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Jubiläum in Rot an der Rot: Pontifikalamt und exquisites Konzert „Klang-WELT“

Verenafest mit Annette Schavan und Gästen aus dem österreichischen Stift Schlägl

Foto: Herbert Eichhorn
Ein Herzstück der Roter Verenakirche: die berühmte Holzhey-Orgel.
veröffentlicht am: 11.09.2026
Autor: Herbert Eichhorn
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Rot a.d. Rot – Mit dem Verenafest 2025 haben die Roter vor zwölf Monaten ihr großes Festjahr zum 900-Jahr-Jubiläum des Klosters eröffnet. Mit dem Verenafest 2026 erreichte das Programm nun am vergangenen Sonntag (6.9.) einen weiteren Höhepunkt.

Vor 900 Jahren

Heute würde man wohl von einem Boom sprechen: Einen solchen erlebte im frühen 12. Jahrhundert der vom Hl. Norbert von Xanten neu gestiftete Orden der Prämonstratenser, benannt nach der ersten Gründung im nordfranzösischen Prémontré im Jahr 1121. Sehr schnell errichteten Norberts „weiße Mönche“ nun überall in Europa neue Klöster, so 1126 auch das Kloster Mönchsroth, wie Rot a. d. Rot lange genannt wurde. Ermöglicht wurde diese Neugründung durch die großzügige Schenkung der Witwe eines Ritters aus Graubünden. Hemma von Wildenberg stammte ursprünglich aus Wolfertschwenden im Unterallgäu und überließ nun Norberts Mönchen die Ländereien aus ihrer Mitgift und aus ihrer Erbschaft im Iller- und im Rottal. Das neue Kloster erlebte rasch eine erstaunliche Blüte, was auch die vielen Tochterklöster belegen, die von Rot aus gegründet wurden, so Wilten bei Innsbruck, Weißenau, Steingaden, Kaiserslautern und Marchtal.

Prämonstratenser aus ganz Europa zu Gast in Rot

900 Jahre nach der Gründung gibt es also in Rot für Kirchengemeinde und politische Gemeinde einiges zu feiern. Mit der Unterstützung von Förderern und Sponsoren konnten Pater Johannes-Baptist Schmid, Pfarrer der Seelsorgeeinheit und selbst Prämonstratenser-Chorherr, und seine Mitstreiter ein eindrucksvolles Jubiläumsprogramm auf die Beine stellen: unter anderem mit Gottesdiensten, Konzerten und Vorträgen. Das ganze Jahr über wurde dabei auch das europaweite Netzwerk der Prämonstratenser-Chorherrenstifte sichtbar. So haben in den letzten Monaten Gäste unter anderem aus den Klöstern in Wilten, Windberg oder Prag ihren Beitrag zum Festprogramm geleistet. Zum Fest des Hl. Norbert reiste schließlich im Juni aus Rom sogar der Generalabt des Ordens an.

Der Holzhey-Orgel ungewohnte Klangfarben entlockt

Und nun gab es zum Patrozinium der ehemaligen Klosterkirche wieder Besonderes. Diesmal kamen die Gäste aus dem Stift Schlägl im oberösterreichischen Mühlviertel. Am Vormittag stand Abt Lukas Dikany einem feierlichen Pontifikalamt vor. Am Nachmittag brachte Stiftskapellmeister Ewald Nathanael Donhoffer, ein renommierter Kirchenmusiker, in der Reihe „Klang-WELT“ die berühmte Holzhey-Orgel der Kirche zum Klingen. Das Klang-WELT-Format – es war nun bereits die dritte Ausgabe – verbindet Orgelmusik mit einem Impulsvortrag. Diesmal war dazu Annette Schavan nach Rot gekommen. Annette Schavan war unter Angela Merkel Bundesministerin für Bildung und Forschung und wurde später dann deutsche Botschafterin beim Vatikan. Jetzt war sie angekündigt mit dem Thema „Warum ich auf das Christentum nicht verzichten werde“.

Im Geiste Bruckners

Der Schlägler Stiftskapellmeister hatte ein fein ausgewogenes, ambitioniertes musikalisches Programm mit nach Rot gebracht. Zunächst gab es einen Block mit Orgelstücken, die Bezug aufwiesen zu seinem Kloster oder doch zu Oberösterreich. Und Oberösterreich – das bedeutet in Bezug auf die Musik natürlich zuallererst Anton Bruckner. Die wichtigsten Wirkungsstätten des großen Komponisten waren schließlich das oberösterreichische Stift St. Florian und die Landeshauptstadt Linz. Mit zwei Präludien von Simon Sechter brachte Donhoffer zunächst Werke eines Lehrers von Bruckner zu Gehör. Mit Stücken von Karl Borromäus Waldeck und Hermann Pius Vergeiner lernte man dann noch zwei Bruckner-Schüler kennen. Aber auch Zeitgenössisches kam zu seinem Recht. Zuerst gab es drei Sätze aus einer Orgelfantasie von Rupert Gottfried Frieberger, einem Prämonstratenser aus Stift Schlägl.

Improvisation über den Norbert-Hymnus

Der Höhepunkt des Konzerts war aber wohl eine eindrucksvolle Improvisation des Organisten über den Norbert-Hymnus. Man traute kaum seinen Ohren, welche ungewöhnlichen Klangfarben der Künstler der barocken Hauptorgel zu entlocken vermochte. Man fühlte sich teilweise geradezu an moderne elektronische Instrumente erinnert. Die Zuhörer reagierten denn auch mit spontanem Zwischenbeifall.

Annette Schavan wünscht sich pfingstlichen Aufbruch

In ihrem in das Konzert eingeschobenen Kurzvortrag blickte Anette Schavan (Bild) zuerst auf ihre Zeit als Botschafterin beim Vatikan zurück. Sie erinnerte sich an ihre Begegnungen mit Thomas Handgrätinger, den früheren Generalabt der Prämonstratenser, einem gebürtigen Ulmer. Danach ging es der Referentin um das Thema Aufbruch, zunächst um den Aufbruch der frühen Christen nach den Pfingstereignissen. Ihr Agieren, also ihr Leben im Gebet und gleichzeitig ihre Hinwendung zu den Benachteiligten, sorgte in der antiken Welt für große Irritation. In diesem Zusammenhang zitierte Schavan Papst Franziskus, der von Pfingsten als dem Tag sprach, an dem sich die Kirche für kulturelle Vielfalt entschieden habe. Und diesen mutigen Geist des Aufbruchs, der die ersten Christengemeinden auszeichnete, wünscht sich Annette Schavan auch für heute. Mit diesem könne es gelingen, der großen Verunsicherung, die unsere Zeit überall in Europa prägt, und dem Geist der Autokraten wirksam entgegenzutreten.

Zum Abschluss das Verena-Lied. Und dann läuteten alle Glocken

Die beeindruckende Veranstaltung im vom einfallenden Sommerlicht erfüllten Raum der Roter Kirche endete schließlich mit einem gemeinsamen Vaterunser und dem gemeinsamen Singen des Verena-Liedes. Danach setzte das Vollgeläut der Roter Kirchenglocken noch den traditionellen Schlusspunkt dieser ungewöhnlichen Klang-WELT.

Im Anschluss wurde bei herrlichem Spätsommerwetter vor der Kirche noch ausgiebig von der Gelegenheit zu Austausch und Gespräch Gebrauch gemacht. Das Patrozinium 2026 mit seinem ebenso festlichen wie abwechslungsreichen Programm – nachmittags hatte es zusätzlich noch eine informative Führung durch die Räume des ehemaligen Klosters gegeben – wird sicher allen Beteiligten in Erinnerung bleiben.
Text und Fotos: Herbert Eichhorn

In der Galerie Bilder von der Führung mit Karl-Heinz Linke durch die Räume des früheren Klosters. Fotos: Herbert Eichhorn

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