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Region – Simon Hagenmaier ist Pastoralassistent in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und möchte nach seiner Beauftragung zum Pastoralreferent später am liebsten in der Seelsorge mit Wohnungslosen und Jugendlichen arbeiten. Im ersten Ausbildungsjahr zum Pastoralreferent steht Seelsorge schon mit im Lehrplan / Begleitung durch diözesane Stelle bereits im Studium. Beeindruckt ist er von dem, was Ehrenamtliche in den Gemeinden leisten. Im Interview berichtet er über den Weg in seinen Wunschberuf.
Herr Hagenmaier, wie kamen Sie dazu, sich für einen Beruf in der Kirche zu entscheiden?
Diese Entscheidung fiel während meiner Zeit in der Ulmer Punkszene. Dort habe ich immer wieder erlebt, wie Jugendliche und junge Erwachsene in der Stadt verscheucht wurden, dass sie keine Anlaufstelle hatten. Man kann schwer über diese Szene reden, ohne über Schicksale zu sprechen. Und wenn man sich dann so wie ich als Christ und als Teil der katholischen Kirche versteht, stellt man sich die Fragen nochmals anders und ich möchte eben, dass die Kirche ihrem Auftrag nachkommt und den Bedrängten aller Art zur Seite steht.
Und warum genau haben Sie sich für den Beruf des Pastoralreferenten entschieden?
Meine Schwester hat in München Theologie studiert und machte mich auf diesen Beruf aufmerksam. Ich dachte mir, dass ich gerne Jugendarbeit mache und es mir wichtig ist, dass die Kirche dort Verantwortung übernimmt. So kam ich darauf. Ich möchte im Namen der Kirche das tun, was ich von ihr erwarte. Das ist mein Schlüsselsatz und deshalb entschied ich mich für das Theologiestudium.
Was für Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Pastoralreferenten?
Den Magister in Theologie und man sollte schon während des Studiums dem Bewerberkreis in Tübingen beitreten. Dort wird man auf die Ausbildung vorbereitet und absolviert Praktika, zum Beispiel an einer Schule und in einer Kirchengemeinde. Wirklich hilfreich war auch das Sprachenjahr auf dem Ambrosianum in Tübingen. Dort lernt man die Sprachen, die man fürs Studium braucht und wird dabei richtig supportet.
Wie sah Ihre Ausbildung bisher aus?
Ich habe im September begonnen und bisher ging es darum, Predigten und Gottesdienste vorzubereiten, zusammen mit Gläubigen Wortgottesdienste zu feiern und sie anzuleiten. Andere große Felder in meinem ersten Ausbildungsjahr sind der Religionsunterricht am Gymnasium, Jugend, die Firmvorbereitung und natürlich auch die Seelsorge.
Gibt es etwas, das Sie dabei überrascht hat oder was Sie sich anders vorgestellt hatten?
Ja. Ich bin immer wieder schwer beeindruckt von der Arbeit der Ehrenamtlichen in den Gemeinden. Ich hatte früher auf dem Dorf selbst Jugendgruppen geleitet, aber seitdem ich als Hauptamtlicher arbeite, bekomme ich den Überblick und sehe, an wie vielen Stellen es Ehrenamt gibt und wie wertvoll es ist. Da bin ich immer wieder positiv überrascht und finde das sehr schön.
Wo möchten Sie im Anschluss an ihre Ausbildung dann tätig werden?
Mein großer Wunsch ist es, als Seelsorger an der Schnittstelle zwischen Wohnungslosen und Jugendlichen zu arbeiten – also genau da, wo ich früher viele Freunde hatte.
Und was sagen Sie Menschen, die Ihre Ausbildungs- und Berufswahl nicht verstehen?
Ich kann erklären, warum ich das machen möchte und die allermeisten können das nachvollziehen. Die Kirche hat als Institution einen großen Auftrag, für den Wert des Menschen einzustehen, unabhängig davon wieviel Geld jemand hat oder welche Leistung er erbringt. Letztendlich glaube ich, dass Gott selbst diesen Weg mit uns geht.
Hatten Sie auch Zweifel und wenn ja, wie sind sie ihnen begegnet?
Ja, es gab Zweifel. Man kann an dem eigenen Weg zweifeln oder an der Kirche oder an Gott. Und ich finde, alles gehört irgendwie dazu. Zweifel darf man nicht kleinreden oder ignorieren und dann geht man auch, denke ich, gestärkt weiter. Mir hat es immer sehr geholfen mit Freunden darüber zu reden, zu beten und sich wirklich Zeit dafür zu nehmen.
Welche Bedeutung nimmt für Sie der Glaube im Alltag ein?
Die Art und Weise, in der ich Dingen Bedeutung zumesse, hängt stark davon ab, was für einen persönlichen Glauben ich habe. Der Gedanke zum Beispiel, dass ich eines Tages sterben werde. Da kann man entweder verzweifeln oder sich überlegen, was hat Wert über den Tod hinaus, und was ist wichtig im Leben? Das ist doch der Glaube an die Gegenwart der Menschen, die schon bei Gott sind, und der Glaube an den Gott in meinem Leben, und dann dieses Vertrauen auch zu pflegen. Das altgriechische Wort für ‚Glauben‘ kann man mit ‚Vertrauen‘ übersetzen und das finde ich auch besser und das ist im Alltag unglaublich wichtig. Es schafft andere Verhältnisse. Glaube ist halt Beziehung. Der Glaube daran, dass wir erlöst sind, ist überhaupt ein Grund dafür zu sagen, wir können uns das Reich Gottes nicht erarbeiten. Wir haben den Himmel geschenkt bekommen und aus der Freude heraus beschenkt worden zu sein, beschenken wir weiter und auch das schafft ganz andere Lebensverhältnisse. Es ist eine coole Mischung aus Gelassenheit und Feuer. Das macht das Christentum auch so einzigartig.
Wann haben Sie zuletzt gedacht: „Das ist genau der richtige Weg für mich“?
Heute, während ich den nächsten Unterricht für die Schule vorbereitet habe und mir ein Gedanke kam, den ich gerne umsetzen möchte. Oder wenn ich an die Firmvorbereitung denke und die Möglichkeit unterschiedliche Menschen zusammenzubringen. Ich bin eigentlich grundsätzlich dankbar, in einer Zeit zu leben und in der Kirche zu arbeiten, in der sich Dinge ändern und neu gedacht werden müssen.
Was würden Sie jemandem raten, der überlegt, einen ähnlichen Weg einzuschlagen?
Wer sich für den Beruf des Pastoralreferenten entscheidet für den habe ich folgenden Tipp: Pflege Deinen Kalender, damit Du keinen Termin vergisst und hab Freude daran Leute zu unterstützen, die was machen wollen.
Zur Person:
Simon Hagenmaier ist Pastoralassistent und zurzeit in der Seelsorgeeinheit Ulmer Westen tätig. Nach Abschluss seiner Ausbildung wird er voraussichtlich ab 2028 in einer Seelsorgeeinheit der Diözese als Pastoralreferent tägig sein. Der 32-Jährige wuchs in der Nähe von Ulm auf, verbrachte in seiner Jugend mehrere Jahre in der Ulmer Punkszene und studierte dann Theologie in Tübingen. Bevor er sich dazu entschied, die Berufslaufbahn des Pastoralreferenten einzuschlagen, absolvierte er eine Ausbildung zum Technischen Kommunikationsassistenten. Bis heute hat er Punkmusik nicht den Rücken gekehrt und spielt mit Freunden in einer Band.
Zum Hintergrund:
Pastoralreferentinnen und -referenten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind hauptberufliche Theolog:innen und Seelsorger:innen und arbeiten nach der Beauftragung in verschiedenen Bereichen: in Seelsorgeeinheiten, in speziellen seelsorgerlichen Feldern, der so genannten Kategorialseelsorge, in der Schule im Religionsunterricht und in Referentenfunktionen:
In den Seelsorgeeinheiten übernehmen sie vielfältige Aufgaben wie die Begleitung von Kirchengemeinden, teilweise auch Leitungsfunktionen, die Entwicklung pastoraler Angebote, die Verkündigung des Glaubens, Bildungsarbeit, soziale und liturgische Initiativen sowie die Übernahme von Beerdigungsdiensten. In der Kategorialseelsorge sind sie etwa in der Krankenhaus-, Klinik- und Kurseelsorge, in der Hochschulseelsorge, in der Jugendseelsorge, in der Gefängnisseelsorge, in der Polizeiseelsorge oder in der City-Pastoral tätig. Referentenaufgaben haben sie beispielsweise als Dekanatsreferent:innen, die die Geschäftsführung der Dekanate innehaben und den Dekan bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben unterstützen, oder als Fachreferent:innen für bestimmte pastorale und personelle Bereiche in der Diözese oder in kirchlichen Verbänden.
Weitere Informationen zum Beruf und zur Ausbildung gibt es bei der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ in Tübingen unter Telefon 07071 569-470 und online unter:
https://berufe-der-kir…oggle-id-2






























