Männerchor aus Frauenzell und Jugendchor schenkten dem Publikum im Bock-Saal eine schöne Stunde


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Leutkirch – Zum letzten Standkonzert, das traditionell ein Chor im „Bock“ bestreitet, füllten viele den Saal. Der Männerchor aus Frauenzell unter Leitung von Helmut Prinz aus Altusried ist in Leutkirch bekannt und beliebt. Aus einem reichhaltigen, sehr abwechslungsreichen Repertoire von mehr als 200 Liedern zeigten die fast 20 Sänger jeden Alters einen interessanten Querschnitt. Die Überraschung des Abends war der Jugendchor aus Frauenzell, der teils alleine, aber auch mit dem Männerchor zusammen, einige Stücke zum Besten gab. Vorstand Bernd Widmer führte durchs Programm und begleitete den Jugendchor an der Gitarre.
Altes Liedgut und moderne Titel
Das Begrüßungslied mit „Gott zum Gruße“ erklang, das „Salve Regina“ und das Lied der Loreley am Rhein („Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“). Helmut Prinz hatte eine musikalische Reise mit Titeln aus mehreren Jahrzehnten ausgewählt, Lieder aus anderen Zeiten wie heute, wie zum Beispiel das Volkslied: „Alle Tage ist kein Sonntag“, wo man heute sagen würde: „Das Leben ist kein Ponyhof“. Altes, bewährtes, bekanntes Liedgut kam ebenso zu Gehör wie moderne Titel. Der Männerchor verstand es, feine Nuancen in den Stimmlagen zu setzen, auch mal summend, mal forte, mal piano, fast ein Markenzeichen des Männerchors Frauenzell.
Übrigens treten die Sänger nicht nur zu weltlichen und kirchlichen Anlässen auf wie Maiandachten, 2026 erfreuten sie das bisher größte Publikum ihrer fast 100-jähriger Geschichte auf der Freilichtbühne Altusried. An zwei Terminen sangen sie vor insgesamt 4500 Zuhörern, zusammen mit Band, Orchester und anderen Chören aus dem Raum Altusried.
Ludwigs lustige Geschichte
Berg- und Heimatlieder, Liebeslieder aus längst vergangenen Tagen mit emotionalen Texten beglückten das Publikum, teilweise begleitete Mechthild Schellhorn aus Leutkirch am Flügel den Chor. Dann war eine kleine Pause angesagt und Sänger Ludwig Koch las zum Vergnügen des Publikums eine lustige Geschichte in Reimen vor. Die anderen Sänger „ölten“ derweil ihre Stimmen mit einem Achtel Rotwein. Danach erklang natürlich ein Loblied auf den edlen Rebensaft: „Schenk ein – es lebe der Wein“.
Der Jugendchor bekam viel Beifall

Der Jugendchor begeisterte mit frisch-fröhlichen Liedern. Rechts mit Gitarre Bernd Widmer. Foto: Carmen Notz
Dann kam die Überraschung des Abends: Ein hauptsächlich weiblicher Jugendchor trat auf die Bühne und sang zusammen mit dem Männerchor das sehr bekannte Volkslied: „Die Gedanken sind frei“, was heutzutage noch mehr Bedeutung hat, als bei der Entstehung im 18. Jahrhundert! Der Jugendchor sang von Freude im Leben, gab aber auch ein trauriges Lied aus dem Musical „König Ludwig“ zum Besten. „Träume sollten auch mal Wirklichkeit werden, aber meistens bleiben es doch Träume“, meinte Moderator Widmer, ein bisschen davon erzählt ein sehr bekanntes Lied von Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“, welches der Jugendchor mit einer kleinen Choreografie vortrug.
Von Thüringen nach Italien und in den Himmel hinauf
Dann ging es in der Geschichte nochmals zurück beziehungsweise von New York nach Thüringen zum Rennsteig mit dem Wanderlied: „Diesen Weg auf den Höhn bin ich oft gegangen“, komponiert beziehungsweise 1951 auf einen Zettel gekritzelt, wurde es doch fast ein Nationalhit. Es folgte der Fliegermarsch aus dem 19. Jahrhundert, mit einem ziemlich amüsanten Text darüber, was es im Himmel alles NICHT gibt, nach damaliger Meinung. Das Partisanenlied „Bella Ciao“ und eine Liebeserklärung an „Violetta“ bildeten den Abschluss des unterhaltsamen Programms. Es gab sehr viel Beifall, so dass noch ein paar Zugaben fällig waren.
Bernd Widmer dankte
Bernd Widmer dankte dem Jugendchor, der treuen Mechthild am Flügel, dem Chorleiter Helmut Prinz für seine wertvolle Arbeit, allen Sängern und Ludwig Koch für das lustige Gedicht und natürlich allen, die zu diesem Standkonzert gekommen waren.
Zwei Klassiker über den Frieden und den Feierabend („‘s is´ Feirobnd“) erklangen stimmungsvoll, bevor der Jugend- und Männerchor zusammen mit allen Besuchern den unsterblichen Hitparaden-Schlager von Reinhard Mey sangen: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, den Refrain schaffte das Publikum sogar ganz allein! Es war ein schönes, unvergessliches letztes Standkonzert im Bocksaal, der Halbmond stand schon am Himmel, die Besucher gingen erfüllt hinaus in die laue Spätsommernacht.
Carmen Notz

































