Bad Wurzach – Betonmischer, Kräne und jede Menge Planung: Gut zwei Monate nach dem offiziellen Spatenstich nimmt der Erweiterungsbau der Rehaklinik Bad Wurzach Gestalt an. Einer, der die Entwicklung besonders eng begleitet, ist Thomas Nester. Der 58-jährige Bad Waldseer leitet seit 14 Jahren die Haustechnik der Rehaklinik und sorgt mit seinem Team dafür, dass der technische Betrieb des Hauses mit 210 Patienten läuft. Mit dem Erweiterungsbau ist eine weitere große Aufgabe hinzugekommen. Christof Folkerts, Referent der Klinikleitung, hat sich auf einen Kaffee mit ihm getroffen und über den Baufortschritt, möglichst leises Bauen im laufenden Klinikbetrieb und die Rehaklinik von morgen gesprochen.
Herr Nester, langsam wächst der Erweiterungsbau sichtbar in die Höhe. Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Verlauf?
Absolut. Mit dem Spatenstich am 2. Juli ging es offiziell los und seitdem ist viel passiert. Mitte August haben wir die Bodenplatte gegossen. Dafür wurden rund 300 Kubikmeter Beton benötigt – das entspricht etwa 40 Betonmischer-Ladungen. In den vergangenen Wochen folgte die erste Geschossdecke und jetzt geht es weiter in die Höhe. Wir liegen voll im Zeitplan. Unser Ziel ist, dass bis Ende des Jahres der Rohbau steht.
Das ist ein sportlicher Zeitplan. Wie schafft man das?
Ein wichtiger Faktor ist die Bauweise. Wir arbeiten mit Halbfertigteilen aus Beton, die vorproduziert, auf die Baustelle geliefert und hier mit dem Kran platziert werden. Anschließend werden sie mit Beton verfüllt. Dadurch wächst der Rohbau schnell – etwa alle zwei Wochen um ein Stockwerk.
Das ist für uns besonders wichtig, weil wir direkt neben einer Klinik bauen, die ganz normal weiterläuft. So können wir effizient arbeiten und gleichzeitig versuchen, die Lärmbelastung für unsere Patienten möglichst gering zu halten.
War es eine Überlegung, Teile der Klinik während der Bauphase zu schließen?
Aus rein bautechnischer Sicht wäre das natürlich einfacher. Wirtschaftlich und mit Blick auf die Versorgungssicherheit in der Region ist das aber keine realistische Option. Unsere Betten werden gebraucht – auch von den Krankenhäusern in der Region, mit denen wir eng zusammenarbeiten.
Bei besonders lärmintensiven Arbeiten werden wir deshalb gezielt einzelne Zimmer oder Bereiche vorübergehend nicht belegen. Das braucht viel Planung: Unsere Bettendisposition plant rund drei Monate im Voraus. Deshalb müssen Bauablauf und Klinikbetrieb sehr eng aufeinander abgestimmt werden.
Wer setzt den Erweiterungsbau um?
Mit der Firma Kamper aus Österreich haben wir ein erfahrenes Generalunternehmen mit umfassender Planungsexpertise im Klinikbau an unserer Seite. Gleichzeitig wird ein großer Teil der Arbeiten von Unternehmen und Handwerksbetrieben aus der Region umgesetzt: Der Tief- und Rohbau liegt beispielsweise bei der Firma GM aus Biberach, die Elektroinstallation übernimmt Mayerföls aus Bad Schussenried, während Engeser Fensterbau aus Bad Wurzach für den Fensterbau verantwortlich ist.
Das ist uns wichtig: Wir sind selbst fest in der Region verwurzelt und möchten, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung ein möglichst großer Teil der Wertschöpfung in der Region bleibt.
Von außen sieht man vor allem den Neubau. Tatsächlich geht das Projekt aber deutlich weiter?
Ja. Der Erweiterungsbau ist eigentlich nur der sichtbarste Teil. Mindestens genauso wichtig ist, was innerhalb der bestehenden Klinik passiert. Wir nutzen das Projekt, um die Klinik räumlich neu zu strukturieren: Wo können wir Wege verkürzen? Welche Bereiche gehören zusammen? Was brauchen Pflege, Therapie und Medizin künftig?
Gerade der Umbau im Bestand ist planerisch teilweise anspruchsvoller als der Neubau. Dort arbeiten wir nicht auf einer freien Fläche, sondern in Räumen, die heute genutzt werden. Wir müssen also für jede Veränderung auch Übergangslösungen finden.
Wie weit sind Sie dabei?
Wir sind aktuell in den Endzügen der Raumplanung. Dabei beziehen wir ganz bewusst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pflege, Therapie und Medizin ein. Die Kolleginnen und Kollegen wissen aus ihrem Arbeitsalltag am besten, wo Wege zu lang sind oder Abläufe verbessert werden können. Diese Zeit investieren wir gerne. Denn ein Plan kann auf dem Papier noch so gut aussehen – am Ende muss er für die Menschen funktionieren, die täglich in diesen Räumen arbeiten.
Was wird sich für die Klinik konkret verändern?
Unsere Klinik wurde 1968 als rheumatologisch-orthopädische Rehaklinik gegründet und entsprechend den damaligen Anforderungen gebaut. Seit rund zehn Jahren behandeln wir hier auch neurologische und geriatrische Patienten. Mit dem Erweiterungsbau passen wir nun auch unsere räumlichen Strukturen an diese Entwicklung an und stellen die Klinik für die Zukunft neu auf.
Gerade in der Neurologie und Geriatrie sehen wir einen hohen regionalen Bedarf. Hier erhalten wir vier- bis fünfmal so viele Anfragen, wie wir entsprechende Betten zur Verfügung haben.
Mit der Erweiterung kommen rund 20 Betten hinzu. Damit wächst die Klinik von derzeit 210 auf künftig 230 Betten. Die zusätzlichen Kapazitäten sind für die Neurologie und Geriatrie vorgesehen. Von der Neustrukturierung profitiert aber die gesamte Klinik: Auch in der Orthopädie entstehen neue Möglichkeiten – beispielsweise für größere Patientenzimmer.
Mehr Kapazitäten bedeuten auch mehr Mitarbeitende?
Ja. Allein in der Neurologie rechnen wir perspektivisch mit einem zusätzlichen Bedarf von etwa zehn bis zwölf Mitarbeitenden in der Pflege. Das wird neben dem Bau eine unserer großen Aufgaben. Die Personalgewinnung wird deshalb parallel zum Bau eine unserer zentralen Aufgaben.
Wann soll der Erweiterungsbau in Betrieb gehen?
Der Plan ist, dass die neurologische Station zum 1. August 2027 in den Erweiterungsbau umzieht und dort den Betrieb aufnimmt. Der gesamte Umbau im Bestandsgebäude wird uns voraussichtlich bis ins Frühjahr 2028 begleiten.
Herr Nester, Sie sind seit 14 Jahren für die Haustechnik verantwortlich. Ist ein Projekt dieser Größenordnung auch für Sie persönlich etwas Besonderes?
Auf jeden Fall. Im Alltag sorgen wir mit unserem Team dafür, dass technisch alles läuft – und in einer Klinik mit 210 Patienten gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Jetzt entsteht parallel ein neuer Gebäudeteil und gleichzeitig stellen wir große Teile der bestehenden Klinik neu auf.
Für mich persönlich ist das ein Meilenstein – und ich denke, auch für den gesamten Standort. Eine Investition im zweistelligen Millionenbereich ist ein starkes Vertrauenssignal der Waldburg-Zeil Kliniken und unseres Gesellschafters in die Rehaklinik Bad Wurzach und die Arbeit, die hier in den vergangenen Jahren geleistet wurde. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, in denen viele Branchen mit Unsicherheiten zu kämpfen haben, ist eine solche Investition alles andere als selbstverständlich.
Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das aus meiner Sicht zugleich ein wichtiges Signal für die Zukunft des Standorts. Und wenn man jetzt sieht, wie aus den Plänen Stück für Stück etwas Greifbares entsteht, dann ist das schon ein besonderer Moment.

Die Modulbauweise mit Beton-Halbfertigteilen ermöglicht einen schnellen und lärmreduzierten Baufortschritt bei laufendem Klinikbetrieb. Foto: Waldburg-Zeil

Der Erweiterungsbau wächst sichtbar: Aktuell entsteht das 1. Untergeschoss – künftig folgt etwa alle zwei Wochen ein weiteres Stockwerk. Foto: Waldburg-Zeil








