Dr. Till Bastian beeindruckte mit tiefsinnigen literarischen Betrachtungen


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Isny – Die hohe Schule guter Lektüre ist es, wenn ein Autor ganz subtil Geschichten hinter der eigentlichen Handlung erzählen kann, die sich erst auf den zweiten Blick als eigentliches Thema entpuppen. Auf höchst beeindruckende Weise ist dies Dr. Till Bastian mit seinem neuesten Buch „An der äußersten Grenze“ gelungen – wovon sich das interessierte Publikum bei der Lesung am 18. April im Roten Salon des Schlosses Isny selbst auf eindrucksvolle Weise überzeugen konnte.
Denn in seinem Bericht über die vermeintliche Eintönigkeit in einer fiktiven Festung am Rande der Welt verbergen sich nicht nur die Schilderung von Figuren und Ereignissen, sondern auch frühere Erlebnisse, falsche Entscheidungen und Lebenslügen, die in diese Situation des vermeintlichen Stillstands mündeten. Ihm gelingt damit das Meisterwerk, auf höchst philosophische Weise menschliche Abgründe zu offenbaren und zugleich mit wenigen Worten die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart zu zeigen.
Der Autor schilderte an diesem Abend aber auch die Bezüge zu anderen Büchern und Schriftstellern – wie beispielsweise Dino Buzzati -, die ihn inspiriert haben und von denen er einige mit seinem eigenen Werk verknüpft hat. Till Bastians Roman ist ebenso vielschichtig wie lebensklug und regt damit zum Nachdenken an – wie man auch am Gedankenaustausch der Gäste in der Pause sehr gut merken konnte. Denn wie bei Veranstaltungen des Fördervereins Roter Salon üblich, bot sich dort die Gelegenheit, die Eindrücke des ersten Teils der Lesung bei einem guten Glas Wein zu besprechen.
Nach der Pause vertiefte sich der nachhaltige Eindruck noch, denn nicht nur der weitere Fortgang der Geschichte, sondern auch die Reminiszenzen an Shakespeares Macbeth oder ein Zitat von Samuel Beckett zeigten einmal mehr das profunde Wissen und den brillanten Intellekt, den Dr. Till Bastian in seiner Person vereint. Sein souveräner Vortrag der atmosphärisch dichten Geschichte entwickelte in der besonderen Kulisse des Roten Salons den Charakter eines Kammerspiels, dessen Eindringlichkeit man sich als Zuhörer nicht entziehen konnte. Damit hat er sein Publikum einmal mehr in den Bann geschlagen und mit seiner Lesung nicht nur bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern vor allem auch dazu angeregt, sich eigene Gedanken zu den wichtigen Fragen des Lebens zu machen.

































