Birgit Kata stellt den Wangenern mit Abt Ulrich Rösch einen Sohn der Stadt vor


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Wangen – Was für ein Mensch war Ulrich Rösch? Auf diese Frage hat Birgit Kata, die neue Wangener Stadtarchivarin, in einem Vortrag spannende Antworten gegeben. Wer ihren Vortrag verpasst hat, hat eine zweite Chance am Freitag, 10. Juli, um 19 Uhr in der Häge-Schmiede.
Ulrich Rösch wurde als Bäckersohn wurde vor 600 Jahren am 4. Juli in Wangen geboren. OB Lang sagte in seiner Begrüßung: „Er wird in der Raumschaft Wil besonders verehrt. Der „Hof zu Wil“, den er gebaut hat, wird jetzt an Röschs 600. Geburtstag am 4. Juli nach jahrelanger Sanierung wiedereröffnet. Wir und Wil sind so etwas wie Verwandte. Deswegen gründen wir nun auch am 4. Juli eine offizielle Partnerschaft.“
Dass Ulrich Rösch in Wil und Umgebung bis heute so sehr verehrt wird, liegt an seiner „unglaublichen Lebensleistung über 28 Jahre als Abt des Klosters St. Gallen“, wie Birgit Kata sagte. Er rettete das Kloster St. Gallen vor dem wirtschaftlichen Ruin, er vergrößerte die Besitztümer, er baute den Hof zu Wil und weitere Gebäude, eine Brücke über die Goldach und eine Straße zwischen St. Gallen und Rorschach. Er war als Diplomat für den Kaiser viel unterwegs. Rösch war sehr fromm. Ein Beleg dafür ist das private Gebetsbuch, das er sich von einem der besten Schreiber seiner Zeit, Simon Rösch, verfassen und ausgestalten ließ. Ob Simon mit ihm verwandt war – das weiß man derzeit nicht.
In Wangen kennt man Ulrich Rösch mit roten Haaren und rotem Bart, wie er am Martinstor neben dem Heiligen Martin und seinem Ottobeurer Abtskollegen Rupert Neß von den Künstlern August und Josef Braun abgebildet wurde. „Der Rote Ueli“ wurde er genannt. Der Chronist Joachim von Watt hat ihn sehr negativ dargestellt und daher auch mit der Farbe Rot in Verbindung gebracht. Wie die Archivarin belegte, war das in dieser Zeit alles andere als ein Kompliment. Rösch ließ sich auf Darstellungen nie mit roten Haaren abbilden.
Auch im Pavillon der Stadt Wil 2024 bei der Landesgartenschau war vom „roten Ueli“ die Rede. Denn inzwischen ist aus dem abwertenden Übernamen eine durchaus positiv besetzte Marke geworden. Drei Kinder hatte Rösch – ein Grund, weswegen der Chronist ihn nicht schätzte. Die beiden Söhne folgten dem Vater in geistliche Laufbahnen.
Rösch selber kletterte die Karriereleiter im Kloster hinauf. Er begann als „Küchenbub“, ging in die Klosterschule, wurde Mönch und ab 1451 als Großkeller der Leiter der gesamten Klosterwirtschaft, schließlich Vertreter und dann ab 1463 Nachfolger des Fürstabts. Mit 37 Jahren wurde er vom Papst zum Fürstabt ernannt, was sich Rösch in Rom bestätigen ließ. So erfolgreich war seine Tätigkeit, dass er 1475 auch im geistlichen Bereich eine Machtfülle auf sich vereint hatte, die der eines Bischofs glich. Doch die Kardinalswürde, die ihm zwei Jahre später angetragen wurde, lehnte er ab.
Seine Machtfülle zeigte er auch nach außen deutlich. Am Hof zu Wil, den er zu einer Residenz ausbauen ließ, ist sein Wappen mehrfach zu sehen. Er verhalf der Abtei St. Gallen zu neuem Besitz und einer wirtschaftlichen Blüte. Vertraglich gesichert konnte er auf die Unterstützung der vier Schirmstädte Zürich, Glarus, Luzern und Schwyz zählen. Der Fürstabt hatte aber auch eigene Soldaten, die er im Gegenzug für seine Verbündeten einsetzen musste. Eine Fassadenmalerei in Wil zeigt die Entsendung seiner Soldaten in eine Schlacht 1474.
Sein Grabmal ließ er wohl von einem der bedeutendsten Künstler jener Zeit, dem Münchner Bildhauer Erasmus Grasser, anfertigen. Es war ein Doppelgrabmal, das an die Vergänglichkeit alles Irdischen mahnen sollte: Auf der oberen Ebene war Rösch als Fürstabt in vollem Festgewand mit allen Insignien seiner Macht dargestellt, darunter war eine Plastik eines verwesenden Leichnams zu sehen. Im Bildersturm wurde das Grabmal 1531 komplett zerstört.
Birgit Kata bekam verdientermaßen großen Applaus für ihre lebendige Darstellung. Sie zeigte viele Illustrationen und teilweise noch unveröffentlichtes Material, unter anderem vom Kunstverlag Josef Fink aus einem Buch über Erasmus Grasser, das am 27. Juli 2026 erscheinen soll.

































