Hochrangige Kur-Experten trafen sich im Haus am Stadtsee


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Bad Waldsee – Weil Bad Waldsee in diesem Jahr 70 Jahre Bad-Prädikat begeht, traf sich der Heilbäderverband des Landes zum Bädertag in der Kurstadt. Präsident Fritz Link freute sich auf ein besonderes Wiedersehen der Bäderfamilie – so wörtlich – „in der malerischen Kurstadt am Stadtsee, eingebettet in die oberschwäbische Barocklandschaft“. Im öffentlichen Teil des Bädertagessprachen der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, Thomas Dörflinger, und OB Matthias Henne Grußworte. Dem folgte ein höchst interessantes Referat von Prof. Dr. Niko Kohls zum Thema „Die fragile Welt und der Wunsch nach Stabilität: Psychologie des Wellness-Booms“.
Der Medizinpsychologe ging dabei auf Stressbewältigung und Selbstregulation von Menschen unter Druck, Unsicherheit und Wandel ein und auf Möglichkeiten, wieder gelassen und handlungsfähig zu werden. Insbesondere sei dies durch qualitativ anspruchsvolle auch äußere Rahmenbedingungen während Reha-Maßnahmen gegeben.
Nach ihm sprach Dr. Bernhard Harrer über ökonomische Analysen des Tourismus als Wirtschaftsfaktor in Städten, Regionen und Destinationen. Seine Analysen hinsichtlich Umsatz, Wertschöpfung und Beschäftigung sind Grundlage für touristische Entscheidungen in allen betroffenen Kommunen.
Die Bedeutung der Branche
Über diese Impulse berichteten anschließend Link, Dörflinger und Henne. Die Umsatzzahlen in den 53 baden-württembergischen Heilbädern und Kurorten belegen die wirtschaftliche Bedeutung dieser Branche. Allerdings gibt es große Herausforderungen. Insgesamt gibt es einen Sanierungsbedarf von 130 Millionen Euro, Geld, das den Kommunen fehlt. Daher fordere der Verband für den nächsten Doppelhaushalt des Landes eine deutliche Aufstockung für das Tourismusinfrastrukturprogramm. Dieses Programm diene als Hebel für kommunale Investitionen. Eine aktuelle Mitgliederabfrage des Verbandes ergab, 70 Prozent der Befragten bezeichnen das Programm als unverzichtbar für dringende Infrastrukturprojekte. Kurparks sowie Gesundheits- und Freizeitinfrastrukturen müssen neuen Anforderungen gerecht werden. Das Programm ist nichts weniger als ein Zukunftsprogramm für die Gesundheitsstandorte und für den Tourismus insbesondere im ländlichen Raum, so Präsident Link. Diese Orte seien ein Wirtschaftsfaktor für das gesamte Bundesland. Nach aktuellen Berechnungen erreichten die betroffenen Kommunen 2025 rund 73,4 Millionen touristische Aufenthaltstage, woraus sich ein Bruttoumsatz von mehr als 4 Milliarden Euro ergab. Davon entstanden Einkommen in Höhe von 2,07 Milliarden Euro für etwa 55.000 Arbeitskräfte.
Thomas Dörflinger versicherte dazu starke Rückendeckung aus seinem Ministerium. Wörtlich: „Heilbäder und Kurorte verbinden Gesundheit, Tourismus und regionale Wirtschaftskraft auf einzigartige Weise. (…) Investitionen in diese Wirtschaftsstruktur sind zugleich Investitionen in Lebensqualität, Arbeitsplätze und in die Zukunft unserer Regionen.“ Er forderte daher einen engen Austausch zwischen Land, Kommunen und ihren Leistungsträgern.

Pressesprecher Arne Mellert, Verbandspräsident Fritz Link, Staatssekretär Thomas Dörflinger und Oberbürgermeister Matthias Henne beim Pressegespräch. Foto: Peter Lutz
Wertschöpfung in Bad Waldsee
Im Jahre 2023 erzielte. Bad Waldsee 1,4 Millionen touristische Aufenthaltstage mit einem Umsatz von 81 Millionen Euro, wovon 46 Millionen Euro Einkommen für 1440 Mitarbeiter waren. Dies unterstrich OB Matthias Henne mit Hinweis auf das diesjährige Dreifachjubiläum der Stadt. Krisenfeste Handwerksbetriebe, lebendige innerstädtische Geschäfte und hochwertige Gastronomie profitieren von Tourismus und Kurbetrieben. Man investiere in Qualität und entwickle dazu einen Masterplan. Angelehnt an die Ausführungen von Prof. Dr. Niko Kohls werde die Kurstadt auch in Richtung gesundheitliche Prävention tätig, was wichtig für den Arbeitsmarkt sei. Jährliche Umsätze aus Tourismus und Kurwesen von weit über 80 Millionen Euro seien ein bedeutendes Pfund für die Stadt, weshalb alle Anstrengungen unternommen würden, damit das so bleibe.
Das laufende Jahr habe auch die Bedeutung von klimaschützenden Maßnahmen wie Schatten spendenden Baumpflanzungen verdeutlicht. Längere Hitzeperioden würden Dellen in der Belegung von Kliniken mit sich bringen. Die hiesigen Kliniken und Therapieeinrichtungen müssten mit Klimaanlagen ausgestattet werden. Dass dies in diesem Jahr trotzdem bestens funktioniert habe, sei allen Mitarbeitern in den Kurbetrieben zu verdanken. Klimaresilienz müsse nicht nur im Kurwesen sondern auch beispielsweise in Schulen hergestellt werden, sagte Henne.

„Die malerischen Kurstadt am Stadtsee, eingebettet in die oberschwäbische Barocklandschaft“: Die Drei bewundern den Stadtsee. Foto: Peter Lutz
Peter Lutz



































