Josef Gronmayer, Fridolin Schele, Alois Brauchle und Walter Brauchle

Bad Wurzach – Traditionell am Pfingstmontag findet in Bad Wurzach die vom Wallfahrtsausschuss organisierte Blutreitergruppenführerversammlung im Kurhaus statt, bei der viele organisatorische Details zu dem am zweiten Freitag im Juli stattfindenden Heilig-Blut-Fest besprochen werden. In diesem Jahr gab es personelle Veränderungen und – wie jedes Jahr – Ehrungen für große Treue zum religiösen Brauchtum.
Der Versammlung ging ein feierlicher Gottesdienst in St. Verena für die Blutreiter voraus, zelebriert von Stadtpfarrer Stefan Maier und dem neuen Superior Pater Wolfgang Sütterlin, der eine beeindruckende Predigt hielt. Zahlreiche Standarten der verschiedenen Blutreitergruppen verliehen dem Gottesdienst den entsprechend würdigen Rahmen.
Die Musikkapelle Ellwangen unter ihrem Dirigenten Elmar Hirsch setzte traditionell nach dem Wechsel in den Saal der Kurhaus-Kulturschmiede den musikalischen Auftakt der Gruppenführerversammlung, um anschließend in der Konzertmuschel zum Kurkonzert aufzuspielen.
Ein letztes Mal mit Bürgermeisterin Alexandra Scherer
Pfarrer Stefan Maier setzte, nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die ein letztes Mal qua Amtes als Vorsitzende des Wallfahrtsauschusses die Versammlung eröffnete, einen geistlichen Impuls. Dabei nahm er Bezug auf das Heilig-Blut-Lied und wünschte allen Blutreitern, dass sie nach dem Heilig-Blut-Fest gestärkt nach Hause kommen mögen.
Bürgermeisterin Scherer dankte den Blutreitern für ihre Bereitschaft, diese Tradition aus dem Glauben heraus zu pflegen und für ein menschliches Miteinander einzutreten. Sie bat die Gruppenführer darum, die Einladung an die Veteranen, die Prozession von der Tribüne beim Marienbrunnen aus zu verfolgen, weiterzugeben.
Klaus Schütt, der organisatorische Leiter der Wallfahrt, berichtete, dass im vergangenen Jahr knapp 1000 Reiter in 63 Gruppen an der Prozession teilgenommen haben. Dabei war es zu zwei kleineren Unfällen gekommen. Ee betonte noch einmal, Unfälle aller Art unverzüglich zu melden.
Liebevoll gestaltete Altäre
Ein großes Dankeschön ging an die 25 Musikkapellen, insbesondere an den Musikverein Hauerz, der die Blutreliquie an den liebevoll gestalteten Außenaltären am Josenhof, in Truschwende und in Reinstein musikalisch begleitete (der vierte, gleichermaßen schön gestaltete Altar befindet sich am Schloss).
Diese Aufgabe wird in diesem Jahr vom Musikverein Molpertshaus übernommen.
Dank an den Bauhof und an die Quartiergeber
Einen großen Dank sagte Schütt auch an die Mitarbeiter des Bauhofes, ohne die es nicht möglich wäre, so viele Pferde in den verschiedenen Quartieren unterzubringen. Auch den Quartiergebern dankte Klaus Schütt, verbunden mit der Bitte an die Gruppenführer, diesen schnellstens Bescheid zu geben, wenn sich Änderungen bei der Pferdeanzahl ergeben sollten.
Gemeldet sind 996 Pferde
Aktuell seien 996 Reiter mit ihren Pferden angemeldet. Ein großes Dankeschön ging auch den Fahrer des Blutwagens, Kurt Wohlhüter.
Die erste Abteilung kommt in diesem Jahr von Westen zum Stationsaltar vor dem Schloss. Nach der Segnung der ersten Abteilung werde der Beginn der zweiten Abteilung ebenfalls in der Ravensburger und Biberacher Straße starten, danach erst die Gruppen aus dem Osten, also von Vorstadt- , Memminger- und Kirchbühlstraße her kommend.
Ermahnungen von Tierarzt Dr. Veeser

Der verantwortliche Tierarzt Dr. Andreas Veeser (Bild), der selbst als Gruppenführer und Reiter dabei ist, berichtete von wenigen Zwischenfällen während des letztjährigen Blutfestes. Schäden während des Rittes sollten an ihn gemeldet werden, für mögliche Schäden beim Transport der Tiere seien die jeweiligen „Haus“-Tierärzte zuständig. Den tierärztlichen Anweisungen sei unbedingt zu folgen, es seien nur gesunde und geimpfte Pferde zur Prozession mitzunehmen und nach der Prozession seien zuerst die Tiere versorgen. Er wie Schütt zuvor ermahnte die Reiter, Unfälle noch am selben Tag zu melden.
Josef Heine folgt Ludwig Brechter als Wallfahrtskassier
Auch in diesem Jahr konnte Ludwig Brechter, der langjährige Kassier der Wallfahrtskommission, in seinem Kassenbericht in Kurzform von einem positiven Ergebnis berichten: Dank von der Bank ausbezahltem Zins und nur wenigen Vorfällen konnte die Pferdeversicherung wie im Vorjahr ihren Kontostand verbessern. „Ich habe – wie im Vorjahr angekündigt – beschlossen, mein Amt zur Verfügung zu stellen, bevor es vererbt werden muss“, gab er nach seinem Bericht bekannt.
Die beiden Kassenprüfer Karl Ehrmann und Anton Brandiser bescheinigten dem Kassier eine sorgfältige Kassenführung und die von Karl Ehrmann durchgeführte Entlastung für den Kassier erfolgte einstimmig. Nachdem seit seiner letztjährigen Ankündigung, seinen Posten aufzugeben, genügend Zeit war, konnte er nun mit Josef Heine einen geeigneten Nachfolger präsentieren. Dieser lebt in Gospoldshofen, war wie Ludwig Brechter Bankkaufmann, ist eng mit Bad Wurzach, dem Gottesberg, dem Blutritt im Besonderen und dem Pferde- und Reitsport im Allgemeinen sehr verbunden. Josef Heine wurde nach der Entlastung von der Versammlung einstimmig zum neuen Kassier gewählt. Auch als Nachfolger von Brechter in der Pferdeschätzkommission wurde Josef Heine ebenso einstimmig gewählt; auch die Kassenprüfer wurden in ihren Ämtern einstimmig bestätigt.

Der scheidende Kassier Ludwig Brechter (rechts) mit den Kassenprüfern Anton Brandiser (links) und Karl Ehrmann.
Dem scheidenden Superior Pater Konrad Werder gedankt
Ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Gruppenführerversammlung am Pfingstmontag sind die Ehrungen für langjährige Blutreiter, Gruppen und Musikanten. In diesem Jahr eröffnete die scheidende Bürgermeisterin diesen Tagesordnungspunkt mit der Verabschiedung von Pater Konrad Werder als Superior. Dieser sei genauso lange im Amt gewesen wie sie. Man habe seine Verbundenheit mit dem Fest gespürt und: „Sie haben die Menschen erreicht.“

Pater Konrad (Bild) antwortete, dass es ihm immer eine Freude gewesen sei, Teil des Heilig-Blut-Festes gewesen zu sein. Und auch der Pfingstmontag sei immer ein besonderer Tag gewesen.
Auch Ludwig Brechter bekam wie Pater Konrad eine Urkunde und ein Präsent von Bürgermeisterin Scherer überreicht. Sie habe seine zuverlässige und korrekte Arbeit stets geschätzt.
Kurt Wohlhüter lenkt den Heiliggblutwagen seit 30 Jahren
Und noch ein Dritter wurde besonders geehrt, der allerdings dem Fest und der Kommission weiter erhalten bleibt: Kurt Wohlhüter, der den Landauer mit der Heilig-Blut-Reliquie seit nunmehr 30 Jahren sicher durch die Stadt und die Landschaft um Bad Wurzach lenkt.
Karl Ehrmann geehrt

Und schließlich wurde auch noch Karl Ehrmann (Bild) mit einem Präsent geehrt. Der langjährige Kassenprüfer hatte selbst 70-mal als Reiter teilgenommen, viele Jahre davon als Gruppenführer. Als Bad Wurzacher Gruppenführer war er auf eigene Faust nach Weingarten gefahren, um das angespannte Verhältnis zwischen den konkurrierenden Blutritten in Weingarten und Bad Wurzach zu reparieren. Mit Erfolg: Ab dem Versöhnungsgang hätten die Weingärtler am Wurzacher Blutritt teilgenommen, den sie zuvor jahrzehntelang boykottiert hatten. Hintergrund des Zwistes war, dass Weingarten die Einführung des Wurzacher Blutrittes im Jahre 1928 als Nachahmung empfunden hatte.
40- und 50-mal als Musikant dabei gewesen
Für 40-malige Teilnahme am Heiligblutfest Bad Wurzach wurden Musiker mit Urkunde und Anstecknadel in Silber geehrt wurden: Bernd Butscher, Silva Butscher, Anita Ehrmann, Petra Kibler, Dietmar Reich, Helga Riss, Heike Vonier und Christina Weißenberger (alle MV Dietmanns).
Für 50-malige Teilnahme mit Urkunde und Anstecknadel in Gold geehrt wurden: Karl-Heinz Jäger, Alfons Riss, Elsa Schöllhorn, Maria Stehmer (alle MV Dietmanns) sowie Karl Mähr und Roland Wieland (beide MK Schlier).
Die Musikkapelle Rot an der Rot war schon 90-mal dabei
Die Musikkapelle Rot an der Rot war mit ihrer 90-maligen Teilnahme praktisch von Anfang an in Wurzach dabei, wo in zwei Jahren das 100-jährige Jubiläum der seit 1928 abgehaltenen Reiterprozession gefeiert werden wird.
Blutreitergruppe Unterschwarzach 75-mal dabei gewesen
Von den Blutreitergruppen wurden besonders geehrt: Heuberg für 25 Teilnahmen, Aulendorf für 50 und Unterschwarzach für 75 Teilnahmen.
Die treuesten Reiter
Spitzenreiter bei den Reitern waren Josef Gronmayer von der Gruppe aus Diepoldshofen und Fridolin Schele (Ratzenried), die für 60 Jahre als Blutreiter mit der goldenen Medaille mit Kreuz und Gravur ausgezeichnet wurde. Zwei weitere „Sechzigjährige“ – Alois Brauchle und Walter Brauchle (beide Eberhardzell / Wolfegg) – konnten nicht anwesend sein.
50 Jahre dabei sind Paul Arnegger (Weißenau), Albert Wiedemann (Molpertshaus) und Wolfgang Kränkle (Baindt), die dafür die Goldene Medaille mit Lorbeerkranz erhielten.
Für 40 Jahre als Blutreiter geehrt wurden und mit der goldenen Medaille mit Urkunde ausgezeichnet wurden: Reiner Geromiller (Altmannshofen), Georg Sonntag (Molpertshaus), Barbara Kieble (Immenried), Thomas Birk (Unterschwarzach) und Markus Strobel (Aulendorf).




Ehrende und Geehrte. Pfarrer Stefan Maier, Superior P. Wolfgang Sütterlin und Bürgermeisterin Alexandra Scherer würdigten treue Blutreiter und Musikanten.
Text und Fotos: Uli Gresser
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