Bad Wurzach – Es war eine große Verabschiedung: Klaus Amann wurde nach 35 Jahren als Lehrer am Salvatorkolleg Bad Wurzach – sechs davon als Schulleiter – in den Ruhestand verabschiedet. Viele Weggefährten aus dieser langen Zeit waren da, etwa Provinzial Pater Dr. Friedrich Emde, sein Vorgänger als Schulleiter, dem er schon als Stellvertreter zur Seite gestanden war. Auch Karl Midderhoff und Robert Häusle waren gekommen, die ebenfalls am Salvatorkolleg als Schulleiter tätig waren.

Ellen Butzko-Willke, für allgemeinbildende Gymnasien zuständige Referatsleiterin im Regierungspräsidium, überbrachte Klaus Amann persönlich die Entlassurkunde.
Der erste Teil der Verabschiedung fand in der Turnhalle gemeinsam mit den Schülern statt. Hier eröffnete das Vokalensemble musikalisch die Veranstaltung. Zwischen den Grußworten der Geschäftsführung Wibke Tiedmann und der Gesellschafter der Schule, vertreten durch Provinzial Pater Friedrich Emde, dem Elternbeirat und der Schülervertretung sowie von MdL Raimund Haser, dessen Tochter Schülerin der Schule ist, spielte das Improvisations-Theater der Schule einzelne Szenen aus dem Schulleben von Klaus Amann nach und bestückte nebenbei eine Büste mit dem Antlitz des scheidenden Schulleiters mit den Insignien seiner Fächer Religion und Mathematik.

Beindruckend fand Semih Haydar, Schülersprecher, was Klaus Amann als Schulleiter in den sechs Jahren alles erlebt hatte: Digitalisierung, Lehrermangel, Baustellen und natürlich Corona. Er habe in dieser Zeit dafür sorgen müssen, dass die Schule überhaupt irgendwie funktioniert. Und dass habe sie. Es falle den Schülern schwer zu glauben, dass er alt genug sei, in Pension zu gehen. „Vielleicht ist genau dies der Grund, warum dieser Abschied heute etwas unwirklich erscheint.“
In einem Rollenspiel mit dem Titel „Die offene Tür“ gingen Julia Fischer (Elternvertreterin) und Mitarbeitervertreterin Susanne Benzinger auf die stets offene Tür des Rektorats ein. Immer sei man willkommen gewesen, sei Zeit für ein Gespräch gewesen; Mitgestaltung sei selbstverständlich gewesen. „Mach halt mal“ sei keine Floskel für Klaus Amann gewesen, sondern ein Zeichen für Vertrauen. Er sei immer gelassen geblieben und habe damit sowohl den Mitarbeitern als auch den Elternvertretern Sicherheit gegeben. Und um dem Kaffeegenießer ein adäquates Geschenk zu machen, gab es für die Zeit nach der Schule einen Barista-Kurs, bei dem er wieder Schüler sein darf.
Bemerkenswert kurz fiel das in freier Rede gehaltene Grußwort von MdL und Staatssekretär Raimund Haser aus. Er stellte fest, dass die privaten Schulen fest in der Landesverfassung verankert seien. Sie erfüllten dabei eine wichtige Funktion: Viele Veränderungen konnten praktisch in den Privatschulen „getestet“ werden. Und hier habe man bei Klaus Amann immer schon die schon erwähnte offene Tür vorgefunden.

Im zweiten Teil der Verabschiedung mit geladenen Gästen eröffnete nach einem Musikstück des Vokalensembles Ellen Butzko-Willke, Leiterin des Referats 75 (zuständig für allgemeinbildende Gymnasien im Regierungspräsidium), den Reigen der Grußworte. Sie hatte für ihre Rede Klaus Amanns Arbeit für das Erste Staatsexamen ausgegraben. Sie handelte von Nikolaus von Kues, auch Nicolaus Cusanus, genannt. Denn in dessen Werk tauchen jene Säulen auf, die auch die Schulphilosophie des Salvatorkollegs tragen: unter anderem Universalität = Begabungsförderung oder Spiritualität = Besinnungstage und Philospophisch-Theologisches Kolloquium, die auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, sowie die Weltoffenheit, die mit dem Begriff Universalität umschrieben wird. Klaus Amann habe in den 35 Jahren an der Schule dem Kolleg seinen Stempel aufgedrückt, das sicher auch weiterhin in cusanischen Geist geführt werden werde. Dass sie persönlich dem scheidenden Schulleiter die Entlassungsurkunde überreichte, wurde von den Anwesenden, aber auch von Amann selbst als besondere Auszeichnung angesehen.
Florian Schiller kam vor 42 Jahren ans Kolleg

Bürgermeister Florian Schiller wünschte dem scheidenden Schulleiter viel Glück in seinem (Un-) Ruhestand.
Neubürgermeister Florian Schiller war selbst vor 42 Jahren als Fünftklässler ans Kolleg gekommen. Er und seine Klasse hätten sich bei der Amann´schen Lehrprobe sehr brav verhalten, mehr noch: Klaus Amann habe in ihm Leidenschaft für Mathematik geweckt, so dass er später in der Oberstufe sogar den Mathematik-Leistungskurs bei Karl Guter gewählt habe.
André Radke, Leiter des Bildungshauses Arnach und geschäftsführender Schulleiter der Wurzacher Schulen, erinnerte in seinem Grußwort an viele Diskussionen um Buslinien, an G8 und G9, vor allem aber auch daran, dass Amann immer den Menschen gesehen habe und Schule gelebt habe. „Was bleibt von dieser Zeit: Er war ein echter Weggefährte, hat einen besonderen Geist geprägt und war loyal.“ Er habe auch über den Tellerrand hinausgeblickt. Besonders in Erinnerung geblieben ist Radke der letzte Schulleiterausflug, bei dem Amann ihnen seine Heimatstadt Wangen gezeigt hatte, die Grundschule in Haslach und sogar sein Elternhaus, in dem sie seine Schwester aufs Beste verköstigt hatte. Über das Berufliche hinaus werde Klaus Amann in der Runde fehlen. Ein großer Dank ging auch an Amanns Ehefrau Eva.

André Radke erinnerte mit diesem Druck an einen eindrucksvollen Ausflug nach Wangen.
Amann selbst dankte der Stadtverwaltung, bei der er immer Unterstützung erhalten habe. Den Schulleiterkollegen für deren Kooperation und unbürokratische Hilfe; „der kurze Dienstweg ist halt doch der schnellste.“ Er dankte auch Ellen Butzko-Willke und dem Regierungspräsidium für die Unterstützung bei jeder Frage und die intensive Begleitung. Ganz besonders dankte er seinem Kollegium und der Geschäftsführung für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und die freundschaftliche Zusammenarbeit.
Text und Fotos: Uli Gresser
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