Corinna Blum stellte im Gemeindehaus St. Ulrich in Seibranz ihren Debüt-Krimi vor
Seibranz – Corinna Blum freute sich, ihren Debüt-Krimi „Der ehemalige Tote“ im katholischen Gemeindehaus St. Ulrich in Seibranz im Rahmen einer Lesung einem breiteren Publikum vorzustellen. Und die Organisatorinnen, das Team der Katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB), konnten sich über einen sehr guten Besuch der Lesung, bei der sich die Autorin als wahres Multitalent entpuppte, freuen.
Denn die Autorin aus Leutkirch, vom erlernten Beruf her Journalistin, arbeitet im Hauptberuf auf der Pressestelle des Rathauses in Bad Wurzach, ist aber darüber hinaus auch noch Musikerin, die ihre Lieder auch selbst komponiert und natürlich auch deren Texte selbst verfasst.
Drei davon brachte sie – neben einigen Textpassagen aus dem Buch – den Lesung-Besuchern, darunter auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, zu Gehör.
Valerie Schneider vom Bücherei-Team übernahm die Begrüßung der rund 35 Besucher/innen der Lesung. Die Bücherei habe sich in ihrer inzwischen 75-jährigen Geschichte nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft befasst. Der Debütkrimi von Corinna Blum sei auch deswegen so ungewöhnlich, weil er aus einem interaktiven Mitmachkrimi entstanden sei. Kreativität werde bei Blum großgeschrieben.
Mit einem Schuss Science-Fiction
Corinna Blum bedankte sich an ihrem Tisch, der mit wenigen Requisiten wie Schreibtischlampe, altertümlicher Wanduhr oder der ominösen Taschenuhr sowie dem Skript der Autorin ein wenig das Flair des Detektivbüros der Krimiheldin verbreitete, für die Möglichkeit, ihr Buch vorzustellen. „Es ist für mich eine Ehre.“ Sie stellte die spannende Frage ans Publikum: „Kann man einen Mord aufklären, bevor er geschieht?“ Denn genau davon handelt die Geschichte des Buches, das mit einem Schuss Science-Fiction weit vom üblichen Who-Dunnit-Klischee vergleichbarer Krimis abweicht.
Im ersten Kapitel stellte Blum die IHK-zertifizierte Privatdetektivin Jess Bontempi vor, deren Fälle in den fünf Jahren ihrer Selbstständigkeit sich maximal auf die Suche von verschwundenen Tieren oder die Beobachtung untreuer Ehemänner beschränkt hatte. In ihrer winzigen Lieblingsbäckerei, wo die Gäste sich an den beiden Stehtischen „von der Welt draußen erholen konnten“ stellte sich ein alter Mann an ihren Tisch und drängte ihr die ominöse Taschenuhr, wie sie die Gäste am Stammtisch in Wirtschaft ihrer Eltern benutzt hatten, einfach auf. Das Besondere daran war: Sie hatte nur einen Zeiger.
Als Corona Deutschland fest im Griff hatte und Blum zuhause mit ihrem Kind saß – ohne viele Möglichkeiten, mit anderen persönlich zu kommunizieren, begann die Geschichte von „Der ehemalige Tote“ im Netz per Twitter. Dort ließ sie die Follower ihrer Geschichte etwa alle zwei Wochen entscheiden, wie es weitergehen sollte. Twitter hatte sie deswegen gewählt, weil die Kommunikation für einen Tweet auf wenige Zeichen beschränkt ist, so dass mit wenigen Stichworten die Fantasie der Autorin angeregt wurde.
Selbst geschriebene Lieder der Autorin
Aus dieser Zeit dürfte auch das erste Lied „Irgendwann“ stammen, das sie den Lesungsbesuchern – zur Auflockerung – präsentierte: „Irgendwann“. Darin heißt es u.a.: Aus Tagen werden Jahre. Irgendwann ist irgendwann vorbei.
Als Jess auf dem Nachhauseweg die ihr aufgedrängte Uhr in einem Mülleimer entsorgen wollte, prallte sie mit einem Mann zusammen. Daraufhin geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: Der verbliebene Zeiger drehte sich rasend schnell, sie verspürte ein Kribbeln und die Welt um sie herum begann sich zu drehen. Nach einem Klick der Uhr fand sie sich in einem verwilderten Garten wieder und der Mann, mit dem sie zusammengestoßen war, lag mit zerfetztem Hemd tot vor ihr. Bei dem Versuch, seinen Puls zu messen, verspürte sie wieder das Kribbeln und das Vibrieren der Uhr. Als sie wieder zu sich kam, saß jedoch sie auf dem Bürgersteig, an eine Mauer gelehnt und der Mann fragte sie, ob sie einen Arzt brauche.
Hier unterbrach Blum die Lesung und berichtete, wie aus dem Mitmach-Krimi das Buch geworden ist. „Beinahe wäre das Projekt in einer Schublade verschwunden,“ erzählte sie. Da sei sie über eine Bekannte auf die Möglichkeit zum Self-Publishing aufmerksam geworden. Dies habe früher keinen guten Ruf gehabt, aber inzwischen gebe es Dienstleister, die das relativ gut möglich machten. Über Book on Demand könne man mit der ISBN-Nummer einzelne Exemplare oder – so wie sie für die Lesung – kleinere Auflagen bestellen. Zwei Jahre habe sie für die Überarbeitung des Textes gebraucht, Bekannte und Freunde haben Fehler korrigiert und mit Anmerkungen die Lesbarkeit verbessert.
In der nächsten Vorlesestelle findet die Heldin heraus, wer der Mann ist: Der Anwalt Cedric Katz glaubt ihr bei einem Treffen in einem Café kein Wort von dem, was sie gesehen hatte. Dann bei einer Berührung mit Katz – wiederholt sich die Geschichte von der Straße noch einmal. Wieder in dem Garten mit dem grauenvollen Anblick entdeckt sie im Nachbarhaus eine alte Frau, die in ihrem Entsetzen erstarrt ist. Da erkennt sie, dass die Zeit stehen geblieben ist.
Nach einem weiteren Lied las die Autorin ihre Lieblingsstelle aus dem Buch vor: Jess verfolgt den Anwalt weiter, klemmt sich hinter ihre Detektivarbeit und bringt dabei einiges über ihn in Erfahrung. In der Szene bringt sie den Anwalt, der sich ihr gegenüber immer sehr arrogant verhalten hatte aber mit dem Satz aus der Fassung: „Wer ist Marlene?“ Denn genau das nämlich war die Frage, die sie nicht über bloße Recherchearbeit in Erfahrung hatte bringen können.
Das dritte Lied, das sie an diesem Abend sang, war brandneu, sie hatte es erst mit Blick auf die Lesung geschrieben, denn es fasste ein wenig den Inhalt der vorgelesenen Textstellen des Buches zusammen.
Nach lang begeistertem Applaus hatten die Besucher noch Gelegenheit, die Autorin mit Fragen zu löchern. Die erste bezog sich auf den Ursprung des Buches als Mitmach-Krimi bei Twitter. Wie lange sie das durchgezogen hatte? Drei Monate mit Pausen ging das, bis sie selbst das Gefühl hatte, es zu einem Ende bringen zu müssen. Aber dann hatte sie die Idee zu dem Buch, das dann im August 2024 fertig war.
„Wie bringen sie das Buch unter die Leute?“ lautete eine weitere. „Über Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte.“ Irgendwann habe sie es zu Krimi-Blogger geschickt, wo es von einer Jury mit – für sie – erstaunlichen 87 von 100 möglichen Punkten bewertet worden war. Das Buch kann auch über Amazon bestellt werden, wo man ebenfalls eine Bewertung hinterlassen kann.
Corinna Blum, die sympathische, viel und gerne lachende Autorin, konnte die Lesung in mehrfacher Hinsicht als Erfolg verbuchen. Dasselbe galt aber auch für das Team der Seibranzer Bücherei.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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