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Neue Ausstellung bei Wolfgang Huber in Kißlegg

Ein eindrucksvoller Skulpturen-Spaziergang

Foto: Herbert Eichhorn
Blick in die Ausstellung, im Hintergrund zwei Reliefs aus der Werkgruppe „Kathedrale“; dazwischen der vier-flügelige „Tänzerinnen-Altar“
veröffentlicht am: 01.04.2026
Autor: Herbert Eichhorn
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Kißlegg – Die schönen Räume von Flaschnermeister Huber gelten als eine der feinsten Adressen der Region für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Und so kommen denn auch alle, wenn dort etwas Neues eröffnet wird, so wie jetzt eine Überblicksschau des Bildhauers Klaus Hack.

Die ganze Welt trifft sich in Kißlegg

Wolfgang Huber ist mit seinem Meisterbetrieb, dessen Schwerpunkt bei Arbeiten für die Denkmalpflege liegt, in ganz Süddeutschland und darüber hinaus aktiv. Was er in Sachen Kunst auf die Beine stellt, macht er also in seiner Freizeit. Und da er sich – beim Aufbau dann doch unterstützt von einem kleinen Team – von den Transporten bis zur begleitenden Katalogpublikation um alles selber kümmert, gibt es dort nicht so viele Ausstellungen. Die werden dann aber sehnsüchtig erwartet und so war es nun auch am Samstag vor Palmsonntag wieder gut voll, als die neue Präsentation eröffnet wurde. Im großen Schauraum drängelten sich über 100 bestens gelaunte Besucher: Kunstinteressierte, Sammler und nicht zuletzt Künstler. So waren zum Beispiel aus der Oberpfalz Heiko Herrmann und aus München Heike Pillemann angereist. Die beiden hatten 2023 bzw. 2025 hier ausgestellt. Und natürlich aus Seefeld in Brandenburg Klaus Hack. „Die ganze Welt trifft sich in Kißlegg“, meinte dazu denn auch der Hausherr verschmitzt in seiner Begrüßung.

Für die musikalische Umrahmung der Eröffnung war wieder Michael Huber zuständig. Foto: Herbert Eichhorn

Dass die Eröffnungen hier so einen ganz unverwechselbaren Charakter haben, hat auch mit der Musik zu tun. Für die ist Hubers Bruder zuständig, der auch diesmal in der Einladungskarte lapidar angekündigt wurde: Michael Huber, Posaune. Mitgebracht hat der dann aber außer seiner Posaune noch eine Tuba und ein Alphorn. Mittels eines Loop-Gerätes legte er dann die drei Instrumente übereinander und bot so den entspannten Klang einer ungewöhnlichen kleinen Jazz-Combo.

Der Künstler im Gespräch mit Besucherinnen. Foto: Herbert Eichhorn

Eine Retrospektive zum Sechzigsten

Wolfgang Huber berichtete zunächst, wie die Ausstellung zustande kam. 2014 hatte ihn der 2019 verstorbene Ravensburger Maler Raimund Wäschle auf den Künstler aufmerksam gemacht. Da gebe es in der brandenburgischen Provinz irgendwo hinter Berlin diesen Bildhauer, der geheimnisvolle, ja fast mythische Arbeiten schaffe. Und den besuchte Huber dann umgehend. Dass diese Ausstellung in Kißlegg nun in diesem Jahr stattfindet, hat natürlich auch mit Hacks 60. Geburtstag zu tun. Und zustande gekommen ist aus diesem Anlass tatsächlich so etwas wie eine kleine Retrospektive mit über 80 Kunstwerken aus einem Zeitraum von 34 Jahren: Die Skulptur „Hängen“ entstand bereits 1992, also noch während des Studiums an der Akademie; die Arbeit „Einhorn“ wurde erst vor wenigen Wochen fertig.

Blick in die Ausstellung, im Vordergrund Hacks jüngste Arbeit „Einhorn“. Foto: Herbert Eichhorn

Vom Wesen der Bäume fasziniert

In die Ausstellung führte dann – angereist aus Düsseldorf – der Kunsthistoriker Thomas Brandt ein, seit Jahren vertraut mit Werk und Schaffen von Klaus Hack. Er blickte zunächst zurück auf den Werdegang des 1966 in Bayreuth Geborenen. Er beschrieb dessen Faszination für das Wesen der Bäume, die bis in die Kindheit zurückreicht. Und hier kommt auch das Allgäu ins Spiel. Hacks Familie besitzt eine einfache Hütte in den Wäldern bei Füssen. Dort erkundete der Künstler als Kind bereits begierig die Natur und kehrt bis heute immer wieder zu diesem stillen Rückzugsort zurück, um in Ruhe zu arbeiten. Sein Interesse am Material Holz ließ ihn dann zunächst eine Lehre als Möbelschreiner absolvieren. Anschließend studierte er Bildhauerei, zunächst an der Kunstakademie in Nürnberg bei Wilhelm Uhlig, später in Berlin bei Rolf Szymanski und Lothar Fischer. Sein Thema war der Mensch. Thomas Brandt zeigte eine Abbildung eines großen Frauenaktes, den Hack schon während seiner Zivildienstzeit schuf. Die Orientierung an der Plastik der Künstler des deutschen Expressionismus, vor allem an Ernst Ludwig Kirchner, war hier noch offensichtlich. Bei Szymanski lernte er dann freier mit der menschlichen Figur umzugehen. Anatomische Korrektheit interessierte ihn nun nicht mehr.

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Druckstock und Holzschnitt auf Leinwand „Die Jungfraw“. Foto: Herbert Eichhorn

Die primitive Kunst als Anregung

Nach Abschluss seines Studiums zog Klaus Hack schließlich nach Seefeld nordöstlich von Berlin. Wenige Jahre nach der Wende war das ehemalige Bahnwärterhaus, das ihm bis heute als Atelier dient, günstig zu haben. Zudem wurden damals in Brandenburg überall Alleebäume abgeholzt. Für einen Bildhauer gab es also Material in Fülle. Es entstanden mächtige Baumtrommeln, rundum bearbeitete Stämme, die dann, schwarz eingefärbt, wie Walzen auf breiten Leinwandbahnen abgedruckt wurden. In Kißlegg sind aus dieser Werkgruppe der monumentale Holzschnitt „Die Jungfraw“ und der zugehörige Stamm zu sehen. Aber Klaus Hacks Werk entwickelte sich weiter. Der Künstler gräbt sich heute mit Kettensäge, Stemmeisen und Fräse immer intensiver ins Holz ein. Kleinteilige, wabenähnliche Strukturen überziehen viele Arbeiten. Seine Auseinandersetzung mit der von Laien inspirierten „Art brut“ und vor allem mit der sogenannten primitiven Kunst, etwa aus Afrika, wurde intensiver. Auch der Umstand, dass der Künstler heute die meisten seiner Arbeiten mit weißer Farbe bemalt, weist in diese Richtung.

„Kreuz-Altar“. Foto: Herbert Eichhorn

Wegkreuze und Flügelaltäre

Die Werke der Afrikaner, die seit dem frühen 20. Jahrhundert überall in Europa begeistert aufgenommen wurden und werden, stammen in der Regel ursprünglich aus religiösen oder kultischen Zusammenhängen. Und etwas von diesem Kultischen haben auch die Arbeiten von Hack. So bevölkern jetzt rätselhafte Wächterfiguren und Idole die Räume in Kißlegg. Aber auch Formen, die wir aus unserer christlich-europäischen Tradition kennen, werden – freilich verfremdet – aufgenommen: Wegkreuze, Marterl oder Flügelaltäre. Tatsächlich gibt es in der Ausstellung einige größere und kleinere dreiteilige Altäre zu sehen, deren Teile mit Scharnieren verbunden sind und die, wie mittelalterliche Wandelaltäre, geöffnet und geschlossen werden können. Auch auf Formen aus der Kirchenarchitektur wird Bezug genommen, etwa in den Reliefs „Kathedralen“ oder in der Skulptur „Fünf Türme“. Aber all diese so unterschiedlichen Anregungen vermischen sich und werden durch die einheitlich weiße Fassung der Bildhauerarbeiten gewissermaßen aufgehoben.

Blick in die Ausstellung, im Hintergrund die Reliefs „Räderspiel“ und „Nachtfahrt“. Foto: Herbert Eichhorn

Promenade Sculpturale

Es geht Klaus Hack in seinen Schöpfungen nicht um irgendwelche Botschaften, nicht einmal um deren motivische Lesbarkeit. Vielmehr lässt er sich, wie Thomas Brandt erläuterte, in seiner Arbeit „respektvoll vom Stamm leiten“, ohne kontrolliertes Vorgehen, zunächst ohne Ziel. Er will aber dem Betrachter bei der Begegnung mit seinen Werken eine „Promenade Sculpturale“, also einen skulpturalen Spaziergang ermöglichen. Die elegante Formulierung, die auch als Titel für die Kißlegger Ausstellung gewählt wurde, wandelt einen Begriff des berühmten Architekten Le Corbusier ab. Dieser vertrat das Konzept der „Promenade Architecturale“, also des architektonischen Spaziergangs. Seine Bauten sollten sich dem Benutzer vor allem auch in der Bewegung erschließen. Und eine solche Bewegung des Betrachters wünscht sich auch Klaus Hack für die Beschäftigung mit seinen Werken. So entdeckt man, wenn man um die Skulpturen herumgeht oder diese auch nur mit seinen Augen intensiv erkundet, immer wieder überraschende Motive und Formen. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn man sich durch die Ausstellung bewegt. Insofern sollte man ausreichend Zeit mitbringen für die inspirierende „Promenade Sculpturale“, die Wolfgang Huber und Klaus Hack zusammengestellt haben.
Herbert Eichhorn

In der Galerie weitere Bilder von der Eröffnung und aus der Ausstellung (Fotos: Herbert Eichhorn)

Ausstellung „Klaus Hack. Promenade Sculpturale“

29. März bis 31. Mai 2026
Schauraum und Kabinett Huber
Kißlegg, Schlossstraße 58/1

Samstags und sonntags 14.00 bis 17.00 Uhr
oder mit Voranmeldung unter info@flaschnerei-huber.de

Demnächst erscheint auch ein Katalog zu der Ausstellung.

Am Sonntag, 26. April, um 11.00 Uhr gibt es in der Ausstellung ein Solorecital mit der Geigerin Doris Orsan mit Musik von Johann Sebastian Bach und Nikolaus Brass.

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Herbert Eichhorn
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01.04.2026
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