Leutkirch / Schloß Zeil – Dichte Rauchschwaden dringen aus den Fenstern, Menschen rufen um Hilfe und die Wasserversorgung am Berg stellt die Einsatzkräfte vor gewaltige Hürden: Am Samstag (19.9.) wurde Schloss Zeil zum Schauplatz einer groß angelegten, lange geheim gehaltenen Einsatzübung. 180 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz meisterten ein anspruchsvolles Szenario – abseits jedes Schau-Charakters und mit echtem einsatztaktischem Tiefgang: Sie probten den Ernstfall auf Schloss Zeil.

Zufriedene Gesichter nach erfolgreicher Großübung auf Schloss Zeil: Hausherr Erich Fürst von Waldburg zu Zeil (Mitte) im Kreis von Kreisbrandmeister Oliver Surbeck (2. v. l.) und den Führungskräften von Feuerwehr und Rettungsdienst.
Ganz bewusst war die Übung im Vorfeld nicht öffentlich angekündigt worden. Anders als bei traditionellen Schauübungen standen hier nicht die Schaulustigen im Mittelpunkt, sondern die Sicherheit aller Beteiligten sowie das ungestörte, realitätsnahe Testen der Einsatzkonzepte für ein denkbar schwieriges Terrain. Schloss Zeil liegt exponiert auf einem Höhenzug – eine architektonische Perle, brandschutztechnisch jedoch eine immense logistische Herausforderung.
Enorme Pumpleistung über steiles Gelände
Das Hauptaugenmerk der Übung lag neben der Menschenrettung auf der komplexen Wasserförderung über lange Wegstrecken und steile Höhenunterschiede. Sämtliche Abteilungen der Leutkircher Feuerwehr waren in das Einsatzgeschehen eingebunden. Es galt, die Wasserversorgung für das hochgelegene Schlossareal stabil aufzubauen. Die Gesamtleitung bei der Großübung lag bei Kommandant Martin Waizenegger.
Für die Wasserversorgung wurden alle Register gezogen: Aus dem Brunnentobel wurde das Löschwasser über einen Höhenunterschied von satten 89 Metern nach oben gepumpt. Zeitgleich verlegten die Einsatzkräfte eine rund zwei Kilometer lange Förderleitung vom Bereich Seibranz / Sebastianssaul herauf. Eine besondere technische Bewährungsprobe war die Erprobung einer Steigleitung auf dem steilen Fußweg von Unterzeil hinauf zum Schloss. Ergänzend zapften die Wehren den Schlossbrunnen an, der über die schlosseigene Zisterne gespeist wird, um die ersten Löschangriffe unmittelbar zu sichern.

Drehleitern über Schloss Zeil: Zum Glück nur eine Übung.
Auch auswärtige Wehren waren dabei
Unterstützung kam auch aus der Nachbarschaft: Die Feuerwehr Bad Wurzach rückte mit ihrer Drehleiter und 16 Einsatzkräften an, um Personen aus den oberen Stockwerken zu retten und die Brandbekämpfung aus der Luft zu koordinieren. Des Weiteren mit dabei waren Feuerwehrabteilungen aus Seibranz, Aitrach, Aichstetten, Kißlegg und Wangen.
Rotes Kreuz versorgt „Rauchgasopfer“
Während die Maschinisten und Trupps an den Pumpen und Leitungen schwitzten, drangen Atemschutztrupps in das künstlich verrauchte Gebäude vor, um vermisste Personen ins Freie zu bringen. Draußen übernahm das Deutsche Rote Kreuz unter der Leitung von Einsatzleiter Sebastian Boos die „Erstversorgung“ und Sichtung der „Geretteten“. Die Mimen waren täuschend echt geschminkt; der Schwerpunkt der sanitätsdienstlichen Versorgung lag auf schweren Rauchgasvergiftungen und Verletzungen aus der Evakuierung.
Zufriedene Beobachter und ein beruhigter Hausherr
Kreisbrandmeister Oliver Surbeck beobachtete das Geschehen mit kundigem Blick und zog ein positives Fazit über die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen und Organisationen. Auch Hausherr Erich Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg zeigte sich am Ende sichtlich beeindruckt und dankbar für das professionelle und engagierte Engagement der 180 Helferinnen und Helfer.
So eine aufwändige Übung macht hungrig und durstig: Die 180 Mann wurden nach der Abschluss-Besprechung in der Turnhalle in Diepoldshofen bewirtet. Die Kosten hierfür teilten sich die Stadt Leutkirch und Fürst Erich.

Fürst Erich mit dem Stellvertretenden Leutkircher Kommandanten Christian Herter, der das Übungsszenario entwickelt hatte und als Übungsbeobachter fungierte.

Auch der historische Brunnen im Innenhof des Schlosses wurde zur Wasserversorgung herangezogen.

Logistische Glanztat: Rund zwei Kilometer Förderleitung mussten von Sebastianssaul heraufgelegt werden, um die Wasserversorgung auf dem Höhenzug abzusichern.

Hand in Hand: Feuerwehr-Einsatzleiter Waizenegger stimmt die Lage mit dem Leitenden Notarzt, mit DRK-Einsatzleiter Sebastian Boos und Kreisbrandmeister Oliver Surbeck ab.
Die Übung hat gezeigt: Für den Ernstfall auf dem Zeiler Schlossberg greifen die Rädchen der Rettungskräfte nahtlos ineinander.
Text und Fotos: Hans Reichert
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