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Der durch Kleinwasserkraft beigetragene Anteil an der Stromproduktion beträgt etwa 14 Prozent

Gäste aus Schweden informieren sich über die Wasserkraft in Wangen

Foto: Stadt Wangen
OB Michael Lang empfing die Wasserkraft-Experten aus Schweden und vom Verband Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg. Stadtwerke-Leiter Urs Geuppert führte die Gruppe anschließend durchs Landesgartenschaugelände zu den beiden Kleinkraftwerken.
veröffentlicht am: 30.04.2026
Autor: Susanne Müller, Stadt Wangen
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Stadt Wangen – Die Stadtwerke Wangen und ihre Wasserkraftwerke sind immer wieder von Experten gern besucht. Außergewöhnlich war aber jetzt die Anreise von vier Männern aus Schweden mit Julia Neff und Brigitte Reitter vom Verband Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg.

Darüber staunten auch Oberbürgermeister Michael Lang und der Leiter der Stadtwerke Urs Geuppert, denn Schweden ist – was die energetische Nutzung der Wasserkraft angeht – bereits sehr weit. Doch das Besuchsprogramm, das die Arbeitsgemeinschaft organisiert hatte, führte die Experten zu unterschiedlichen Kleinwasserkraftanlagen in verschiedenen Städten in Baden-Württemberg und Österreich. Wobei sie sich nicht nur für die Technik interessierten, sondern vor allem für die ökologischen Maßnahmen, die bei Wasserkraftanlagen die Durchwanderbarkeit, den sogenannten Fischauf- und abstieg ermöglichen.

So führte Urs Geuppert die Gruppe über die Argeninsel und erläuterte den Fischpass mit seinen verschiedenen Stufen, der seit der ökologischen Modernisierung des dortigen Wasserkraftwerks im Jahr 2014 Tierwelt Heimat und Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Auch die weiteren Einrichtungen zum Fischschutz wie der von einem Wangener Hersteller gefertigte Horizontalrechen am Kanaleinlauf, der verhindert, dass Fische in den Kanal hineinschwimmen und sie damit zum Fischpass leitet, wurden technisch begutachtet. Staunend und äußerst interessiert ließen sich die Gäste auch die Geschichte rund um die Fischaufstiegshilfe am Kanal erzählen. Vor ein paar Jahren waren junge Enten in den Werkskanal gefallen und konnten keinen Ausweg finden. Schülerinnen und Schüler entdeckten die panischen Entchen und initiierten eine Rettungsaktion, wie Urs Geuppert berichtete. Vor einiger Zeit schwammen auch schon Biber im Kanal. Damit die Tiere künftig selbstständig aus dem Gewässer steigen können, hat der Bauhof mehrere Ausstiegshilfen konstruiert und angebracht, die sich auch an den unterschiedlichen Pegel anpassen.

Anschließend ging es entlang der Argen hinunter in die ERBA zum dortigen Kraftwerk. Die Gäste übernachteten in Wangen und setzten am nächsten Tag ihr Besuchsprogramm in der Region fort. Auf dem Programm stand unter anderem die Besichtigung von zwei weiteren Wasserkraftwerken an der Unteren Argen, die in den letzten Jahren ebenfalls ökologisch modernisiert wurden.

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„Kleine Wasserkraftanlagen werden oft nur nach ihrem Anteil an der Strommenge bewertet. Dabei wird übersehen, dass Wasserkraft weit mehr leistet: Sie erzeugt verlässlich und planbar erneuerbaren Strom, stabilisiert regionale Netze und stärkt die Versorgungssicherheit. Gerade in Zeiten schwankender Einspeisung aus Wind und Sonne ist das ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie in Wangen, dass moderne Wasserkraft und Gewässerschutz durch ökologische Nachrüstung sehr gut zusammengehen können“, betonte Julia Neff.

Der Verband Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V. (AWK BW) vertritt die Interessen der Wasserkraftwerksbetreiber und unterstützt die Mitglieder beim Um-, Aus- und Neubau ihrer Wasserkraftanlagen in Fragen des Wasser- und Energierechts, der Energiewirtschaft und sonstigen einschlägigen Fragen, wie die beiden Vertreterinnen der AWK BW im Gespräch mit OB Lang beim Empfang im Rathaus erläuterten.

Die AWK BW hat 470 Mitglieder, meist mittelständische Unternehmen, die Mühlen, Sägewerke, Industriebetriebe oder auch nur Kleinwasserkraftwerke zur Erzeugung von elektrischer Energie betreiben. Weitere Mitglieder kommen aus dem Bereich der eigenstromerzeugenden Kommunen, der kleinen privaten Energieversorgungsunternehmen, den Zulieferern oder interessierten und fördernden Einzelpersonen.

Rund 7.600 Wasserkraftanlagen gibt es derzeit in Deutschland, vier davon haben die Stadtwerke Wangen saniert bzw. neu gebaut. Diese verfügen zusammen über eine installierte Leistung von knapp einem Megawatt; alle Anlagen in Deutschland von etwa 5.600 Megawatt (MW). Davon sind etwa 6.900 Anlagen jeweils mit einer installierten Leistung von unter 1 MW ausgestattet und gelten dementsprechend als Kleinwasserkraftanlagen. Der durch Kleinwasserkraft beigetragene Anteil an der Stromproduktion beträgt etwa 14 Prozent.

Für Staunen sorgte die Tierausstiegshilfe am Kanal. Foto: Stadt Wangen
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Susanne Müller, Stadt Wangen
veröffentlicht am
30.04.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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