Am 21. Juli hat die Bad Wurzacher Kurhaus-Genossenschaft ihre 4. Generalversammlung abgehalten. Vorstand und Aufsichtsrat zeigten sich hochmotiviert, wenngleich die Zahlen ernüchternd sind. Aber: Eine Trendwende zeichnet sich ab.
Nein, die Kurhaus-Genossen sind längst noch nicht übern Berg. Im Jahre 2025 hat man 250.000 € Miese gemacht. Man lag beim Umsatz um rund 21 Prozent unter Plan. Das Eigenkapital ist zu mehr als 60 Prozent verzehrt. Die Genossenschaft musste einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 250.000 € aufnehmen, der zu zwei Dritteln schon verbraucht ist. Verbandsprüfer Oliver Götz, um dessen Expertise die Bad Wurzacher Genossen freiwillig ersucht hatten, bezeichnet die Vermögenslage der Genossenschaft zum Jahresende 2025 als „nicht befriedigend“ und die Ertragslage als „unzureichend“.
Das Problem ist der Saal. Restaurant und Biergarten entwickeln sich recht erfreulich, wenngleich auch hier noch Luft nach oben ist.
Die Bad Wurzacher, das wurde auf der Generalversammlung (GV) mehrfach angesprochen, haben es in der Hand, genauer, in der Gabelhand, hier mitzuhelfen. Essen für das Kurhaus – so lautet die Win-win-Losung für Gast und Gastro-Genossenschaft.
Giorgio Maucher und sein Team lassen sich viel einfallen, um den Gaumen zu kitzeln und die Kasse zum Klingeln zu bringen. Gute Ideen sind zum Beispiel die Stempelkarte – das elfte Mittagsessen ist frei – und die – steuerlich absetzbare – Mittagsmarke. Wenn mehr örtliche Unternehmer ihren Mitarbeitern die Mittagsmarke in die Hand drückten, wäre der „Torfstecher“ voller.
Lokal-patriotisches Futtern allein reicht aber nicht.
Im Saal liegt der Schlüssel.
Und hier ist nicht die Pacht das Problem. Auf Nachfrage wurde eine Monatssumme von 3000 € genannt, was für ein Haus dieser Größenordnung sehr maßvoll ist.
Nein, die Raumkosten sind es, die ins Kontor schlagen. Gut 120.000 € im Jahr müssen fürs Heizen und Reinigen, für Strom und anderes aufgebracht werden; die Pacht schlägt mit 36.000 € zu Buche, zusätzlich.
Der Glasstadel ist zu laut. Die Bestuhlung nicht mehr zeitgemäß. Die Theke im Vorraum nicht ausreichend leistungsstark. Hier ist die Stadt als Eigentümerin gefordert. Florian Schiller, der neue Bürgermeister, ist der genossenschaftlichen Idee zugetan – wie schon seine Vorgängerin. Er wird wohl ahnen – wie so viele Wurzacher –, dass die Kurhaus-Rettung durch die Genossen alternativlos ist. „Wer, wenn nicht wir“, sagte Aufsichtsrat Stefan Ries selbstbewusst zur Bildschirmzeitung. Er wie auch die anderen aus der Riege der sieben wackeren Wurzacher – fünf Aufsichtsräte, zwei Vorstände – ist ein Mann vom Fach, verdient seine Brötchen bei den Käsefreunden in Kißlegg.
Nein, an der Expertise der Sieben besteht kein Zweifel. Alles bewährte Männer. Aber nobody is perfect. „Wir haben Fehler gemacht“, räumen sie ein. Der Foodcontainer im Biergarten, zum Beispiel, ist gefloppt. Anders gesagt: Der Bad Wurzacher will seinen Wurstsalat an den Tisch gebracht haben.
Es war ein Versuch, Personalkosten zu drücken.
Auch wenn die Stadt baulich nachrüsten sollte, auch wenn die Stadt anderweitig entgegenkommt: Entscheidend ist auf‘m Platz – wie der Fußballer sagt.
Also im Saal.
Giorgio Maucher, der hauptamtliche Vorstand, legt sich mächtig ins Zeug, um den Kursaal, von den Genossen Panorama-Saal geheißen, auszulasten. Bei der GV lockte er erneut mit dem Vereins-Bonbon: Einmal im Jahr übernimmt die Stadt die halbe Saalmiete. Das darf jeder Verein, mehr noch: jede Organisation, aus der Großgemeinde in Anspruch nehmen. Auch andere Akteure finden den Weg ins oder ans Kurhaus: Mit Schwäbisch Media und den OEW wurden starke Veranstalter gewonnen (letztere für das Klassik-Konzert vor dem Kurhaus). Auch die türkische Community hat den Saal schon wiederholt gebucht.
Nein, die Kurhaus-Genossen sind noch nicht übern Berg. Aber die sieben wackeren Wurzacher sind immer noch gut unterwegs.
Worauf stützt sich unsere Zuversicht?
Der Rückhalt in der Bad Wurzacher Gesellschaft ist ungebrochen – abgesehen von notorischen Nörglern und Bedenkenträgern. 193 der 900 Genossen waren zur Generalversammlung gekommen, 276 hatten sich angemeldet. Das ist eine achtbare Präsenz, eine Quote, von der die allermeisten Vereine träumen. Und: Die Beschlüsse ergingen einstimmig, die Fragen aus den Reihen der Genossen waren allesamt konstruktiv, die Stimmung insgesamt wohlwollend.
Das Führungsteam zeigt Korpsgeist, hat Biss. In internen Gesprächen werde hart um Lösungen gerungen, lässt einer durchblicken. Man sei mit großem Ernst bei der Sache; Konflikte seien bei der Frage der optimalen Zielerreichung unvermeidlich.
Die jüngsten Zahlen deuten einen Turnaround an: Im April 2026 verbuchte man einen kleinen Überschuss in Höhe von 3685 € nach einem Minus von 34.781 € im April 2025. Der Mai 2026 zeigte sich mit einem Plus von 2976 € (Vorjahr: minus 1302 €) und im Juni lag man mit 2294 € um nicht weniger als 25.785 € über dem Vorjahresergebnis (minus 23.491 €).
Auch wenn sich jetzt ein Silberstreif am Horizont abzeichnet. Es gilt die gute alte schwäbische Devise: It luck lau. Denn in der Kriegskasse liegt nicht mehr allzu viel Bares. 38,6 Prozent des Eigenkapitals sind noch da, berichtete der ehrenamtliche Vorstand Bernhard Schad. Falls es liquide Masse ist, wären das unserer Einschätzung nach etwas mehr als 250.000 €. Hinzukommt der noch nicht abgerufene Teil des Betriebsmittelkredites.
Wir alle haben es in der Hand: Bürger, Gäste, Unternehmer, Vereine, Veranstalter sind aufgerufen, den „Torfstecher“ zu besuchen und den Saal zu buchen.
Nur so kann es gelingen.
Gerhard Reischmann






