Die Arnacher Soldaten- und Schützenkameradschaft hat 150-jähriges Bestehen gefeiert. Es war ein frohes Fest, eine farbenfrohe und zugleich zum Nachdenken anregende Feierlichkeit. Und das bei Kaiserwetter.
Als der Schreiber dieser Zeilen am Sonntagnachmittag um 16.00 Uhr Kuchen in der Arnacher Festhalle holte, war man schon fest am Aufräumen. Die an den Wänden angebrachten Schützenscheiben wurden abgenommen, die Fahne von 1876, auch sie geschützt oben an die Wand gepinnt, herabgeholt. Gebse Baumann packte seine historischen Plakate und Fotos zusammen, in der Küche räumten die Frauen, angetan mit SSK-Shirts, Teller und Schüsseln ein. Ein Tag wie kein anderer neigte sich dem Ende zu, ein Tag, der um 6.00 Uhr mit drei Salutschüssen begonnen hatte.
Es war ein würdiges Jubiläum. Arnachs Soldaten- und Schützenkameradschaft kann stolz sein. Vorstand Alfred Rudhart hat ein Klasse-Team um sich geschart. Mit Christian Krug, dem Schriftführer, Jürgen Ebenhoch, dem Schießleiter, Peter Schwarz, dem Kassenwart, und Gebhard Baumann, der „Allzweckwaffe“ – nominell ist er „nur“ Kassenprüfer – hat Rudhart eine tüchtige Führungsmannschaft. Die auf etliche Schaffer wie Hubert Völkel, Wolfgang Brzezicha, August Hartmann, Ambros Krön, Franz Schiele, Benjamin Rudhart und Daniel Brzezicha bauen kann; stellvertretend für viele andere seien diese genannt.
Ja, die Arnacher Soldaten- und Schützenkameradschaft ist ein funktionierender Verein.
Im Unterschied zu manch anderen Orten, wo die traditionsreichen Veteranenvereine eingegangen sind – zum Beispiel in Immenried und Michelwinnaden – blüht der Arnacher Verein. Derzeit hat er 89 Mitglieder. Das war nicht immer so. In den 1980er-Jahren war die Zahl der Mitglieder des 1876 gegründeten Vereins auf 26 abgesunken. Entscheidend für die Belebung war die Gründung einer Schützenabteilung. 1982 war das unter Leitung von Otto Hierlemann angegangen und unter Gebhard Räth fortgeführt worden. Auch wurde der Verein für Frauen geöffnet.
Alle Redner am Jubiläumstag – Staatssekretär Haser, Pfarrer Meschenmoser, Bürgermeister-Vertreter Buschle, Ortsvorsteher Braun – würdigten die Erinnerungsarbeit des Vereins. Diese sei keinesfalls kriegsverherrlichend, sondern mahnend, hieß es unisono.
„Die Soldatenkameradschaft in Arnach ist kein Ort der Kriegsverherrlichung. Ganz im Gegenteil: Sie ist ein lebendiges Mahnmal zur Umkehr“, sagte Pfarrer Patrick Meschenmoser.
„Es ist wichtig, dass wir die Namen da draußen auf dem Friedhof ehren“, sagte Raimund Haser. Um daraus Lehren für das Hier und Heute zu ziehen. „Erinnerung hat für mich zwei Seiten. Die erste lautet: Nie wieder Krieg. Und die zweite lautet: Nie wieder wehrlos gegenüber denen, die Krieg und Gewalt zu ihrem politischen Mittel machen. Das ist kein Widerspruch. Wer den Frieden liebt, muss sich Gedanken darüber machen, wie dieser Frieden geschützt werden kann.“
Es steht außer Frage: Die Aktivisten in den Veteranenvereinen sind Friedliebende. Jedes Jahr sammeln sie im Vorfeld des Volkstrauertages Geld für die Pflege der Gefallenen-Gräber. Das hat mit Revanchismus und Chauvinismus und all den anderen tödlichen Verirrungen nichts zu tun. Wohl aber mit Heimatliebe, mit der Liebe zum Vaterland – ein altmodisches Wort, das Raimund Haser gerne aussprach.
„Es ist Patriotismus“, sagte August Schuler, der den Kyffhäuserbund beim Fest vertrat, im Gespräch mit der Bildschirmzeitung.
Noch so ein altmodisches Wort. Das wir gerne hören.
Gerhard Reischmann






