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Krieg, Flucht und ein Neuanfang im Allgäu

Taste of Baiti – Wenn Heimat auf den Teller kommt

Foto: Taste of Baiti
Alisar Al Maher
veröffentlicht am: 31.05.2026
Autor: Anja Kimmerle
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Kißlegg – Eine junge Syrerin musste im Jahr 2014 mit ihrer Familie die Heimat Damaskus verlassen und begann in Kißlegg ein neues Leben. Heute verbindet sie mit „Taste of Baiti“ syrische Küche und Heimatgefühl. Mit ihrer Mittagsküche bietet sie regelmäßig frisch zubereitete Gerichte an, die Kunden bequem liefern lassen oder vor Ort abholen können.

Als Alisar Al Maher im Dezember 2014 ihre Heimatstadt Damaskus verlassen musste, ließ sie weit mehr zurück als nur ein Land. Freunde, Familie, ihr Studium, ihre Hobbys und ihr gewohntes Leben blieben in Syrien. Mit 22 Jahren begann für sie, ihre zwei jüngeren Schwestern und ihre Eltern in Kißlegg ein völlig neuer Lebensabschnitt – voller Herausforderungen, aber auch neuer Chancen.

Alisar wuchs in der syrischen Hauptstadt Damaskus auf, ging dort in den Kindergarten und zur Schule und begann nach ihrem Abschluss ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Dann kam der Krieg. Ihre Eltern beschlossen, gemeinsam mit ihren drei Töchtern Syrien zu verlassen und in Deutschland neu anzufangen. Schließlich fand die Familie in Kißlegg im Allgäu eine neue Heimat.

Für Alisar war dieser Neuanfang nicht leicht. Sie musste Freunde, Verwandte und ihr gewohntes Umfeld zurücklassen. In Damaskus war sie sehr aktiv: Sie leitete eine Trompetengruppe, engagierte sich bei den Pfadfindern und machte leidenschaftlich gern Sport. Entsprechend schwer fielen ihr die ersten Monate in Deutschland, die von Heimweh und Traurigkeit geprägt waren.

Trotzdem ließ sie sich nicht unterkriegen. Mit viel Ehrgeiz begann sie, Deutsch zu lernen. Weil die Sprachkurse damals voll waren, brachte sie sich die Sprache zunächst online bei. Anfang 2015 entdeckte sie dann beim SV Immenried ihre Begeisterung für den Fußball. Dort fand sie schnell Anschluss und viele neue Freunde. Das Team unterstützte sie von Anfang an: Zu Beginn wurde das Training sogar auf Englisch durchgeführt, damit sie problemlos mitmachen konnte. An einen Moment erinnert sie sich bis heute besonders gern: Zu ihrem Geburtstag Ende Mai standen plötzlich rund 30 Spielerinnen des SV Immenried vor ihrer Haustür und feierten gemeinsam mit ihr und ihrer Familie. „Zum ersten Mal hatte ich wieder das Gefühl, ein Zuhause zu haben“, erzählt sie.

2016 startete Alisar ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma Grunwald in Wangen. Später arbeitete sie bei der MBK GmbH in Kißlegg, bildete sich weiter und war dort als Exportbeauftragte tätig. Inzwischen ist sie verheiratet und hat zwei Kinder.

Besonders dankbar ist sie für die Unterstützung, die ihre Familie in den ersten Jahren erfahren hat. Immer wieder erzählt sie, wie viel eine Kißlegger Familie für sie, ihre Schwestern und ihre Eltern getan hat. Der erste Kontakt zum SV Immenried, Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, die Bereitstellung einer Trompete oder Unterstützung im Alltag – auf Familie Straub war immer Verlass. „Ich bin dankbar für alles, was Familie Straub für uns gemacht hat und werde das nie vergessen“, sagt Alisar.

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Kochen als Verbindung zwischen zwei Heimaten

Nach vielen Jahren in Deutschland wurde Alisar klar, dass sich manche Dinge nicht einfach in Worte fassen lassen. Für sie ist Kochen zu einer besonderen Art geworden, ihre Geschichte und ihre Wurzeln auszudrücken. „Ich gehöre zu Syrien und zu Deutschland“, sagt sie. Genau das möchte sie auch mit ihren Gerichten zeigen. Frische Zutaten, traditionelle Rezepte und orientalische Gewürze bringen ihre beiden Heimaten auf den Teller.

Gemeinsam mit ihrer Familie kochte sie viele Jahre für Freunde, Bekannte und kleinere Veranstaltungen. Die vielen positiven Rückmeldungen und die steigende Nachfrage nach frisch zubereiteten Speisen bestärkten sie schließlich darin, aus ihrer Leidenschaft mehr zu machen.

Mittagsküche: „Taste of Baiti“

Seit April 2026 bietet Alisar mit „Taste of Baiti“ eine Mittagsküche an, in der täglich frisch gekocht wird. Das Angebot richtet sich an alle, die sich im Arbeitsalltag eine gesunde und abwechslungsreiche Mahlzeit gönnen möchten. Der Name kommt nicht von ungefähr: „Baiti“ bedeutet auf Arabisch „Zuhause“. Genau dieses Gefühl möchte Alisar ihren Kundinnen und Kunden vermitteln – mit ehrlicher, hausgemachter Küche.

Auf dem Speiseplan stehen klassische arabische Fleischgerichte ebenso wie vegetarische und vegane Optionen. Gemüse, Reis, Hülsenfrüchte und aromatische Gewürze sorgen für ausgewogene und leckere Mahlzeiten. Alle Gerichte werden täglich frisch zubereitet und mit viel Zeit und Sorgfalt gekocht, damit sich die Aromen optimal entfalten können.

Die Speisen können abgeholt oder im Umkreis von zehn Kilometern warm geliefert werden. Wichtig ist lediglich eine Vorbestellung bis spätestens 12 Uhr am Vortag. Außerdem bietet „Taste of Baiti“ Catering für Firmenfeiern, Geburtstage und andere Veranstaltungen an. Unternehmen können ihren Mitarbeitenden auch regelmäßig frische Mahlzeiten ermöglichen, etwa durch Zuschüsse oder Sponsoring.

Mit „Taste of Baiti“ verbindet Alisar ihre persönliche Geschichte mit ihrer Leidenschaft fürs Kochen. Was einst als gemeinsames Kochen für Familie und Freunde begann, ist heute ein eigenes Angebot geworden, das Menschen zusammenbringt und ein Stück syrische Gastfreundschaft nach Kißlegg bringt.

Aktuell wird dienstags und donnerstags frisch gekocht. Wer das Angebot nutzen möchte, findet weitere Informationen und Kontaktdaten auf der Instagramseite: https://www.instagram.com/tasteofbaiti/ und bald auch auf Google Maps. Kontakt über WhatsApp: 01577 6448906

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Anja Kimmerle
veröffentlicht am
31.05.2026
Lesedauer: ca. 5 Minuten
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