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Leserbrief

Fehlendes Controlling, teure Folgen

veröffentlicht am: 21.04.2026
Autor: Andrea Ehrmann
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Zur Bürgermeisterwahl

Bad Wurzach ist stolz auf sein feelMOOR – als Gesundheitsstandort, Aushängeschild der Stadt und wichtigen kommunalen Arbeitgeber. Gerade deshalb ist eine ehrliche Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung des städtischen Eigenbetriebs notwendig. Öffentliche Mittel verlangen Transparenz, Kontrolle und rechtzeitiges Handeln.

Die Zahlen sind eindeutig: Der Eigenbetrieb feelMOOR hat in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste erwirtschaftet.

2023: ca. −700.000 €
2024: ca. −1.200.000 €
Voraussichtlich für das erste Halbjahr 2025 über 800.000 € 
(Quelle „Schwäbische Zeitung“ vom 23.07.2024 und vom 03.09.2025) 
Insgesamt rund −2,8 Millionen Euro in nur drei Jahren.

Diese Verluste betreffen nicht nur den Betrieb selbst, sondern schlagen direkt im städtischen Haushalt auf – und damit bei allen Bürgerinnen und Bürgern.

Besonders kritisch ist, dass die Warnsignale frühzeitig vorlagen. Bereits 2023 entstand ein hohes Defizit, obwohl Gästezahlen und Umsätze stiegen. Die Kosten entwickelten sich dauerhaft stärker als die Erträge. Dennoch wurde für 2024 und 2025 weiter mit positiven Ergebnissen geplant. Die Realität waren ein überraschender Millionenverlust 2024 und ein massives Defizit 2025. Das deutet auf fehlendes Controlling, mangelnde Transparenz und gravierende Steuerungsdefizite hin.

Ein städtischer Eigenbetrieb unterliegt der Aufsicht der Stadt und damit der Verantwortung des Bürgermeisteramts. Vor diesem Hintergrund ist es problematisch, dass über Jahre hinweg keine tragfähige Sanierungs- oder Neuausrichtungsstrategie erkennbar war. Statt klarer Führung wird aktuell der Stadtkämmerer in eine operative Rolle gedrängt, während eine fachlich erfahrene Geschäftsführung weiterhin fehlt. Der Eindruck entsteht, dass Verantwortung weitergereicht wird, anstatt strukturelle Entscheidungen zu treffen.

Umso irritierender wirkt es, wenn im Wahlkampf gleichzeitig der Eindruck vermittelt wird, die städtischen Finanzen seien erfolgreich konsolidiert worden. Ein kommunaler Eigenbetrieb mit strukturellen Millionenverlusten ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil der tatsächlichen Haushaltslage.

Warnsignale wurden ignoriert, Verluste hingenommen und Verantwortung weitergereicht. Das ist nicht akzeptabel. Kommunale Führung misst sich am rechtzeitigen Handeln – nicht an nachträglichen Erklärungen und Verschweigen. 

Wer diesen Maßstab verfehlt, muss sich der Verantwortung für einen Verlust von 2,8 Millionen Euro stellen.
Andrea Ehrmann, Bad Wurzach

Anm. d. DBSZ-Red.: Leserbriefe sind Meinungsäußerungen. Die Redaktion der Bildschirmzeitung akzeptiert ein breites Spektrum an Meinungen. Nicht veröffentlich werden extremistische, persönlichkeitsverletzende oder offensichtlich wahrheitswidrige Äußerungen.

Bevorzugt veröffentlichen wir Leserbriefe zu lokalen und regionalen Themen. Aber auch Meinungsäußerungen zu allgemeinen Themen, die die hiesige Leserschaft bewegen, werden gerne entgegengenommen.

Leserbriefe zur Bürgermeisterwahl werden nur bis Freitag, 24. April, 12.00 Uhr angenommen. Die Fairness gebietet es, Leserbriefe bis Donnerstag, 23. April, einzureichen, damit eine gegebenenfalls angegriffene Person noch reagieren kann. Die Redaktion behält sich vor, zum Ausgleich notwendige Leserbriefe nach Ablauf der Frist zuzulassen. Am Samstag, 25. April, werden keine Leserbriefe mehr neu eingestellt.

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