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Elektrotechnik Wiest feiert Jubiläum

Seit 30 Jahren unter Spannung

Foto: Wiest
Auf zwei Ehrmann-Bussen findet sich Werbung von Elektrotechnik Wiest. Fürs Jubiläumsfoto hat das Wiest-Team im Bus Platz genommen. Unser Bild zeigt von rechts nach links: Emina Wiest-Salkanovic, Alfred Weber, Jonas Menig, Reinhold Heine, Lionel Schöllhorn und Erwin Wiest.
veröffentlicht am: 20.09.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 9 Minuten

Hauerz – Was 1996 als kleines Nebengewerbe begann, ist heute ein moderner Elektrotechnikbetrieb mit einem breiten Leistungsspektrum. Am 26. September feiert Elektrotechnik Wiest in Hauerz sein 30-jähriges Bestehen – und damit eine Firmengeschichte, die von viel persönlichem Einsatz, technischem Wandel, einem eingespielten Team und der Verbundenheit zur Region geprägt ist.

Die beruflichen Wurzeln von Erwin Wiest liegen im klassischen Elektrohandwerk. 1987 begann der gebürtige Rotegger seine Ausbildung zum Elektriker bei der Firma Elektro Fleischer in Bad Wurzach. Die zuvor besuchte einjährige Elektronikfachschule wurde ihm dabei als Lehrzeitverkürzung angerechnet.

Schon während seiner Ausbildung war er auf ganz unterschiedlichen Baustellen im Einsatz. Dazu gehörten Arbeiten beim Neubau der damaligen Leutkircher Bank in Leutkich ebenso wie bei der Sanierung von Schloss Rimpach bei Friesenhofen. Gleichzeitig gehörte damals zum Alltag eines Elektrikers auf dem Land selbstverständlich auch, einen Melkstand oder ein defektes Heugebläse wieder zum Laufen zu bringen.

Nach seiner Ausbildung führte ihn sein beruflicher Weg zunächst nach Ochsenhausen zu einem Hersteller von Kühlschränken. Nach rund einem Dreivierteljahr wechselte er zur Bohner Produktions GmbH nach Bad Waldsee. Bei dem Hersteller von Großküchen und Gastronomietechnik war Wiest zunächst als Servicetechniker im Kunden- und Außendienst tätig und übernahm später auch die technische Leitung.

Der Start in die Selbstständigkeit

In Hauerz hatte sich derweil längst herumgesprochen, dass Erwin Wiest „gut mit Strom umgehen konnte“. Im September 1996 meldete er schließlich ein Kleingewerbe an. Nach Feierabend und an den Wochenenden ging es nun zusätzlich auf Baustellen, zu Elektroinstallationen oder zur Reparatur defekter Elektrogeräte. Damals gehörte sogar Unterhaltungselektronik noch zum Reparaturgeschäft.

Die Aufträge nahmen schnell zu und auf dem Hof seiner Eltern in Rotegg (bei Hauerz) wurde der Platz knapp. 1998 wurde Erwin Wiest dann im Zentrum von Hauerz fündig: Das Gebäude des ehemaligen Krämerladens stand leer. Er richtete es für den Betrieb her und konnte im Herbst 1999 einziehen.

Und 1999 sollte noch aus einem anderen Grund ein entscheidendes Jahr werden: Im Dezember trat Emina in sein Leben. Von da an entwickelte sich nicht nur privat, sondern auch geschäftlich vieles gemeinsam weiter.

Im Oktober 2002 eröffneten Erwin und Emina Wiest im ehemaligen Krämerladen ein Ladengeschäft. Neben Elektrogeräten gab es dort Batterien und Leuchtmittel, aber auch Strickwaren, Geschenkartikel und Glückwunschkarten. Emina übernahm das Ladengeschäft sowie zunehmend die Büroarbeit und die kaufmännische Organisation, während Erwin weiterhin hauptberuflich bei Bohner beschäftigt war und den eigenen Betrieb parallel weiter ausbaute.

Ein wichtiger Schritt folgte 2004: Elektrotechnik Wiest ließ sich bei der Netze BW und bei der LEW und AÜW im Bayrischen eintragen, um Hausanschlüsse und Zähleraufträge beantragen zu können. 2007 wurde der Betrieb Mitglied der Elektroinnung. Im Juli desselben Jahres war schließlich der Punkt erreicht, an dem sich Hauptberuf und eigenes Unternehmen nicht mehr miteinander vereinbaren ließen. Erwin Wiest gab seine Tätigkeit bei Bohner auf und widmete sich fortan vollständig dem eigenen Betrieb.

Ein kleines Team, auf das Verlass ist

Mit den steigenden Auftragszahlen wurde Verstärkung notwendig. Tobias Aumann wurde der erste Mitarbeiter des Unternehmens.

2012 begann Jonas Menig seine Ausbildung bei Elektrotechnik Wiest. Er blieb dem Unternehmen treu, sammelte über die Jahre viel Erfahrung und machte 2025 erfolgreich den Meister. Heute hat er als Elektromeister sein eigenes Aufgabengebiet, betreut eigene Aufträge und trägt damit auch selbst Verantwortung im Unternehmen. Für Erwin und Emina ist es etwas Besonderes, dass aus dem eigenen Auszubildenden ein Meister und eine wichtige Stütze des Betriebs geworden ist.

Nach langen elf Jahren ohne neuen Azubi kam 2023 schließlich Lionel Schöllhorn ins Team. Seine Ausbildung wird er im kommenden Jahr abschließen – und auch er hat bereits signalisiert, dass er Elektrotechnik Wiest anschließend erhalten bleiben möchte.

Eine besondere Geschichte verbindet den Betrieb mit Alfred Weder und Reinhold Heine. Beide waren Gesellen bei Elektro Fleischer, als Erwin dort seine Ausbildung begann. Heute sind beide im Ruhestand – und bei Elektrotechnik Wiest sehr geschätzte Mitarbeiter, auf die man sich immer verlassen kann und die da sind, wenn man sie braucht. Dass heute ausgerechnet der ehemalige Lehrling Erwin die Ansagen macht, gehört zu den kleinen Geschichten, die 30 Jahre Firmengeschichte besonders machen.

Und dann wäre da noch einer, den man fast vergessen hätte – vermutlich, weil er studienbedingt nicht ganz so oft im Betrieb anzutreffen ist: Maxi Moosburger unterstützt Elektrotechnik Wiest als studentische Aushilfe. Sein Schwerpunkt liegt insbesondere bei den Prüfungen elektrischer Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3.

Damit besteht das Team aus ganz unterschiedlichen Generationen und Erfahrungen – vom Auszubildenden über den Meister aus den eigenen Reihen und die studentische Aushilfe bis hin zu den beiden erfahrenen „Rentnern“. Gerade diese Mischung trägt dazu bei, dass der kleine Betrieb auch größere und anspruchsvolle Projekte stemmen kann.

Das Wiest-Team vor dem Ehrmann-Bus (von links): Erwin Wiest, Jonas Menig, Emina Wiest-Salkanovic, Lionel Schöllhorn, Reinhold Heine und Alfred Weder.

Vom klassischen Elektrohandwerk zur modernen Energietechnik

Auch technisch hat sich in drei Jahrzehnten enorm viel verändert. Elektrotechnik Wiest hat diese Entwicklung nicht nur begleitet, sondern früh neue Geschäftsfelder erschlossen.

Neben der Photovoltaik rückte insbesondere die Biogastechnik in den Mittelpunkt. Bereits 2011 installierte das Unternehmen bei Schad seine erste Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 250 kW. Aus dem damals neuen und anspruchsvollen Tätigkeitsfeld entwickelte sich über die Jahre ein fester Bestandteil des Unternehmens. Heute wird im Schnitt mindestens eine Biogasanlage pro Jahr elektrotechnisch umgesetzt. Planung, Steuerung und Installation solcher Anlagen gehören dabei zu den komplexesten Aufgaben des Betriebs.

Gerade die Landwirtschaft ist bis heute ein wichtiger Tätigkeitsbereich geblieben. Wo früher Melkstände und Heugebläse repariert wurden, haben inzwischen Automatisierung, Robotik und digitale Steuerungen Einzug gehalten. „Ohne Internet funktioniert heute praktisch kein moderner Stall mehr“, bringt Erwin Wiest die Entwicklung auf den Punkt.

Daneben ist Elektrotechnik Wiest weiterhin in der klassischen Elektroinstallation tätig. Zum Kundenkreis gehören Privatkunden ebenso wie Gewerbe und Landwirtschaft. Auch das eine oder andere größere Objekt wird gemeinsam mit verschiedenen Bauträgern realisiert. So übernahm Elektrotechnik Wiest beispielsweise im Sommer 2022 bei einem Wohnbauprojekt mit zwei Neunfamilienhäusern in Rot an der Rot die komplette Elektroinstallation.

Und obwohl die Heimat des Unternehmens ganz klar Hauerz ist, führten Aufträge die Mannschaft im Laufe der Jahre auch deutlich weiter weg. Einsätze in Österreich und sogar in Großbritannien gehörten ebenso dazu wie Elektroarbeiten auf einer Finca auf Ibiza. Für einen kleinen Handwerksbetrieb aus Hauerz ist die Liste der Einsatzorte damit durchaus beachtlich.

Heute reicht das Leistungsspektrum von der klassischen Elektroinstallation über Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher bis hin zu Biogastechnik und Smart-Home-Lösungen.

Und bei aller modernen Technik hält man in Hauerz bewusst an einem Stück klassischem Elektrohandwerk fest: Elektrotechnik Wiest gehört zu den Betrieben, die nach wie vor Haushaltsgeräte der Marken Miele und Bosch/Siemens reparieren.

Gewachsen – aber Hauerz treu geblieben

Mit den Aufgaben wuchs auch der Platzbedarf. Bereits 2009 wurde die Lagerfläche erweitert. 2019 folgte die Planung einer neuen Halle, die 2020 unmittelbar neben dem ehemaligen Ladengeschäft errichtet wurde.

Trotz dieser Entwicklung ist Elektrotechnik Wiest ein überschaubarer, persönlich geführter Betrieb geblieben. Erwin und Emina kennen viele ihrer Kunden seit Jahren oder Jahrzehnten. Entscheidungen werden auf kurzem Weg getroffen – und wenn es irgendwo brennt, packt im Zweifel jeder mit an.

Dass der Betrieb funktioniert, führen die beiden deshalb nicht allein auf technische Kompetenz zurück. Entscheidend ist vor allem eine Mannschaft, die mitzieht und mit Leib und Seele bei der Sache ist.

Auch Erwin selbst ist seiner landwirtschaftlichen Herkunft bis heute verbunden. Zum Ausgleich von Strom, Baustellen und Technik hält er einige schottische Hochlandrinder – wobei auch diese vermutlich wissen, dass ihr Besitzer im Zweifelsfall zuerst noch schnell eine Störung beheben muss.

30 Jahre Firma – und 25 Jahre Ehe

Dass Erwin und Emina Wiest 2026 nicht nur auf 30 Jahre Elektrotechnik Wiest zurückblicken können, sondern gleichzeitig Silberhochzeit feiern, passt zur Geschichte des Unternehmens. Berufliches und Privates waren in all den Jahren eng miteinander verbunden.

Dabei ergänzen sich beide auf ihre ganz eigene Art: Erwin eher ruhig, besonnen und diplomatisch, Emina mit deutlich mehr Temperament. Eine Mischung, die offenbar nicht nur in der Ehe, sondern auch im Unternehmen seit vielen Jahren funktioniert.

Aus dem Kleingewerbe, das Erwin Wiest 1996 neben seinem eigentlichen Beruf begann, ist in drei Jahrzehnten ein moderner Fachbetrieb geworden. Vieles hat sich verändert: die Technik, die Anforderungen, die Größe der Projekte und die Aufgaben des Unternehmens.

Geblieben sind die Verwurzelung in Hauerz, die Nähe zu den Kunden und der Anspruch, auch für ungewöhnliche technische Herausforderungen eine Lösung zu finden.

Nach 30 Jahren Elektrotechnik Wiest darf dabei nicht nur zurückgeblickt werden. Mit einem jungen Meister aus den eigenen Reihen, einem Auszubildenden, der bleiben möchte, erfahrenen Mitarbeitern und Geschäftsfeldern, die durch Energiewende und Digitalisierung eher wichtiger als weniger wichtig werden, ist auch für die kommenden Jahre noch genügend „Spannung“ vorhanden.

Fest am 26. September

Am 26. September wird dieses Jubiläum gefeiert. Ab 10.00 Uhr zunächst gemeinsam mit geladenen Gästen im Rahmen eines Oktoberfestes. Ab 18.00 Uhr sind dann auch Besucher im Festzelt willkommen. Für das leibliche Wohl sorgen die Narrenzunft Baadgoischd’r Hauerz und Christines Crêperie, musikalisch begleitet wird der Abend von der „Bänkles Mugge“.

Von Wiest installiertes PV-Dach in Dietmanns.

Die Wechselrichter für die PV-Anlage in Dietmanns.

Stand auf dem „Markt der Berufe“ 2024.

Sicherungskasten eines Neun-Familienhauses in Rot an der Rot.

Holzbau Merk in Menhardsweiler. Hier machte die Firma Elektrotechnik Wiest die komplette Elektro-Installation und die Beleuchtung.

Bei der Renovation der Kirche in Hauerz führte Wiest die Elektro-Arbeiten aus.

Sie sorgen bei Erwin Wiest für Ent-Spannung: seine schottischen Hochlandrinder.

Text: Uli Gresser / Fotos: Uli Gresser, Wiest privat

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