Algenteppiche im Strandbad wieder weg


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Kißlegg – Viele Kißlegger wunderten sich Ende Mai über die großen Algenteppiche im Obersee. Um den Uferbereich freizubekommen, leistete das Team des Strandbads wochenlang morgendliche Zusatzschichten. Die Wasserqualität sei aber nach wie vor gut, heißt es im Rathaus nach der jüngsten Analyse des Gesundheitsamts.
Praktisch seit Saisonbeginn stieg Siegfried Ries um 7.00 Uhr erst einmal mit einem Rechen bewaffnet ins Wasser. Mit dem ging es der grünen Fracht an den Kragen, die sich neu am Strand angesammelte hat. Je nach nächtlichen Windverhältnissen kamen so bis zu vierzig Schubkarrenladungen zusammen, die zunächst auf dem Parkplatz neben dem Abfallcontainer landen. Der Bauhof hat dafür sogar eine Verwendung gefunden: Auf dem Kompostierplatz wird die Biomasse aus dem See in zerkleinerter Form dem Material zugeführt, das nicht in der Biogasanlage landet.
Auch ohne Algen genug zu tun …
Dabei gibt es für das Team um Fabian Kostanovskis morgens eh‘ genug zu tun, bevor um 9.00 Uhr die ersten Gäste kommen: Im Warmbecken ist mithilfe des Saugroboters der Boden zu säubern. Die Durchgänge bei den Duschen sind zu befüllen, die PH- und Chlorwerte im Badewasser zu prüfen. Mit dem Elektroboot fährt Thomas Prinz lautlos zunächst zum Sprungturm, dann zur blauen Liegeinsel. Auch dort stehen Reinigungen an, beispielsweise Hinterlassenschaften der Vogelwelt. Schließlich wird der Luftdruck im gelben Octopus überprüft. Damit kleinste Teilchen wie Sand nicht von den befestigten Flächen ins Becken gelangen, kommt der Laubbläser zum Einsatz.
Kreativer Einsatz eines Laubbläsers
Der lässt sich auch kreativ zweckentfremden: In der Nacht auf den 27. Mai hatte ein strammer Nordostwind besonders viele Algen an den Badestrand getrieben – guter Rat schien zunächst teuer. Der Laubbläser half schließlich dabei, einen Teil der grünen Fracht hin zum Abfluss in die Wolfegger Ach zu bewegen.
Von alteingesessenen Kißleggern hört man, dass sie noch nie so viele Algen im See erlebt hätten. Für Bürgermeister Dieter Krattenmacher spielt für das außergewöhnliche Wachstum die intensive Sonneneinstrahlung eine entscheidende Rolle. Besonders viel Licht und dazu die schnelle Erwärmung des Sees hätten einmalige Bedingungen geboten. Kathleen Rathenow von der Geschäftsstelle des „Seenprogramm Oberschwaben“ vermutet auf Nachfrage obendrein ein immer noch hohes Nährstoffangebot. Gerade Phosphor könne in bestimmten Konstellationen auch aus dem Sediment am Seegrund freigesetzt werden.
„Wer die Natur nicht erträgt, soll ins Becken gehen“
Wobei sich die meisten Badegäste offenbar nicht an der Situation störten: Im Nichtschwimmerbereich fanden Kids Spaß am Formen und Werfen von Algenknödeln, andere tummelten sich sogar mitten im großen Teppich am Abfluss in die Ach. Eine Dame, die in Jahrzehnten offenbar jeden Quadratmeter des Sees schwimmend erkundet hat, aber ihren Namen nicht in der Bildschirmzeitung sehen will, fängt sogar an zu schwärmen: „Auf dem Rücken liegend geben die Algen eine wohlige Wärme.“ Auch sie hat so ein starkes Wachstum noch nie erlebt, meint aber: „Wer die Natur nicht erträgt, soll halt ins Becken gehen“.
Seit dem Wetterwechsel am letzten Maiwochenende ist der Spuk zunächst auch einmal weitgehend vorbei. Für das gesamte Strandbad-Team eine spürbare Erleichterung. So bleibt auch wieder ein wenig Zeit, um die frühmorgendliche Idylle beim Sonnenaufgang über dem See zu genießen.

Mühsam: Mit dem Rechen geht es den Algen an den Kragen.

Am Abfluss in die Wolfegger Ach staute sich die grüne Fracht.

Dient normalerweise dazu, die befestigten Flächen von Sand und anderen kleinen Partikeln zu befreien: der Laubbläser.

Für die reiche Ernte hat der Bauhof eine Verwendung gefunden.

Reinigung der Insel.

Saugroboter im Einsatz im Warmbecken.
Text und Fotos: Ulli Stark


































