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Aulendorf – In der Stadthalle Aulendorf wurde am Donnerstag (12.3.) der kommunale Wärmeplan vorgestellt. Trotz der großen Bedeutung des Themas waren nur wenige Bürgerinnen und Bürger zur Veranstaltung gekommen. Angesichts der heftigen politischen Debatten um das Gebäudeenergiegesetz („Heizungsgesetz“) der vergangenen Jahre überraschte das etwas. Erarbeitet wurde der Wärmeplan von der Freiburger Firma greenventory im Auftrag der Stadt. Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045.

Fachleute auf dem Podium (von links): Martin Wirbel (Netze BW), Jutta Döbele (Stadt Aulendorf), Armin Maier (Thüga), Matthias Burth (Bürgermeister).

Fachleute auf dem Podium (von links): Jakob Schulz (greenventory), Walter Göppel (Energieagentur), Thomas Dobler (HDS), Milena Sigle (greenventory).
Wärmebedarf von 129 Gigawattstunden
Jakob Schulz von Greenventory stellte die wesentlichen Eckpunkte vor. Der komplette Bericht umfasst 111 Seiten und kann von der Homepage der Stadt Aulendorf oder hier downgeloadet werden.
Der Bericht zeigt zunächst, wie stark Aulendorf derzeit noch von fossilen Energien abhängig ist. Insgesamt liegt der jährliche Wärmebedarf der Stadt bei rund 129 Gigawattstunden. Der größte Anteil entfällt mit knapp 60 Prozent auf Wohngebäude, gefolgt von Gewerbe und Dienstleistungen mit etwa 30 Prozent. Öffentliche Gebäude und Industrie spielen eine deutlich kleinere Rolle. Damit wird deutlich: Die Wärmewende entscheidet sich vor allem in privaten Haushalten.
Viele alte Gebäude mit großem Sanierungsbedarf
In Aulendorf gibt es rund 3600 beheizte Gebäude. Auffällig ist deren Alter: Mehr als 46 Prozent wurden vor 1979 gebaut, also noch vor Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung. Besonders viele Häuser stammen aus den Jahren 1949 bis 1978. Viele dieser Gebäude haben entsprechend einen hohen Energieverbrauch. Ein großer Teil liegt energetisch nur im mittleren oder unteren Bereich der Effizienzklassen.
Gas und Öl dominieren noch immer
Auch bei den Heizsystemen dominieren weiterhin fossile Energien. Rund 40 Prozent der Gebäude werden mit Gas beheizt, etwa 32 Prozent mit Öl. Biomasse und Strom – etwa durch Wärmepumpen – spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle. Insgesamt stammen über 70 Prozent der Heizsysteme aus fossilen Energieträgern.
Ein weiteres Problem: Viele Heizungen sind alt. Mehr als die Hälfte der Anlagen ist älter als 20 Jahre, ein erheblicher Teil sogar über 30 Jahre. In den kommenden Jahren werden deshalb viele Heizungen ohnehin ersetzt werden müssen.
Wärmenetz als wichtiger Baustein
Thomas Dobler von der Firma HDS stellte deren Pläne für die Fernwärmeversorgung vor. Ein Nahwärmenetz existiert bereits in Teilen der Aulendorfer Kernstadt. Es wird von der HDS Energie GmbH betrieben und versorgt unter anderem die Kliniken, die Therme, Schulen mit Sporthalle sowie das Schloss. Der Schwerpunkt des Netzes liegt im dicht bebauten Innenstadtbereich. Für den Ausbau der Fernwärme plant die HDS, rund 70 Prozent der etwa 510 Gebäude im vorgesehenen Versorgungsgebiet an ein entsprechendes Netz anzuschließen. Allerdings wird die Wärme derzeit noch überwiegend mit gasbetriebenen Blockheizkraftwerken erzeugt. Eine wichtige Aufgabe der kommenden Jahre wird deshalb sein, dieses Netz schrittweise zu dekarbonisieren und – wo wirtschaftlich sinnvoll – weiter auszubauen.
Beratung für Bürgerinnen und Bürger
Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende soll auch die Energieagentur Oberschwaben spielen. Gemeinsam mit der Stadt sind Informationsveranstaltungen, Beratungsangebote und Unterstützungsprogramme für Hauseigentümer geplant.
Dabei geht es unter anderem um Fragen der Gebäudesanierung, den Einsatz erneuerbarer Heizsysteme, mögliche Wärmenetzanschlüsse sowie Förderprogramme des Bundes. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren und Unsicherheiten abzubauen.
Walter Göppel, Geschäftsführer der Energieagentur, betonte, dass sich durch die steigende CO₂-Bepreisung langfristig vor allem der Einsatz von Wärmepumpen wirtschaftlich rechnen werde.
Für deren Einbau gebe es derzeit zahlreiche Förderprogramme. Allerdings seien diese so komplex, dass eine fachliche Beratung dringend empfohlen werde. Eine Erstberatung bei der Energieagentur sei grundsätzlich kostenlos.
Wärmeplan ist zunächst nur ein Fahrplan
Wichtig ist jedoch: Der kommunale Wärmeplan hat zunächst keine unmittelbare rechtliche Wirkung. Er ist ein strategisches Instrument, das mögliche Entwicklungen aufzeigt und als Grundlage für spätere Entscheidungen dient. Konkrete Maßnahmen – etwa der Ausbau von Wärmenetzen oder Sanierungsprogramme – müssen erst in den kommenden Jahren beschlossen werden.
Große Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte
Der Bericht macht deutlich, dass der Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung noch lang ist. Alte Gebäude, veraltete Heizsysteme und die starke Abhängigkeit von Gas und Öl stellen die Stadt vor große Herausforderungen. Die kommunale Wärmeplanung soll nun als Grundlage dienen, um diese Transformation Schritt für Schritt anzugehen.
Blick in das Jahr 2045
Langfristig wird sich die Wärmeversorgung laut Planung vor allem auf zwei Säulen stützen: Strom – insbesondere über Wärmepumpen – und Fernwärme.
Diskussion über Holz und Bürgerbeteiligung
In der anschließenden Fragerunde wurde unter anderem die Nachhaltigkeit von Holzhackschnitzeln als Energieträger hinterfragt. Ganz darauf verzichten könne man jedoch nicht, hieß es aus dem Kreis der Referenten – etwa in Zeiten sogenannter „Dunkelflauten“, wenn wenig Wind weht und gleichzeitig wenig Sonnenstrom erzeugt wird.
Angesprochen wurden auch mögliche genossenschaftliche Modelle und Bürgerbeteiligungen bei der Energieerzeugung. Bürgermeister Matthias Burth schloss jedoch ein Engagement der Stadt bei alternativen Energieprojekten derzeit kategorisch aus. Thomas Dobler von der Firma HDS zeigte sich grundsätzlich offener für solche Modelle, betonte jedoch, dass aktuell bei HDS keine entsprechenden Projekte geplant seien.
Damit endete die Bürgerinformationsveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung in der Stadthalle Aulendorf.
Text und Fotos: Erwin Linder
































