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Jury würdigt konsequente Reduktion und die besondere Ruhe und Würde der Architektur

Aussegnung auf dem Klosterfriedhof Reute erhält Hugo-Häring-Auszeichnung des BDA

Foto: Kloster Reute/Claus Mellinger
Generaloberin Sr. Maria Hanna Löhlein und Projektkoordinator Claus Mellinger mit Plakette und Urkunde der Hugo Häring Auszeichnung vor der preisgekrönten Aussegnung auf dem Klosterfriedhof in Reute.
veröffentlicht am: 14.10.2026
Autor: Kloster Reute/Claus Mellinger
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bad Waldsee-Reute – Mit einer Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Bodensee wurde die Aussegnung beim Kloster Reute gewürdigt. Seit 1969 verleiht der Landesverband Baden-Württemberg des BDA den nach dem Architekten Hugo Häring benannten Preis an Bauherren und Architekten für ihr gemeinsames Werk. Für das mit dem Preis bedachte Büro Braunger Wörtz Architekten in Blaustein und die Franziskanerinnen von Reute als Bauherrinnen ist es eine weitere Anerkennung für das viel beachtete Bauwerk auf dem Klosterfriedhof in Reute. Die Preisverleihung qualifiziert für die Teilnahme am Landeswettbewerb, der 2027 ausgetragen wird.

Im historischen Ambiente der Werft

1919 in Kressbronn trafen sich am Freitag, 9. Oktober, Architekten und Bauherren auf Einladung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten, um die Hugo Häring-Auszeichnungen für vorbildliches Bauen entgegenzunehmen. Insgesamt wurden 54 Projekte eingereicht, neun davon erhielten die begehrte Auszeichnung. Sr. Maria Hanna und Architekt Marcus Wörtz waren mit Mitarbeitern und Mitschwestern dabei und nahmen die Auszeichnung entgegen – eine Urkunde und eine Plakette, die zukünftig an der Außenseite auf die Auszeichnung hinweist. Die Jury stellte in ihrer Begründung u.a. die „konsequente Reduktion“ des Baukörpers heraus. „Das Gebäude beschränkt sich auf elementare architektonische Mittel – Boden, Wand, Dach und Licht“. Dadurch positioniere sich der Bau unaufdringlich am Rand des Schwesternfriedhofs und füge sich harmonisch in das historische Klosterensemble ein.

Auch die Raumwirkung im Inneren wusste zu überzeugen. „Der monolithische Stampflehm verleiht dem Innenraum eine warme, geerdet wirkende Haptik und Ästhetik“, heißt es in der Begründung weiter.

Ruhe und Würde

Aus der formalen Einfachheit der Architektur, die die Jury beeindruckte, entstehe „ein sakraler Raum von großer Stille und tiefer Würde“. Die ist Generaloberin Sr. Maria Hanna besonders wichtig: „Unser Ziel war es nicht in erster Linie, einen Architekturpreis zu gewinnen. Für uns ist die Aussegnung der Ort, an dem wir unseren verstorbenen Schwestern zum letzten Mal begegnen können und von dem aus wir sie zu ihrem Ruheort begleiten“. Die Aussegnung hält sie für überaus geglückt. Über die Anerkennung, die das Gebäude seit seiner Einweihung findet, freut sie sich. Es habe schon ein wenig Mut erfordert, die modernen Formen und die Entscheidung für das Baumaterial Stampflehm zu vermitteln, sagt sie. „Lehm als Baumaterial ist für dieses Gebäude aber geradezu ideal. Es erinnert uns an die Worte der Begräbnisliturgie: von der Erde sind wir genommen, zur Erde kehren wir zurück“.

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Großes Interesse bei Besuchern und Fachleuten

Das neue Aussegnungsgebäude auf dem Klosterfriedhof in Reute wurde 2023 eingeweiht. Die tragenden Wände des Baukörpers bestehen vollständig aus Stampflehm. Für die Planung und Ausführung der Lehmbauarbeiten konnte Martin Rauch aus Vorarlberg gewonnen werden. Rauch setzte die architektonischen Ideen des Büros Braunger Wörtz Architekten kongenial um. Dafür wurde Aussegnung bereits mit dem Lehmbaupreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Regelmäßig ist das Gebäude Ziel von Fachbesuchern wie Architekten, Fotografen oder Studierenden mit ihren Professoren und Dozenten. Doch bei allem Interesse – der Tod hat Vorrang. Verstirbt eine Schwester und wird in der Aussegnung aufgebahrt, erfüllt sie ihre eigentliche Aufgabe. Dann erleben Besucher eine Atmosphäre von großer Ruhe und Geborgenheit, die den Raum für das Abschiednehmen eröffnet.

Eine Einladung zum Verweilen

Über eine Besonderheit freuen sich die Schwestern besonders: in die Innenwände wurden Erdgaben eingelassen, die von den früheren Wirkungsorten der Gemeinschaft stammen. So komme die Verbundenheit vieler Menschen mit den Schwestern zum Ausdruck, die über Jahrzehnte des Wirkens an unterschiedlichen Orten der Diözese und des Landes gewachsen sei, erklärt Projektkoordinator Claus Mellinger, der den Bau begleitet hat. Er beobachtet seit der Eröffnung auch, dass Besucher des Friedhofs die Aussegnung immer wieder für einen Moment der Ruhe nutzen. Auch dafür sei sie gedacht, betont er. Der Klosterfriedhof in Reute sei als Ort der Hoffnung eine Einladung, zu kommen, zu verweilen, Ruhe und Abgeschiedenheit zu finden – und im besten Fall gestärkt weitergehen zu können.

Das preisgekrönte Aussegnungsgebäude auf dem Klosterfriedhof in Reute. Foto: Claus Mellinger

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Kloster Reute/Claus Mellinger
veröffentlicht am
14.10.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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