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Haushaltsplan 2026/2027 im Kißlegger Gemeinderat

Mit kleineren Einnahmen rechnen

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veröffentlicht am: 22.03.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Kißlegg – Mittwochabend, 11. März. Der Gemeinderat Kißlegg setzt sich im Esthersaal des Neuen Schlosses zusammen. Es geht um den Haushaltsplan 2026/2027. Die große Stunde von Kämmerer Roland Kant. Bürgermeister Dieter Krattenmacher meint dazu, dies sei wohl der letzte Doppelhaushalt, den Kant einbringe (der Kämmerer ist seit 1995 im Dienst der Gemeinde Kißlegg und hat inzwischen fast 44 Dienstjahre abgeleistet). Kant betont dabei: „Wir kalkulieren mit geringeren Einnahmen.“

Das „Finanzministerium“ der Gemeinde Kißlegg während der Gemeinderatssitzung am 11. März (von links nach rechts): Birgit Heber, Roland Kant, Sarah Weiß, Monika Arnold. Foto: Julian Aicher

Eine der stärksten Einnahme-Quellen des Gemeindehaushalts Kißlegg: die Gewerbesteuer. Sie sprudelte 2024 und 2025 vergleichsweise reichlich. Dazu Kämmerer Kant: „Die enormen Einnahmen der Vorjahre sehen wir nicht mehr.“ Für 2026 rechnet er mit 6,1 Millionen Euro. 2025 nahm die Gemeindekasse rund 7 Millionen Euro ein. Dies stimmte den Kämmerer „sehr zufrieden“.

„Löcher flicken“ 

Als eher stabil bleibend kalkuliert Kant dagegen die Einkommensteuer.2026 und 2027 „anwachsen“ dürften zudem die „Schlüsselzuweisungen“. Also zum Beispiel 2,3 Millionen vom Land für Kindergärten. Bisher gleich bleibt derweil, was die Gemeinde Kißlegg für Straßenbau ausgebe: 300.000 Euro pro Jahr. Bürgermeister Dieter Krattenmacher ergänzt dazu: „Das Land hat unheimlich viel gemacht für den öffentlichen Nahverkehr.“ Nicht aber für Straßenbauten. Daraus schließt Krattenmacher: „Wir können im Grund nichts anderes machen als Löcher flicken.“

Anteil der Personalkosten liegt bei 45 Prozent

Als beachtlich gestiegen zeigt Kämmerer Roland Kant die Personalkosten der Gemeinde Kißlegg. Lagen sie ursprünglich bei rund 23 % der Ausgaben, so machen sie inzwischen 45 % aus. Seit 2020 gebe die Gemeinde mehr für Kinderbetreuung als für die Verwaltung aus. Bürgermeister Krattenmacher sieht in diesen Ausgaben nicht allein Belastungen, sondern den Beweis dafür, wie stark sich die Gemeinde Kißlegg selbst um die Betreuung des Nachwuchses kümmere. Und zwar „meistens mit eigenen Einrichtungen“. Wer sich derart für Buben und Mädchen stark macht, denkt dabei auch an die eigene Zukunft.

Bundesmittel aus dem „Sondervermögen“ fließen in die Sanierung der Grundschule Waltershofen

Ähnlich engagiert ist man bei technischen Verbesserungen. Etwa beim Breitbandausbau. Mit 2,3 Millionen veranschlagt. Hilfe für solch „investive Maßnahmen“ lasse sich durch die Verschuldung des Bundes im Rahmen des „Sondervermögens“ erwarten. Davon sollen 5,5 Millionen Euro von Berlin nach Kißlegg fließen. Stichwort: Sanierung der Grundschule Waltershofen. Derartige Ausgaben trügen wiederum dazu bei, die Bürgerschaft von allzu hohen Gebührensteigerungen zu verschonen, erläutert Kämmerer Kant dem Gemeinderat.

Ein Kraftakt

Trotz der Bundesmittel: Die Schulden der Gemeinde Kißlegg wachsen. Ende 2025 umfassten sie 1,5 Millionen Euro. Also 150 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Der Landesdurchschnitt läge mit 500 Euro da deutlich höher, sagt Roland Kant. Mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 würden die Kißlegger Schulden dann auf knapp unter 500 Euro pro Kopf wachsen. Das sei für den Mehr-Seen-Ort zwar „erheblich“, aber „vertretbar“. Denn insgesamt dann „immer noch unter dem Landesdurchschnitt.“ Daraus schließt Kant: „Im Moment wäre die Finanzierung machbar.“ Mit manchem Fragezeichen. Denn: „Es verändert sich derzeit so schnell“, so das niemand voraussagen könne, „wie schnell das abwärtsgeht“. 
Kant erläutert dann weiter: „Die strukturellen Probleme, die kommen eher von der Ausgabenseite.“ Dabei bringe der Gemeindehaushalt auch vergleichsweise gute Einnahmen.

40 Prozent Kostendeckung beim Strandbad

Ein Beispiel für nicht ausreichende Kostendeckung ist das Strandbad. Dorthin fließen aus der Rathauskasse etwa 200.000 Euro pro Jahr. Die Einnahmen durch Eintritte decken 40% der Gesamtkosten. Da liege Kißlegg immerhin besser als der Landesdurchschnitt mit 20 % bis 30 % (bei vergleichbaren Einrichtungen).

Risikofaltor Energie

Insgesamt weise die Ausgabenseite auch Unsicherheiten auf. Etwa bei den Kosten für Energie. Sie schlügen mittlerweile mit rund einer Million Euro zu Buche. Dazu für die Zukunft eine Voraussage zu machen, „da tue ich mir im Moment schwer“, bekennt Kant.

Im Doppel-Haushalt für 2026/2027 erkennt CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Dürr einen „Kraftakt“. Sein Ratskollege, Freie Wähler-Kißlegg-Fraktionshäuptlinge Bernd Dux schließt daraus: „Da wird für Wünsche nicht viel da sein.“ Mehr Erkenntnisse erhoffen sich Ratsmitglieder aus einer Klausur mit der Verwaltung. Sie soll im April stattfinden.
Julian Aicher

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Julian Aicher
veröffentlicht am
22.03.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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