Bad Wurzach – Nach der Generalversammlung im Februar, in welcher das wirtschaftliche Geschehen für das Eröffnungsjahr 2024 aufgearbeitet wurde, wurden den Genossen, von denen rund knapp 200 der Einladung in den Panoramasaal (Kursaal) zur vierten Generalversammlung gefolgt waren, nun die Zahlen für das erste komplette Geschäftsjahr 2025 präsentiert. Dabei wurden zwei Tendenzen sichtbar: Der „Torfstecher“, das Restaurant, entwickelt sich positiv, während der Saal nach wie vor das Sorgenkind ist. Unser Reporter Uli Gresser berichtet von der 4. Generalversammlung der Kurhaus Bad Wurzach eG, abgehalten am 21. Juli im Kurhaus.
Dank an Alexandra Scherer

Der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Gschwind (Bild) eröffnete die Versammlung, zu der er auch den neuen Bürgermeister Florian Schiller begrüßen konnte, mit einem Dank an dessen Vorgängerin Alexandra Scherer. Diese sei eine Befürworterin der Genossenschaftsgründung gewesen und habe immer ein offenes Ohr für deren Anliegen gehabt. Dafür gab es Beifall. Auch Florian Schiller sei ein Genosse der ersten Stunde. Gschwind berichtete, dass die Besucherzahlen seit Februar gestiegen seien. Zur wirtschaftlichen Lage sagte er: „Die Zahlen sollten besser ausschauen.“ Das Wichtigste sei: Kommen und einkehren. Er wies auch auf den Mitglieder-Rabatt hin, den jedes Mitglied bei einem Umsatz von mehr als 700 € für eine Feier oder Veranstaltung erhalte.
Schlechtes Weihnachtsgeschäft

Vorstand Bernhard Schad (Bild) erläuterte die Bilanz des ersten vollen Geschäftsjahres 2025. Während das Restaurant sich stabil entwickelt hatte, blieb der Saal das große Sorgenkind. Einem Umsatz von 1,16 Millionen Euro stünden Kosten von 1,40 Millionen Euro gegenüber, was einen Verlust von knapp 250.000 Euro mit sich brachte. Für den Umsatzeinbruch in den Monaten November und Dezember 2025, eigentlich die umsatzstärksten Monate des Jahres, war die schlechte wirtschaftliche Lage einiger Bad Wurzacher Betriebe verantwortlich, die ihre Weihnachtsfeiern deswegen abgesagt hatten.
Die Personalkosten seien zwar nach wie vor hoch, doch könne man daran nicht mehr schrauben: „Das Einzige was hilft: mehr Umsatz.“ Ein weiterer großer Kostenfaktor sieht Schad bei den Kosten für das Haus: 160.000 € kosteten Pacht, Energie, Reparaturen und Reinigung. Dies sei mitverantwortlich dafür, dass die Eigenkapitalquote auf unter 40 % gefallen ist.
Hier werde man das Gespräch mit der Stadt als Eigentümerin suchen, um diese Kosten zu senken. Gelungen sei die Kostensenkung beim Wareneinsatz, dessen Quote bei 27 % liege.
Beim Ausblick auf 2026 ist Schad optimistisch. In den zurückliegenden drei Monaten konnten durchweg positive Ergebnisse erzielt werden und er ist sich sicher, dass diese Tendenz anhalten wird. Er schlug der Versammlung vor, den Verlust auf das 2026 vorzutragen.

Der hauptamtliche Vorstand und Geschäftsführer Giorgio Maucher (Bild) berichtete im Anschluss vor allem über die geplanten und umgesetzten Maßnahmen zur Umsatzsteigerung im Restaurantbetrieb und für den Saal. Als Pluspunkt verbuchte er, dass das Mittagsbuffet immer besser laufe. Außerdem habe man die Speisekarte insofern optimiert, dass nun der Schwerpunkt mehr auf Klassiker und Standardgerichte gelegt werde. Der Sonntagsbrunch werde aufgrund des hohen Kostenaufwandes zukünftig nur noch am ersten Sonntag des Monats stattfinden.
Beim Sorgenkind Saal wurde die Zusammenarbeit mit JS Management auf Provisionsbasis umgestellt. Der Landkreis wird verstärkt Veranstaltungen dort durchführen, auch Schwäbisch Media wird mit zwei Klassikkonzerten zur Umsatzsteigerung beitragen. Fuat Karaismaioglu, dem der Betrieb des Saales am Herzen liegt, habe schon mehrere Veranstaltungen beigebracht. Neben eigenen Veranstaltungen im „Torfstecher“, wie etwa die beliebten Towerpartys, soll durch gezielte Marketingmaßnahmen, etwa verstärkte Präsenz auf Hochzeitsmessen, auch der Saal eine bessere Auslastung bekommen.
Beim Biergarten wurde sehr schnell auf den Container mit Selbstbedienung verzichtet, weil er nicht besonders gut lief. Zukünftig wird es für eine bessere Übersicht für das Bedienpersonal einen zentralen Eingang geben, wobei das Areal durch einen flexiblen Haselnusszaun abgegrenzt wird.
Die Baufreigabe für die Werbetafel an der Seite zur Kirchbühlstraße kam vor zwei Wochen, angesprochen auf eine eigene große Werbung für den Torfstecher in der Innenstadt musste Sascha Dargel dem Fragenden die gleiche Antwort wie bei der letzten GV im Februar geben: Aus rechtlichen Gründen sei es nicht erlaubt, für einen einzelnen Gastronomiebetrieb Werbung zu machen, dies ginge nur für die gesamte Branche. Aber man sei dran, die Werbung zu intensivieren.
Christoph Gschwind berichtete von der Arbeit des Aufsichtsrates; bei den Sitzungen sei es jedes Mal um die drei gleichen Themen gegangen: Liquidität, Saalauslastung und Biergarten.

Giorgio Maucher erläuterte auch den Mitgliedervorteil, der bei einem Mindestumsatz von 700,00 € einen Rabatt von 10 Prozent ausmacht.

Auch die Stammgastkarte ist eine von Giorgio Mauchers Marketingmaßnahmen: Auf der Stempelkarte wird jedes Mittagessen vermerkt; nach zehn Essen im „Torfstecher“-Mittagsbüffet ist das elfte Essen gratis.

Aufsichtsrat Christian Gindele (Bild) verlas im Anschluss daran den Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes, in dem, wie erwähnt, die zu geringe Eigenkapitaldecke bemängelt wurde. Rechnungslegung und Risikofrüherkennung seien in Ordnung.

Nikolai Stürmer (Bild), der für Stefan Fimpel bei der letzten GV in den Aufsichtsrat gewählt worden war, damals sich jedoch nur per Videoschalte vorstellen konnte, holte dies an diesem Abend nach. Er stellte im Namen des Aufsichtsrates die Beschlüsse vor, die die Versammlung zu fassen hatte. Bei allen Beschlüssen herrschte Einstimmigkeit. So wurde der Jahresabschluss genehmigt, ebenso über die Ergebnisverwendung entschieden und der Mitglieder-Rabatt eingeführt.
Bürgermeister Schiller leitete Entlastungen und Wahlen

Florian Schiller, als Bürgermeister seit wenigen Tagen im Amt, leitete die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates (erfolgte jeweils einstimmig) und die Wahl zum Aufsichtsrat. Turnusgemäß hatten Manuel Pfender und Christoph Gschwind zur Wiederwahl angestanden. In offener Abstimmung wurden die beiden einstimmig wieder in den Aufsichtsrat gewählt (bei Enthaltung durch die beiden Kandidierenden).

Das Kurhaus steht im Eigentum der Stadt. Geführt wird es einschließlich des zugehörigen Restaurants „Torfstecher“ von der Kurhaus-Genossenschaft, die mehr als 900 Mitglieder zählt. Unser Bild zeigt Bürgermeister Florian Schiller, flankiert von (links) Christoph Gschwind (Aufsichtsratsvorsitzender der Kurhaus Bad Wurzach eG) und (rechts) Bernhard Schad, dem ehrenamtlichen Vorstand der Genossenschaft (hauptamtliche Vorstand ist Giorgio Maucher; die vier weiteren Aufsichtsräte sind Christian Gindele, Manuel Pfender, Stefan Ries und Nikolai Stürmer).
Und so endete nach knapp zwei Stunden die 4. Generalversammlung der Kurhaus Bad Wurzach eG. Danach gab es noch Gelegenheit zu guten Gesprächen.
Text und Fotos: Uli Gresser
Nachstehend finden Sie unter „Lesen Sie hierzu auch“ einen Kommentar zur Entwicklung der Kurhaus-Genossenschaft








