr anspruchsvolle Weise.

Juliette Vitoux am Klavier.
Nachdenklich, aber gleichzeitig beherzt brachten sie „Donna – Donna“ (C. François) zu Gehör. Bekanntlich sieht darin ein noch kleiner Junge die schöne Welt der Erwachsenen und möchte daher selbst rasch auch so sein. Später wird er gefragt, ob er sich wohl noch an seine verlorene Kindheit erinnern kann oder möchte. Darin enthaltene Stimmungen brachten die französischen Freunde gekonnt zum Ausdruck.

Olivia Gallina dirigiert auch das Publikum.
Eine erneute Verneigung vor dem ehrwürdigen Gotteshaus war ihr „Heilig, heilig“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert. Selbstverständlich stimmten sie diesen Beitrag in deutscher Sprache an und punkteten so erneut beim begeisterten Publikum.
Der Titel „On écrit sur les murs“ (Kids United) aus dem Jahr 2015 erweckte wieder Träume und Sehnsucht. Man schreibt doch nur die Namen derjenigen, die man liebt, auf Wände. Temperamentvoll war dieser Vortrag und Olivia Gallina riss mit ihrem Dirigat nicht nur die Sänger, sondern auch klatschend das Publikum mit.
Ganz in der Tradition des französischen Chansons war Gilbert Bécauds „Quand Jules est au violon“. Dieser anrührende Inhalt, flott vorgetragen, ist wohl ein Markenzeichen der Gäste aus Frankreich. Dabei ließ Olivia Gallina erst ihren gesamten Chor mittanzen und das Publikum klatschte nach den Vorgaben von Gallina! Abschluss des französischen Beitrags war Celine Dions Welthit „Ne partez pas sans moi“. Dion errang damit 1988 den Grand Prix Eurovision für die (französische?) Schweiz, obwohl sie doch Kanadierin ist. Gallina gelang damit ein wunderbares Arrangement und erhielt einen begeisterten Schlussapplaus.

Olivia Gallina (links) und Juliette Vitoux.

Beifall und Dank für Olivia Gallina.
Gemeinsam zwei Titel
Mit großer Spannung ging man danach zum gemeinsamen Singen über. Es waren zwei Titel, „Dirait-on“ (Morten Lauridsen) und „Veronika, der Lenz ist da“ (Comedian Harmonists). Mit „Dirait-on“ wählten die Chöre stark Völkerverbindendes. Der Text nämlich stammt von Rilke, die Melodie von einem Amerikaner und die gesungene Sprache war französisch! Diesen eher romantischen Titel durfte Gallina dirigieren, wie immer absolut souverän, natürlich auch der große gemeinsame Chor.

Juliette Vitoux und Claudius Maier.
Und vor „Veronika, der Lenz ist da“ mussten die Ansager erst mal feststellen, dass nun draußen bereits Herbst sei, innen aber sei doch der Lenz symbolisch für die wachsende Freundschaft der beiden Chöre. Diesen spaßigen Titel schmetterten die vereinten Chöre voller Inbrunst, natürlich auf deutsch! Also „Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen tralala, die ganze Welt ist wie verhext, Veronika, der Spargel wächst! Ach du, Veronika, die Welt ist grün, drum lass uns in die Wälder ziehn, sogar der Großpapa sagt zu der Großmama, Veronika, der Lenz ist da …“ Am Klavier saßen Juliette und Claudius gemeinsam und griffen in die Tasten! Und weil‘s so spaßig schön war, wollte der verdiente Applaus nicht enden. Kurzerhand wurde einfach nochmal „Veronika“ angestimmt!

Aufmerksame Ehrengäste: Pfarrer Stefan Werner, Oberbürgermeister Matthias Henne, Ortsvorsteher Achim Strobel.
Und am Schluss wurde getanzt

Im Gemeindehaus.
Sicher konnte man sich kaum einen gelungeneren Abschluss wünschen? Denn damit war der Abend, wie in Frankreich gewohnt, noch lange nicht beendet. Man begab sich daher ins Gemeindehaus, um so richtig zu feiern. Dort gab’s Dinnete verschiedener Ausführung, die man in einen Apparat legen durfte, um sie auszubacken. Mit allerlei Getränken vertrieb man sich die Zeit, bis jeder genügend Hälften auf seinem Brettchen hatte. Nach gründlicher Sättigung ging’s noch ein bisschen um’s Fachsimpeln. Die Franzosen stimmten ihre mitreißenden Rhythmen an. Damit war es aber noch lange nicht genug. Plötzlich ertönten nämlich aus professionellem Lautsprecher aktuelle Hits, die schließlich nahezu alle zum Tanzen animierten. Wie lang das noch ging, entzieht sich der Kenntnis des Reporters.

Blumenschmuck, die blühende Freundschaft zwischen Bad Waldsee und Bâgé symbolisierend.
Text und Fotos: Peter Lutz

































