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Bauernkriegsausstellung noch bis November 2026 zu sehen

Was bleibt vom 500. Jubiläum im Jahr danach?

Foto: Ulli Stark
Noch bis November ist die Bauernkriegsausstellung in der Zehntscheuer im Bauernhaus-Museum in Wolfegg zu sehen. Unser Bild zeigt Schüler einer 5. Klasse aus Bergatreute am Eingang zur Ausstellung.
veröffentlicht am: 10.08.2026
Autor: Ulli Stark
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wolfegg – Im Allgäu und in Oberschwaben finden sich viele bedeutende Schauplätze des Bauernkriegs. 2025 hat auch das Bauernhausmuseum Wolfegg mit einer Sonderausstellung an die Ereignisse vor 500 Jahren erinnert. Die sogar von der Landesregierung geförderte Aufmerksamkeit zum Jubiläum ist naturgemäß abgeflacht, viele Projekte sind beendet. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen will, wird auch im Jahr danach noch fündig.

„Mein Quadratmeter Bauernkrieg“

So laden Schilder mit Fragen wie „Wem gehört die Erde?“ die Besucher des Museums in den kleinen Pavillon gleich hinter dem Eingang ein. Seit Saisonbeginn zeigen darin 15 Elftklässler aus dem Ravensburger Welfengymnasium unter dem Motto „Mein Quadratmeter Bauernkrieg“, wie sie die damaligen Ereignisse einordnen. Sie hatten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln in einem freiwilligen Seminarkurs über Monate aufbereitet: Von der widersprüchlichen Haltung Martin Luthers über die Rolle der „unsichtbaren“ Frauen bis zur Frage, was vom Bauernkrieg und den zwölf Hauptforderungen blieb, die als erste Deklaration von Menschenrechten gelten. Auch die Bedeutung von Medien wurde mit Unterstützung des Museumsteams interaktiv gestaltet: Wie könnte ein Flugblatt von 1525 heute als Social-Media Post aussehen?

Flugblatt damals, Posting in den Sozialen Medien heute.

Existentielle Fragen – damals wie heute gestellt.

„Wimmelbilder“ veranschaulichen die Ereignisse

Das Bauernhausmuseum selbst konnte zum Jubiläum mit einem historisch besonders interessanten Gebäude punkten: Die ehemalige Zehntscheuer des Klosters Weißenau, 1430 errichtet, zweimal ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut, hat den Aufstand intensiv erlebt: Bauern aus dem Schussental und dem Bodenseeraum plünderten im Frühjahr 1525 die Vorräte, die sie zuvor als Abgabe an die Grundherren einbringen mussten. Es galt, die Truppen ihres „Seehaufens“ zu versorgen. Anschaulich wird das Ereignis in einer Art „Wimmelbild“, das der damalige Abt Jakob Murer später im Rahmen einer zwölfteiligen Chronik erstellen ließ.

Historisches Wimmelbild: Die Zehntscheuer in der Murer’schen Chronik. Damals hatte sie im Bereich des Klosters Weißenau gestanden, später dann in Gessenried, was zur Namensbildung „Zehntscheuer aus Gessenried“ führte.

Das Kloster Weißenau – einer der oberschwäbischen „Kirchenstaaten“, gegen den sich der Zorn der Bauern richtete (neben vielen anderen Herrschaften).

„Klein aber fein“ und mit „übersichtlichem Budget“

Das noch immer beeindruckende Gebäude dient heute als Haupteingang zum Bauernhausmuseum und beherbergt im 1. Stock die Sonderausstellung. „Klein aber fein“ und mit einem „sehr übersichtlichen Budget“ wurde sie wesentlich von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Andrea Schreck konzipiert. Mit allein 33 gebuchten Führungen mit rund 800 Teilnehmern sowie stets gut besuchten offenen an den Sonntagen zeigte sich Leiterin Dr. Tanja Kreutzer sehr zufrieden. Dazu kam nach ihrer Schätzung eine mittlere fünfstellige Zahl an Besuchern, die auch den Abstecher in die Ausstellung wählten.

Nach dem „Hype“ von 2025 zeigen nach wie vor Schulklassen, wie eine fünfte aus dem benachbarten Bergatreute, Intreesse. Im Zentrum des von Patricia Rönspies kurz vor den Ferien geleiteten Ausflugs standen zwar vom Museum angebotene praktische Aktionen, wie Buttern oder Mahlen. Als spannend wurden aber gerade die Schilderungen der Frondienste von Kindern oder die Frage empfunden, wie man vor TikTok & Co so eine Bewegung entfachte.

Besuch vom „Baltringer Haufen“

Die Fahne der Freiheit für die Bauern wird im Jahr 2026 auch noch andernorts in der Region hochgehalten. Eine Gruppe des Vereins „Freunde der Heimatgeschichte“ aus Baltringen war laut dem Vorsitzenden, Franz Liesch, „froh, dass es in Wolfegg noch die Gelegenheit gibt“. Wobei die Gemeinde im Kreis Biberach ihr historisches Erbe besonders pflegt: Schon seit dem Ende der 1990er-Jahre erinnert eine Dauerausstellung im Rathaus an den „Baltringer Haufen“, eine der drei bedeutendsten Zusammenschlüsse der Bauern im Raum Oberschwaben-Allgäu. Im Jubiläumsjahr kam sogar ein Denkmal dazu. Ein weiteres, in Form einer Gedenkstele, findet sich in Rappertsweiler, oberhalb des Tettnanger Stadtteils Langnau. Zur Erinnerung an das Wirken des „Seehaufens“ war dort 2025 sogar eine Oper unter freiem Himmel aufgeführt worden.

Empfehlenswerte Webseiten

Die Sonderausstellung zum Bauernkrieg im Museum Wolfegg ist noch bis Saisonende im November 2026 zu sehen: https://www.bauernhaus-museum.de/. Viele Details zum Bauernkrieg bietet die Homepage der Baltringer https://baltringer-haufen.de/wissenswertes/.

Die beiden genannten Webseiten haben wir unter den roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt

Das Bauernhausmuseum jenseits des Bauernkrieges

Das Bauernhausmuseum hat 2026 auch jenseits des Bauernkrieges wieder eine Fülle an heimatbezogenen Angeboten. Auch das bewährte Standaedangebot am idyllischen Hang oberhalb der Ach ist ein Tagesausflug jederzeit wert. Hier zwei Appetizer:

Gänse und Lämmer – immer schön anzuschauen. Besonders für Kinder.

Text und Fotos: Ulli Stark

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Ulli Stark
erstmals veröffentlicht am
09.08.2026
erneut veröffentlicht am
10.08.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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