Ziegelbach – Bereits zum 26. Mal lud der Kirchenchor zu seinem A-Capella Abend in den Dorfstadel im Herzen von Ziegelbach ein. Gemeinsam mit dem Chortissimo-Chor aus Eintürnen, der semiprofessionellen Gruppe Vocappella Oberschwaben und der mit Sängerinnen und Sängern aus der Region besetzten Gruppe Abis Zätt ließ der Kirchenchor das Publikum einige unbeschwerte Stunden im Dorfstadel verbringen.
Eröffnung durch den Kirchenchor Ziegelbach
Bereits das Auftaktlied, das traditionell vom Kirchenchor selbst bestritten wird, hatte es humoristisch in sich: Dirigent Günther Musch, der das Publikum gleich mal testete und wie der Maestro beim Sommerkonzert des Philharmonischen Orchesters Oberschwaben erst nach der Begrüßung die Bühne betrat, wollte einmal „Veronika der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists aufführen. Das Lied, das in den 1920er Jahren einmal ein Gassenhauer in Berlin war, hat also auch nach 100 Jahren noch nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Da allerdings der Text eher auf den Frühling gemünzt war, machte G.M. es textlich einfach A-Cappella-Abend-tauglich. „Aloisia der Herbst ist da“ lautete nun der Titel des Liedes. Und verriet auch noch ein Geheimnis: Aloisia ist der Zweitnahme von Vorständin Tine Wespel, die gewohnt souverän durch das Programm des A-Cappella-Abends führte.
Wieder im klassischen Bereich angesiedelt war das zweite Lied des Kirchenchores: „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ ist ein Kinder- und Volkslied aus dem 19. Jahrhundert, bei dessen Vortrag viel Taktgefühl vom Chor gefragt war. Mit Udo Jürgens Renteneintritts-Hymne „Mit 66 Jahren“ bewies der Chor ein gewisses Maß an Selbstironie. „Denn“, sagte Tine Wespel dazu: „Man ist nie zu alt für neue Pläne, gute Laune und ein bisschen Unvernunft.“
Chortissimo
„Wenns´s a Herz host“ hieß das Einstiegslied des Chortissimo, der damit auch beinahe ein Heimspiel hatte wie der Ziegelbacher Kirchenchor. Ein Herz haben sei die wichtigste Vorrausetzung für einen gelungenen Chorabend – nicht nur beim Singen, sondern auch beim Zuhören und applaudieren.
„Ich seh dich“ der nächste Titel von Chortissimo beschreibt sehr gut, was beim Chorgesang geschieht: Man sieht sich an, nimmt kleine Zeichen wahr und merkt direkt, wieviel Verbindung in einem einzigen Blick liegen kann. Mit „Lass es Liebe sein“ von Anna setzte der Chor einen gefühlvollen Schlusspunkt hinter seinen ersten Auftritt, der das Publikum begeisterte.
Das Quintett „Vocappella“
Mit Vocappella Oberschwaben betrat danach ein Quintett die Dorfstadel-Bühne, das dort zwar Premiere feierte, musikalisch aber keineswegs als Neuling gelten kann. Die drei Damen in edlen Gewändern mit ihren beiden männlichen Gegenparten zeigten bei „Ich wär so gerne Millionär“ mehrstimmigen Chorgesang „at ist best“. Mit „Seasons of Love“ trafen sie mitten ins Herz des Publikums wie der anschließende begeisterte Beifall bewies. Anspruchsvoll und ein wenig melancholisch nämlich mit der aus der Antike stammenden klassischen Ballade der „Zwei Königskinder“, die nicht zueinander kommen konnten, beendeten sie umjubelt ihren ersten Teil.
Abis Zätt
Bekannte Gesichter im neuen Gewand, das war die Gruppe Abis Zätt. Wie von A bis Z war auch das Programm der Gruppe, die mit „Fernando“ poppig in ihren ersten Teil startete. Quer durch den musikalischen Gemüsegarten gelangten sie zum „Bourrée“, dem höfischen Tanz am französischen Königshof aus der Feder von Leopold Mozart.
Das letzte Stück „Rosenstock Holderblühn“ garnierten sie bereits mit einer deftigen Brise Musikcomedy nämlich mit einem stummen Glockenspiel, dessen Töne aus den Kehlen der acht Musiker entsprangen.
Traditionell eröffnen die Damen des Kirchenchores den zweiten Teil des Abends. Sie taten es mit dem „Männertango“, bei dem die Damen mit dem Trugschluss der männlichen Führung gründlich aufräumten. Richtig austoben durften sich die Damen beim „Skandal um dr Hennastall“, bei dem Günther Musch – als Hahn im Korb – dem Spider Murphy Gang-Hit einen richtig ansprechenden schwäbischen Text verpasst hatte. Als Zugabe gab es danach das Lied, mit dem Lale Andersen zu Weltruhm erlangte: „Lili Marleen“.
Chortissimo zeigten zum Start ihres zweiten Teils mit „You´re the reason“ den einzigen Grund auf, warum man etwas tut. „A million dreams“ aus „The greatest showman“ wiederum passte hervorragend zum Chorabend. Denn ohne Träume gäbe es keine Proben, keine Auftritte und in letzter Konsequenz auch keine Menschen. Vor allem keine, die freiwillig (!) wochenlang an einem schwierigen Takt feilen. Bei der Zugabe „Viva la vida“ wippten nicht nur die Beine des Publikums fleißig mit, traf das Lied doch ganz genau die Grundstimmung dieses A-Capella-Abends: „Es lebe das Leben!“
Märchenhaft wurde es beinahe mit dem rockigen „1000 und eine Nacht“ – und es hat Zoom gemacht, der Klaus Lage-Band, bei dem Vocappella wieder mit seinem präzisen mehrstimmigen Gesang das Publikum verzauberte. Geradezu wie für Vocappella geschrieben erschien das gute alte Beatles-Stück „When I´m sixty-four“. Auch wenn die fünf Sängerinnen und Sänger noch gar nicht geboren waren als Paul McCartney den Blick in die Zukunft warf. Mit ihren variablen Stimmen klang das Stück zeitweise wie aus einer 1920er Jahre Revue. Als Zugabe gab es das wunderschön romantische und Oskar-prämierte „Can you feel the Love tonight“ aus dem Disney-Film „König der Löwen.“
Wiederum machten Abis Zätt den Abschluss dieser musikalischen Revue: Mit „Stand By me“ eröffneten sie den letzten Konzert-Part. Danach begann für eine der Sängerinnen das Warten auf ihr Date Hans. „Heute kommt der Hans zu mir.“ Bei der betont ruhigen Zugabe, dem wohl schönsten Lied von Lorenz Maierhofer „Über´n See“ schloss sich ein Kreis, denn im Gegensatz zu den „Zwei Königskinder“ dürften die beiden Liebenden hier zueinandergefunden haben.
Damit war aber noch nicht Schluss: Nachdem alle Akteure auf der Bühne ihre Geschenkkörbchen entgegengenommen hatten, sang der gesamte Saal noch einmal das Lied von der Frau, die „An der Laterne, draußen vor dem großen Tor“ auf ihren Liebsten wartete.
Und auch die Sängerinnen und Sänger hatten nach einer kurzen Ruhephase im Saal noch lange nicht genug. Denn als Günther Musch wieder sein Akkordeon auspackte, zeigten sich die Akteure wieder gesangsbereit…
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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