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Das Team hinter dem KI Filmfestival Biberach: v.l. Tobias Meinhold, Antje Nikola Mönning (Jury), Corinna Palm und Uli Stöckle. Foto: Tobias Meinhold

Biberach – Es war (schon) einmal in Biberach. Vor 20 Jahren kreierte der Biberacher Filmemacher Uli Stöckle das BIFF, das Biberacher Independent Film Festival, das als kleines, experimentelles Gegenstück parallel zu den traditionsreichen Biberacher Filmfestspielen stattfand und deswegen für mächtig Verdruss sorgte. Im Verein der Filmfestspiele war man empört über diese dreiste Attacke auf dem Trittbrett. Die Aufregung war umsonst, das Experiment endete bereits nach drei Auflagen. Aber nun gibt es eine Neuauflage: Parallel zu den 48. Biberacher Filmfestspielen (28. Oktober bis 1. November 2026) feiert das erste deutsche KI-Filmfestival (AI Filmfestival) in der Rissstadt seine Premiere. Nicht im Kino, sondern in der Stadtbuchhandlung mit maximal 80 Plätzen. Was soll das?

Die drei Veranstalter, die zur Durchführung ihres „visionären Kulturereignisses“ eine GbR gründeten, sind in Biberach wohl bekannt: Corinna Palm, Theaterregisseurin und Buchhändlerin, Uli Stöckle, Agenturinhaber und Filmproduzent, sowie Tobias Meinhold, Poetry Slammer und ehemaliger Vorsitzender der Biberacher Filmfestspiele. Als Kurator für die Filmauswahl konnte das Trio Marcel Barsotti gewinnen. Der renommierte Schweizer Filmkomponist und vielfach ausgezeichnete KI-Filmpionier hat selbst schon zwei KI-Filme bei den Biberacher Filmfestspielen präsentiert. Ohne Auszeichnung.

Was den gebürtigen Luzerner nicht davon abhält, Biberach, die BiberacherInnen und die Biberacher Filmfestspiele zu loben. Schließlich habe Douglas Wolfsperger, der Intendant der Biberacher Filmfestspiele, seine beiden KI-Filme ins Programm aufgenommen, als andere Festivalveranstalter ihm noch die kalte Schulter gezeigt hätten. Das hat sich geändert. Nun macht Barsotti sein eigenes Festival und bezeichnet es als „Revolution“, die eine neue Ära in der Filmwelt einläute. Zum Ärger von Douglas Wolfsperger, dem bitter aufstößt, dass keiner der Revolutionäre ihm und dem Verein angekündigt hat, ihr KI-Event zeitgleich mit den Biberacher Filmfestspielen durchführen zu wollen. Das findet er Mist und ist empört, dass er nicht informiert wurde.

Während die KI-ler ihre Premiere ausdrücklich nicht als „Konkurrenz“, sondern als innovative „Ergänzung“ zu den Filmfestspielen ausloben, will Wolfsperger davon nichts wissen. Für ihn als Dokumentarfilmer sei KI kein Thema. „Ich interessiere mich für reale Menschen, da brauche ich keine KI.“ Mit dieser Haltung ist der Filmemacher im Kreis und wohl auch im Umfeld der Biberacher Filmfestspiele nicht alleine, aber es gibt auch eine erstaunliche Szene, die das Thema interessiert. Als Schirmherr fungiert der Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster. Betrachtet man sich die Sponsoren des KI-Events, dann ist es eine bunte Mischung von Privatpersonen wie Johannes Walter, Seelsorger und langjähriger CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, und seine Frau Karin Walter über die Kreissparkasse und die Werbegemeinschaft BiberCard bis hin zum Pharmariesen Boehringer Ingelheim. Von Letzterem wird auch die neue Standortleiterin in Biberach Christiane Steur als Referentin im Rahmenprogramm teilnehmen. Thema: KI-Entwicklung bei Boehringer Ingelheim. Zeit + Ort: Freitag, 30. Okt., 17 Uhr, Stadtbuchhandlung.

Die meisten der ausgewählten 89 Filme sind Kurzfilme, nur wenige sind maximal 60 Minuten lang, im Durchschnitt dauern sie fünf bis sechs Minuten und alle sind englischsprachig. Es bleibt also Raum für ein deutschsprachiges Rahmenprogramm, das in Ergänzung zu den Filmen das Thema rund um die Künstliche Intelligenz diskursiv beleuchten soll. Uli Stöckle ist „geflasht“ vom internationalen Interesse (insgesamt 280 Einreichungen), das sprichwörtlich „rund um die Welt“ reicht, inklusive 22 Einreichungen aus Deutschland, wovon fünf gezeigt werden. Sowohl thematisch als auch formal seien die meisten der Filme auf „superhohem Niveau“, schwärmt der Fachmann. Dazu werden von einer Jury sechs Auszeichnungen mit einem Gesamtwert von 4.500 Euro verliehen.

Uli Stöckle ist bemüht, das AI Filmfestival nicht als kritiklose Performance für die KI erscheinen zu lassen. Das Rahmenprogramm soll gewährleisten, dass die Kritik an der bahnbrechenden Technologie ausreichend Raum findet. Er räumt ein: „Ängste sind berechtigt.“ Der Unternehmer, Creator und Kurator Marcel Barsotti ist nach eigener Aussage mit seinem KI-Unternehmen ganz vorne dabei und spricht von „German Angst“, die die KI nicht aufhalten könne, weshalb er die Bedenken im „kibbizz“ als „unsinnig“ bezeichnet.

Das dürfte für Diskussionen sorgen, nachdem selbst im Silicon Valley die Angst grassiert, dass die dort kreierten Algorithmen die Menschheit bedrohen könnten und deshalb die führenden Köpfe, einschließlich Elon Musk, ein Drosseln der Entwicklungsgeschwindigkeit und externe Aufsicht fordern, damit der Mensch nicht die Kontrolle über die Geister in der Flasche verliert. Bullshit, behauptet Donald Trump und setzt aus wahltaktischen Gründen eine Kommission ein. Und Marcel Barsotti möchte sein Spielzeug auch nicht aus der Hand geben: „Dass die KI uns demnächst überholt, manche reden sogar von einer Vernichtung der Menschheit, aber das halte ich für überzogen.“ Und wenn nicht? Mehr dazu im Interview.

  www.kifestival.ensemble-film.de

Autor: Roland Reck


erschienen in Oktober 2026

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