„Heimat nei!“ nimmt Gestalt an


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Bad Waldsee – Sonntagmorgen, 10.00 Uhr. Noch hat die Sommerhitze den Schlosshof nicht erreicht. Eine überdachte Bühnenkonstruktion, getragen von vier Pylonen, lehnt sich an die barocke Schlossfassade. Die mächtigen Mauern des Schlosses bilden eine eindrucksvolle Kulisse für die diesjährigen Schlossfestspiele.

Ein gutes Dutzend Männer und Frauen hat sich auf und um die Bühne versammelt. Eine junge Frau im blauen Sommerkleid mit weißen Punkten bittet alle nach vorne. „Wir haben schon lange nicht mehr an der Sprache gearbeitet. Das müssen wir jetzt nachholen.“
Was folgt, klingt für Außenstehende zunächst etwas merkwürdig. Die Schauspieler sprechen Zungenbrecher, rollen das „R“, summen, brummen und dehnen Vokale. „Die schwindende Schlange schwindet“, schallt es über den Schlosshof. Danach folgen lang gezogene „Brrrr“ und „Wwww“. Es sind Atem-, Stimm- und Sprechübungen, wie sie zu einer professionellen Theaterprobe gehören.
Die junge Frau im Sommerkleid (Bild oben) ist Regisseurin Catriona Blanke. Sie überlässt nichts dem Zufall. Geduldig arbeitet sie mit ihrer Laienspielschar an Aussprache, Betonung und Bühnenpräsenz. Jede Szene soll glaubwürdig wirken, jeder Satz verständlich beim Publikum ankommen.
Dann heißt es: Alles auf Anfang.
Die Bühne ist leer. Catriona Blanke imitiert den Pausengong eines Theaters. Im nächsten Moment öffnet sich das Schlossportal. Die Hauptdarstellerin tritt auf – und schon befindet sich das Ensemble mitten in der ersten Szene. Nach und nach füllt sich die Bühne. Eines ist schon nach ein paar Sätzen klar: Im Stück kommt der Humor nicht zu kurz. Immer wieder unterbricht die Regisseurin kurz, gibt Hinweise, verändert Laufwege. Schon während der Probe wird deutlich: Dieses Stück lebt von Tempo, Humor und der sichtbaren Spielfreude seiner Mitwirkenden.
Nach der Probe hatte die Bildschirmzeitung Gelegenheit, mit Regisseurin und Autorin Catriona Blanke zu sprechen.
„Heimat nei!“ entstand nicht auf dem Reißbrett. Ausgangspunkt war vielmehr ein nahezu vergessenes Theaterstück aus den 1950er-Jahren, das im Stadtarchiv entdeckt wurde. Daraus entwickelte sich im Laufe vieler Monate ein völlig neues Bühnenkonzept.
Im Mittelpunkt der Aufführung steht eine Autorin, die vom Oberbürgermeister den Auftrag erhält, ein Theaterstück über 1100 Jahre Bad Waldsee zu schreiben. Weil sie selbst nicht aus der Stadt stammt, fällt ihr der Einstieg zunächst schwer. Gemeinsam mit städtischen Mitarbeitern begibt sie sich auf Spurensuche. Welche Ereignisse haben die Stadt geprägt? Welche Persönlichkeiten dürfen in einem Jubiläumsstück nicht fehlen? Darüber wird diskutiert, gestritten und ausprobiert. Die historischen Szenen entstehen dabei wie in einer Theaterprobe. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen zu einer lebendigen Collage.
Besonders beeindruckt hat Catriona Blanke bei ihren Recherchen der Freiheitsgeist der Stadt. „Ich habe nicht mit so viel Freiheitsdrang gerechnet“, erzählt sie. Bad Waldsee habe sich trotz schwieriger geschichtlicher Zeiten immer wieder behauptet. Dieser Gedanke ziehe sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
40 Mitwirkende
Rund 40 Mitwirkende stehen bei den Schlossfestspielen auf und hinter der Bühne – Schauspieler, Sänger, Musiker und Tänzer. Das Schauspielensemble umfasst 13 Darstellerinnen und Darsteller. Die meisten stammen aus Bad Waldsee und der näheren Umgebung, fünf Schauspieler brachte Catriona Blanke aus einer früheren Produktion in Ravensburg mit.
Was wünscht sich die Regisseurin nach der Premiere? Die Antwort kommt ohne langes Nachdenken: „Ich wünsche mir, dass die Zuschauer einen neuen Zugang zu der Frage finden: Was ist Heimat eigentlich für mich?“
Und wer bisher glaubte, Theater sei nichts für ihn, den möchte sie ausdrücklich eines Besseren belehren. „Es ist kein klassischer Theaterabend, sondern ein richtiges Happening“, sagt Catriona Blanke. Die besondere Atmosphäre des Schlosses, die große Zahl der Mitwirkenden und die Mischung aus Schauspiel, Musik und Tanz versprechen einen außergewöhnlichen Theaterabend.
Mit einem Schmunzeln fügt sie noch einen Satz hinzu, der auch als Einladung an alle Bad Waldseer verstanden werden darf: „Wer das verpasst, ist wirklich selber schuld.“
Premiere am 10. Juli
Premiere das am Waldseer Wasserschloss zur Aufführung gelangenden Stückes „Heimat Nei!“ ist am 10. Juli; weitere Aufführungen sind am 11.7., 17.7. und 18.7., jeweils um 20.00 Uhr.
Nur noch wenige Karten
Wer sich die Schlossfestspiele nicht entgehen lassen will, muss sich beeilen. Es sind nur noch wenige freie Karten übrig. Karten gibt’s in der Bad Waldseer Tourist-Info oder über Reservix.

Am Wasserschloss ist die Bühne aufgebaut: ein beeindruckendes Ambiente.

Blick ins Textbuch.

Was suchen sie da?

Die Probenarbeit umfasst auch Sprechübungen …

Brrrr“ und „Wwww“ und andere Laute: Atem-, Stimm- und Sprechübungen sind unverzichtbar.
Bilder aus der Probe







Bilder aus der Probe am 28. Juni.
Text und Fotos: Erwin Linder

































