

Kontakt
Redaktion
Anzeigen
Region – Der neue Vertrag ‚PRiVENT‘ vernetzt Intensivstationen mit spezialisierten Weaning-Zentren – Fachkliniken Wangen sind Partner für die Region Bodensee-Oberschwaben.
Die AOK Baden-Württemberg führt ihr Programm „PRiVENT“ für schwer kranke Beatmungspatientinnen und -patienten dauerhaft fort. Mit einem neuen Vertrag schafft die AOK Baden-Württemberg gemeinsam mit spezialisierten Weaning-Zentren (WZ) die Grundlage für eine engere Zusammenarbeit mit Intensivstationen im Land. Fünf WZ sind bereits dabei: die Thoraxklinik der Universität Heidelberg, die SLK Fachklinik Löwenstein, das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, das Klinikum Stuttgart und die Waldburg-Zeil Kliniken Fachkliniken Wangen. Damit ist auch für die Versicherten der AOK Bodensee-Oberschwaben ein spezialisiertes Weaning-Zentrum in der Region Teil des Versorgungsnetzwerks. Ziel ist es, dass Risikopatientinnen und -patienten künftig frühzeitig die richtige Hilfe bekommen und möglichst wieder selbstständig atmen können.
Wer nach einer schweren Erkrankung über längere Zeit auf künstliche Beatmung angewiesen ist, dessen Leben verändert sich grundlegend – oft auch das der Angehörigen. Fachleute sprechen von „Weaning“, wenn ein Mensch schrittweise von der Beatmungsmaschine entwöhnt wird. Das gelingt nicht immer auf einer normalen Intensivstation – dafür gibt es in Deutschland spezialisierte Weaning-Zentren mit besonders geschultem Personal. Studien zeigen: 60 bis 80 Prozent der Patientinnen und Patienten, die auf einer nicht spezialisierten Station als „nicht entwöhnbar“ galten, konnten in einem solchen Zentrum am Ende doch von der Beatmung befreit werden. Trotzdem werden viele Betroffene nie oder erst sehr spät dorthin verlegt. „Die Erfahrung aus spezialisierten Weaning-Zentren zeigt, dass die Einschätzung „nicht entwöhnbar“ nicht zwangsläufig das letzte Wort sein muss. Auch bei schwierigen Verläufen kann eine spezialisierte Behandlung noch neue Perspektiven eröffnen. „In der Umsetzung der PRiVENT-Studie in den PRiVENT-Vertrag sehen wir den folgerichtigen Schritt und freuen uns, mit den Fachkliniken Wangen mit unserem Lungenzentrum Südwest (nach GBA) sowie dem DGP-zertifizierten Weaning-Zentrum und unserer langjährigen Erfahrung sowie unserer Größe und Anzahl erfolgreich entwöhnter Patienten, einen entscheidenden Beitrag bei der Beatmungsentwöhnung regional und überregional leisten zu können“, sagt Klinikdirektor Stefan Richter von den Waldburg-Zeil Kliniken Fachkliniken Wangen.
Wie das neue Programm helfen soll
Kliniken ohne eigene Weaning-Spezialisten können sich künftig regelmäßig mit einem zertifizierten Weaning-Zentrum austauschen – entweder in wöchentlichen Fallbesprechungen, dem sogenannten Weaning-Board, oder direkt am Krankenbett im sogenannten Weaning-Konsil. Ein Team aus Lungenärztin oder Lungenarzt und speziell ausgebildeten Atmungstherapeutinnen und -therapeuten schaut sich dann gemeinsam mit der behandelnden Klinik an, wie die Beatmung optimiert werden kann – bei Bedarf auch per Videoschalte. Die Empfehlungen gehen innerhalb eines Tages an die Klinik zurück. „Nicht jede Intensivstation kann die hochspezialisierte Weaning-Expertise selbst vorhalten – und das muss sie auch nicht. Entscheidend ist, dass behandelnde Teams frühzeitig erkennen, wann zusätzliche Expertise sinnvoll ist und unkompliziert auf ein spezialisiertes Zentrum zugreifen können“, erklärt Dr. Lena Flagmeier, die den Vertrag bei der AOK Baden-Württemberg mit begleitet hat. „Genau dafür schafft PRiVENT verbindliche Strukturen.“ Auch die AOK Bodensee-Oberschwaben sieht in dem neuen Versorgungsangebot einen wichtigen Baustein für eine möglichst frühzeitige und spezialisierte Behandlung. „Mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen, ist ein wichtiges Ziel unserer Versorgung. PRiVENT hilft dabei, schwerkranke Menschen frühzeitig mit spezialisierter Weaning-Expertise zu unterstützen und ihnen damit die Chance auf mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität zu geben. Mit den Fachkliniken Wangen haben wir dafür einen kompetenten Partner direkt in der Region“, freut sich Markus Packmohr, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben.
Hilfe auch für Menschen mit Trachealkanüle
Von PRiVENT können Patientinnen und Patienten in unterschiedlichen Phasen der Beatmungsentwöhnung profitieren. Das Angebot richtet sich nicht nur an Menschen, die noch invasiv beatmet werden, sondern auch an Betroffene, die bereits ohne Beatmungsgerät auskommen, aber weiterhin eine Trachealkanüle benötigen. Auch Patientinnen und Patienten mit nicht-invasiver Beatmung oder bestimmten Formen einer schweren Beeinträchtigung der Atmung können einbezogen werden. Ziel ist es, die Betroffenen auf dem Weg zu einer möglichst selbstständigen Atmung zu unterstützen, eine Trachealkanüle – wenn medizinisch möglich – zu entfernen und damit Lebensqualität und Selbstständigkeit zu verbessern. „Hinter einer erfolgreichen Beatmungsentwöhnung steht für die Betroffenen sehr viel mehr als ein medizinischer Behandlungserfolg. Sie kann bedeuten, wieder selbstständig atmen, kommunizieren und Schritt für Schritt in ein selbstbestimmteres Leben zurückkehren zu können“, beschreibt AOK-Geschäftsführer Markus Packmohr, was für die Patientinnen und Patienten auf dem Spiel steht. „Deshalb ist es so wichtig, die Chancen auf ein erfolgreiches Weaning frühzeitig zu erkennen und konsequent zu nutzen.“
Woher die Idee kommt
Ursprünglich wurde das Konzept von 2021 bis 2024 als wissenschaftlich begleitetes Projekt mit Fördermitteln des Innovationsfonds an 39 Intensivstationen in Baden-Württemberg erprobt – mit ermutigenden ersten Ergebnissen: mehr Austausch zwischen den Kliniken, eine gezieltere Behandlung und eine spürbar bessere Versorgung. Weil sich das Konzept bewährt hat, überführt die AOK Baden-Württemberg es nun in einen dauerhaften Vertrag. Im Überblick sind das die beteiligten Weaning-Zentren:
- Thoraxklinik der Universität Heidelberg
- SLK Fachklinik Löwenstein
- Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart
- Klinikum Stuttgart
- Waldburg-Zeil-Kliniken Fachkliniken Wangen
Krankenhäuser mit nicht spezialisierten Intensivstationen in Baden-Württemberg können dem Versorgungsnetzwerk als Kooperationskliniken beitreten. „Unser Ziel ist ein möglichst dichtes Netzwerk, in dem Intensivstationen bei schwierigen Weaning-Verläufen schnell auf spezialisierte Expertise zurückgreifen können“, so Flagmeier. „Deshalb möchten wir weitere Häuser dafür gewinnen, Teil dieser Versorgungsstruktur zu werden.“

































