Was hinter naturnahem Gärtnern, Permakultur und biodynamischen Ansätzen steckt




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München – Begriffe wie „naturnah“, „Permakultur“ oder „biodynamisch“ werden oft gleichgesetzt, stehen jedoch für unterschiedliche Konzepte mit eigener Geschichte und eigenen Prinzipien.
„Viele dieser Ansätze verfolgen ähnliche Ziele, werden aber häufig vermischt“, sagt Dr. Lutz Popp, Experte für Gartenbauwissenschaften beim Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege (BLGL). „Für eine sachliche Einordnung lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhalte und auf das, was sie jeweils nicht sind.“
Naturnahes Gärtnern: Ökologische Funktionen im Mittelpunkt
Naturnahes Gärtnern ist kein geschütztes Label und kein festes Regelwerk, sondern eine fachliche Leitidee. Sie orientiert sich an natürlichen Lebensräumen und deren Funktionsweise. Ziel sind unter anderem stabile Lebensgemeinschaften durch standortgerechte Pflanzen und Strukturvielfalt.
Praktisch heißt das: heimische Pflanzen wählen, Blühangebote sichern, Totholz oder Hecken integrieren und organisches Material über Kompost wieder in den Boden zurückführen. „Naturnah bedeutet nicht ungepflegt, sondern bewusst gestaltete Lebensräume mit regelmäßiger Pflege.“ betont Dr. Popp.
Permakultur: Gestaltung mit ethischem Fundament
Permakultur wurde in den 1970er Jahren von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren entwickelt. Sie versteht sich als ganzheitliches Planungssystem von Lebensräumen. Im Zentrum stehen drei ethische Leitsätze:
Sorge für die Erde (Earth Care) – Boden, Wasser und Biodiversität erhalten
Sorge für den Menschen (People Care) – Bedürfnisse decken und Gemeinschaft stärken
Gerechtes Teilen (Fair Share) – Ressourcen maßvoll nutzen
Diese Prinzipien bilden den Rahmen für konkrete Planungsmethoden. Typisch sind Mischkulturen, die Bevorzugung mehrjähriger Systeme, die Nutzung natürlicher Energieflüsse sowie eine geschickte Flächennutzung. „Permakultur denkt vom Gesamtsystem her“, erklärt Dr. Popp. „Sie verbindet ökologische Gestaltung mit sozialen Fragestellungen.“ Wichtig ist jedoch: Permakultur ist kein geschütztes Siegel. Die Umsetzung variiert, systematische Langzeitstudien sind bislang begrenzt. Sie ist weder ein Ertragsversprechen noch ein festgelegter Standard, sondern ein ethisch fundierter Planungsrahmen.
Biodynamisch und biologisch: Was bedeutet das für den Hausgarten?
Der ökologische Landbau ist in der EU rechtlich geregelt. Er verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und setzt auf Fruchtfolgen, organische Düngung und weitgehend geschlossene Nährstoffkreisläufe – Prinzipien, die sich auch im Hausgarten gut umsetzen lassen. Die biodynamische Wirtschaftsweise baut darauf auf, geht jedoch konzeptionell weiter. Sie geht auf Rudolf Steiner (1924) zurück und versteht den Hof als möglichst geschlossenen Organismus. In der Praxis gehört dazu idealerweise auch Tierhaltung, um betriebseigene Nährstoffkreisläufe zu sichern. Zudem spielen bestimmte Präparate sowie eine Orientierung an kosmischen und rhythmischen Zusammenhängen eine Rolle. Entsprechende Betriebe können nach den Richtlinien von Demeter zertifiziert werden. Für private Gärten ist dieses Gesamtsystem jedoch nur eingeschränkt übertragbar. Relevanz haben vor allem praktische Maßnahmen wie Kompostwirtschaft oder Mischkulturen – nicht jedoch zwingend die weltanschaulichen Elemente.
„Für Hausgärten ist entscheidend, welche Maßnahmen fachlich sinnvoll sind“, so Dr. Popp. „Die weltanschauliche Grundlage der Biodynamik ist keine Voraussetzung für ökologisch orientiertes Gärtnern. Im Hausgarten bleibt davon vor allem die Idee geschlossener Stoffkreisläufe und der Verzicht auf chemisch-synthetische Düngung und Pflanzenschutzmittel relevant.“
Wie lässt sich das im eigenen Garten umsetzen?
Für private Gärten lassen sich Elemente aus allen Ansätzen kombinieren. Humusaufbau durch Kompost, vielfältige Pflanzengesellschaften, strukturreiche Gestaltung oder Mischkulturen sind fachlich sinnvolle Maßnahmen, unabhängig vom gewählten Etikett. „Entscheidend ist nicht der Begriff, sondern die konkrete Praxis“, betont Dr. Popp.
Mehr Informationen gibt es unter: https://www.gartenbauvereine.org/































