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Stellungnahme des Netzwerks Naturschutz Allgäu-Oberschwaben

Zweierlei Maß beim Besuch des Bundeskanzlers in Ravensburg

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Foto: H. Ibscher
Den Windkraftgegnern war ein Platz hinter einem Absperrgitter zugewiesen.
veröffentlicht am: 21.03.2026
Autor: Manfred Buchmann, Armin Kohler
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Aus Anlass des Wahlkampfauftritts von Bundeskanzler Merz am 6. März in Ravensburg hatten sich etwa 200 Windkraftgegner vor der Oberschwabenhalle versammelt. Dazu erreichte uns folgende Stellungnahme des Netzwerks Naturschutz Allgäu-Oberschwaben, in dem sich die regionalen Bürgerinitiativen zusammengeschossen haben:

Das Netzwerk rief anlässlich des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz und des CDU‑Spitzenkandidaten Manuel Hagel am 6. März an der Oberschwabenhalle in Ravensburg zu einer friedlichen Mahnwache auf. Unser Ziel war es, ein unübersehbares Zeichen für den Schutz unserer Natur, unserer Landschaft und unserer Lebensqualität zu setzen. „Unsere Region darf nicht tatenlos zusehen, wenn einzigartige Lebensräume industriellen Großprojekten geopfert werden“, so die zentrale Botschaft unserer Einladung.

Mit unter 200 Teilnehmern blieb die Resonanz hinter unseren Erwartungen zurück. Dies führen wir unter anderem auf den uns zugewiesenen Standort zurück. Da eine andere Demonstration früher angemeldet worden war, blieb uns nur dieser Platz, der nicht nur weit vom eigentlichen Geschehen entfernt lag, sondern zudem durch eine hohe Umzäunung, Bäume und Sträucher massiv abgeschirmt war. Viele Aktivistinnen und Aktivisten empfanden die Atmosphäre dort als „eingepfercht“ und brüskierend, weshalb einige die Versammlung umgehend bzw. vorzeitig verließen.

Vor dem zugewiesenen Areal bildeten sich Menschentrauben, da viele Passanten über die massive Einzäunung empört waren, was die Stimmung unter den Teilnehmenden merklich drückte. Da dieser Bereich zugleich als Rettungsgasse freigehalten werden musste, kam es zeitweise zu Spannungen zwischen dem Ordnungsdienst der Stadt, dem Deeskalationsteam der Polizei und Teilnehmenden unserer Mahnwache, die diese Situation nicht nachvollziehen konnten. Unsere für die Mahnwache zuständigen Ordnungskräfte kamen bei den Bemühungen, die Lage zu entschärfen, an den Rand ihrer Belastbarkeit.

Hinweise zu Lärm und Lautstärke, zur Anzahl der Ordner sowie zu weiteren Auflagen sind für geordnete Verhältnisse grundsätzlich wichtig. An der Oberschwabenhalle war jedoch unübersehbar, dass diese Vorgaben offenbar mit zweierlei Maß angewendet wurden: Während wir uns auf engstem Raum bewegen mussten, schien das Platzangebot für andere Gruppen „unbegrenzt“ zu sein – ohne dass dort auf die Einhaltung von Flächenvorgaben oder die Präsenz sichtbarer Ordner gedrängt wurde. Auch der Hinweis zur Nutzung einer Lautsprecheranlage, bei der einzelne Geräuschspitzen von maximal 90 dB definiert worden waren, erwies sich als wirkungslos – die zulässigen Werte wurden durch Musik und Beschimpfungen deutlich überschritten.

Unsere Klientel besteht überwiegend aus kritischen Bürgerinnen und Bürgern der Generationen 40+ und 60+, die mit Respekt und Anstand ihre Meinung äußern wollen. Wir vertreten keine parteipolitischen Ideologien; uns eint einzig die Liebe zur Natur und der gemeinsame Widerstand gegen deren Zerstörung.

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Primitive Beschimpfungen

Umso erschütternder waren die primitiven Beschimpfungen und Verleumdungen, die von der anderen angemeldeten Demonstration gegen uns gerichtet wurden. Dass Naturschützerinnen und Naturschützer, die nicht in ein bestimmtes ideologisches Raster passen, nahezu automatisch als „braunes Pack“ oder „braunes Gesocks“ diffamiert werden, stellt eine besorgniserregende Grenzüberschreitung dar. Wir behalten uns ausdrücklich vor, diese Beleidigungen strafrechtlich verfolgen zu lassen.

Während wir auf die ökologische Bedeutung unserer Region hinweisen wollten, räumte der Sprecher der Gegenseite offen ein, dass man unter anderem die Naturschützer „provozieren“ wolle.

Respektlos

Deutlich sichtbar wurde an diesem Tag die Spaltung zwischen Jung und Alt sowie die teils geduldete aggressive Stimmung auf Seiten der Gegendemonstration. Es fehlte mitunter jeglicher Respekt gegenüber jenen Teilnehmern, die ein friedliches Zeichen für Natur, Landschaft und Lebensqualität setzen wollten – für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, der für alle Menschen von existenzieller Bedeutung sein sollte.

Trotz dieser herausfordernden Rahmenbedingungen und der spürbaren gesellschaftlichen Spaltung zieht das Netzwerk Naturschutz ein positives Fazit: Es konnten wertvolle und konstruktive Gespräche mit Bundestags‑ und Landtagsabgeordneten sowie mit mehreren Bürgermeistern geführt werden. Zudem gelang es uns, neue Interessierte zu gewinnen und sowohl erfahrene als auch neue Aktivisten erfolgreich einzubinden.

Dialog statt Lautstärke

Das Netzwerk wird auch künftig entschlossen für den Schutz der Natur‑ und Kulturlandschaft im Allgäu, in Oberschwaben und im Bodenseeraum eintreten. Wir setzen auf einen respektvollen gesellschaftlichen Dialog, der unterschiedliche Positionen ernst nimmt und Lösungen durch Argumente statt durch Lautstärke ermöglicht.

Aggression und Spaltung erzeugen Spannungen, die unserem Verständnis von Engagement und demokratischer Teilhabe widersprechen. Unser Motto ist weiterhin: „Lond it luck – für unsere Landschaft und Natur!“
Manfred Buchmann, Ravensburg
Armin Kohler, Kißlegg-Waltershofen

Anm. d. Red.: Stellungnahmen von Akteuren mit zielgerichteter Interessenslage – wie im vorliegenden Fall von Seiten des windkraftkritischen Netzwerkes Allgäu-Oberscwaben – enthalten in aller Regel Meinungsbestandteile. Die Redaktion der Bildschirmzeitung akzeptiert ein breites Spektrum an Meinungen. Nicht veröffentlich werden extremistische, persönlichkeitsverletzende oder offensichtlich wahrheitswidrige Äußerungen.

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Manfred Buchmann, Armin Kohler
veröffentlicht am
21.03.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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