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    Von fliegenden Flaggen und schweren Jungs

    American Football bei den Razorbacks Ravensburg

    Foto: Ulrich Gresser
    veröffentlicht am: 08.09.2026
    Autor: Uli Gresser
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    Ravensburg – Beim letzten regulären Heimspiel der Saison der Razorbacks im Weingartener Teledata-Stadion am Lindenhof war unser Reporter Ulrich Gresser mit dabei. Ein Erlebnisbericht.

    American Football ist hierzulande eine Nischensportart. Die Razorbacks Ravensburg wurden 1987 gegründet und spielen seit einigen Jahren in der GFL (German Football League), also der höchsten Deutschen Liga. Ihre Heimspiele tragen sie im Teledata Stadion in Weingarten aus.

    Vor 1.614 Zuschauern sicherten sich die ifm Razorbacks zwar durch einen klaren 48:18-Sieg gegen die Regensburg Phoenix einen der heiß begehrten Plätze in den Playoffs 2026 – und das zum dritten Mal in Folge. Einziger Wermutstropfen: Der Mitkonkurrent um den zweiten Platz, der bei den Halbfinal-Playoffs den enorm wichtigen Heimvorteil gesichert hätte, die Pforzheim Walddogs, hatte bereits vor dem Heimspiel in Weingarten seine letzte Partie haushoch (86:6), gewonnen und damit die Razorbacks überholt. Daher war dieses Spiel am EBERHART Kids Day – Eberhart ist das Maskottchen der Razorbacks – für die Ravensburger von enormer Bedeutung. Jeder Punkt zählte also…

    Dass „Football“ aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten stammt, wurde dem Chronisten schon auf dem Parkplatz klar, als aus dem Auto nebenan zwei kleine Nachwuchs-Cheerleaderinnen in den Vereinsfarben und mit Krönchen im Haar kletterten. Dieser Eindruck verfestigte sich dann im Stadion selbst, wo dann ein enormer personeller und technischer Aufwand getrieben wurde, um den Zuschauern eine gute Show zu bieten. Stadionsprecher und Field-Reporter Markus Haider, der bei der Begrüßung der beiden Mannschaften die picke-packe volle Haupttribüne ein ums andere Mal aufforderte– in seiner Ausdrucksweise kurz der Razorback-Dome genannt – bei der Vorstellung der Spieler der Heimmannschaft diese schon richtig zu motivieren. Doch bevor die Cheerleaderinnen mit ihrer Verstärkung das erste Mal in Aktion treten konnten, stellte der zweite Stadionsprecher, der unter dem Tribünendach den Überblick behielt, die diversen Maskottchen, neben Eberhart und dem Maskottchen der Regensburger Mannschaft waren extra für den Kids-Day noch solche von verschiedenen anderen Vereinen, wie Towi von der Ravensburger Eishockeymannschschaft den Towerstars, ins Weingartener Tele-Data Stadion gekommen. Mit diesen wurden dann im Vorfeld des Spieles fleißig Selfies geschossen.

    Auch für einen Bad Wurzacher Jungen wurde ein Traum wahr: Ryan, der beim Razorback-Nachwuchs dabei ist, durfte beim Einmarsch der Mannschaften eine Vereinsfahne aufs Feld tragen und während der Mannschaftsvorstellung fleißig schwenken. Beeindruckend und imposant beim American Football fand der Autor dieses Berichtes, der bisher das Spiel nur aus Videoclips kannte, allein die schiere Gesamtanzahl der Spieler einer Mannschaft: Wenn beispielsweise das Angriffsrecht von einer Mannschaft zur anderen wechselt, wird dabei gleich die gesamte elf Mann starke Mannschaft auf dem Feld ausgewechselt, also von Defense auf Offense und umgekehrt. Dazu stehen noch Teams für Spezial-Aufgaben bereit. Und dem Headcoach genannten Cheftrainer stehen noch für jede Variante spezielle Trainer zur Seite. Bei Auswärtsspielen wird es also im Bus immer kuschelig eng…

    Auch ein Schiedsrichter-Team besteht aus acht Personen, dabei gibt der Referee als Oberschiedsrichter die Entscheidungen des Schiedsgerichtes per Lautsprecherdurchsage bekannt. Wenn die Schiedsrichter etwa beim häufiger vorkommenden Zusammenprall von mehreren starken Männern einen Regelfehler entdecken, werfen sie eine gelbe Flagge aufs Feld. Dass das Spiel auch gefährlich sein kann, erfuhr an diesem Nachmittag der Ravensburger Nummer – 1 – Receiver Anthony Harris Jr., der sich bei einem solchen Zusammenprall einen Fuß brach.

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    In der Halbzeitpause nach den ersten beiden Vierteln (á 15 Minuten) – bis dahin hatten sich die Ravensburger einen deutlichen 30:3 Vorsprung herausgearbeitet – sorgten die Cheerleaders wieder mit einem Auftritt auf dem Spielfeld für Stimmung auf den Rängen. Zuvor aber wurde jeder Punktgewinn am Spielfeldrand ausgiebig gefeiert, während die Stadionsprecher mit Geschenken, Razorbacks-Capes und Bällen, die sie in die Menge warfen, an diesem Nachmittag für leuchtende Kinderaugen bei den Kids sorgten.

    Doch leider konnte die Mannschaft von Headcoach John Gilligan ihr Ziel nicht erreichen, denn im zweiten Viertel gelangen den „Wildschweinen“ aus Oberschwaben keine weiteren Punkte, erst im vierten Viertel konnten sie bis zum Endstand von 48:16 wieder punkten. Das Spiel hatte vor allem von der Spannung gelebt, „Schaffen sie es oder nicht?“ fragten sich die Zuschauer. Trotz dieses beeindruckenden Sieges stellte es sich heraus, dass die Pforzheim Walddogs aufgrund ihres Kantersieges auf Platz zwei vorbeigezogen waren.

    Zwar hatte Headcoach John Gilligan während der folgenden Woche auf Zweckoptimismus gemacht: „Wir fahren nach Dresden, um zu gewinnen“, doch bestätigte die Realität beim dortigen Spiel der Razorbacks bei den Dresden Monarchs, dem ungeschlagenen Nordmeister, die Befürchtungen: Vor 6224 Zuschauern gewannen diese das Spiel deutlich mit 52:21.

    In zwei Wochen Play-off-Halbfinale

    Ravensburg trifft nun im Play-off-Halbfinale in zwei Wochen in Potsdam auf die Royals, den amtierenden deutschen Meister. Also eine schier unlösbare Aufgabe, bei der mit einem Heimspiel natürlich die Chancen auf einen Sieg etwas besser gestanden hätten.

    Trotz der für einen Laien manchmal etwas kompliziert erscheinenden Regeln ist das Spiel der Ifm. Razorbacks durchaus eine Reise (nach Weingarten) wert, ein Wiedersehen mit dem Glamourfaktor dieses uramerikanischen Spieles und der entsprechenden Show hat der Chronist schon einmal eingeplant.
    Bericht und Bilder: Uli Gresser

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    veröffentlicht am
    08.09.2026
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