Vor über 100 Jahren wurde das Kino in der Bachstraße 10 eröffnet


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Leutkirch – Der „cineclub“ feiert in diesen Tagen 20-jähriges Bestehen. Die Vereinigung engagierter Cineasten kann dabei auf eine stolze Kino-Tradition in Leutkirch aufbauen. Wir haben Stadtarchivarin Nicola Siegloch gebeten, uns die „alte“ Geschichte des Lichtspielhauses darzulegen. Was sie gerne gemacht hat, wofür wir uns bedanken. Sie schreibt:

Eröffnungsanzeige im 16. April 1921. Das Wort „Neu-Eröffnung“ ist dem Umstand geschuldet, dass es in Leutkirch Vorläufer-Initiativen gab.
Am Samstag, den 16. April 1921 abends 8 Uhr, fand die Neu-Eröffnung der Lichtspiele Leutkirch in der Evangelischen Pfarrstraße 82 (heute: Bachstraße 10) statt. Zur Eröffnung des Lichtspielhauses wurde das Gebirgsdrama „Der Klosterjäger“ nach dem Roman von Ludwig Ganghofer, ein Film von Peter Ostermayr aus dem Jahr 1920, gezeigt. Die Neueröffnung der Lichtspiele musste des „grossen Andrangs“ wegen verlängert werden. Der Film lief am Montag, den 18. April, noch ein letztes Mal. In den folgenden Wochen wurde mit Anzeigen im „Allgäuer Volksfreund“ für das neue Lichtspielhaus geworben: „Modernes, neue eingerichtetes Theater für Lichtspiele“ „Vornehmste und schönste Vergnügungs- und Unterhaltungsstätte am Platze“, „Erstklassige Filme, vorzügliche Musikbegleitung, moderne Vorführungsapparate, absolut flimmerfreie Bilder“. Geöffnet war das Kino wochentags ab 8.00 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von ½ 3.00 Uhr bis 11.00 Uhr abends. Der Eintritt war jederzeit möglich, gespielt wurde ohne Unterbrechung, so dass es den ganzen Tag die Möglichkeit gab, eine vollständige Vorstellung zu sehen.

Anzeige im „Allgäuer Volksfreund“ am 22. April 1921.

Der nördliche Abschnitt der Leutkircher Bach-Straße um 1920.
Das Haus in der Bachstraße gehörte damals dem Kaufmann Markus Santner. Betreiber des Kinos war Ernst Beck, Lichtspielhaus Waldsee. Dieser Ernst Beck betrieb neben den Lichtspielen in Waldsee und Leutkirch auch das Kino in Isny, das sich seit Mai 1921 im dortigen Gasthof „Mohren“ befand.
Der Kinematograph auf dem Gallusmarkt
Bereits 1895 hatten die Brüder Lumière in Paris das erste Filmvorführgerät, den „Kinematographen“ entwickelt. Ihre „lebenden Fotografien“ waren in den folgenden Jahren zunächst in Wirtshaussälen und Zirkuszelten, auf Jahrmärkten und Dorffesten zu sehen. Ab 1904 fanden auch in Leutkirch regelmäßig am Gallusmarkt Aufführungen mit dem Kinematographen auf dem Viehmarktplatz statt. Die Vorführungen wurden wohl gut angenommen. 1908 schrieb der Allgäuer Volksfreund. „Das Berg- und Talkarussel am Gallusmarkt sowie der große Kinematograph hatten auch dieses Jahr wieder großen Zulauf“.
Leutkirchs allererstes Kino
Ende Juni 1914 wurde ein Saal-Kino im Gasthaus „Hirsch“ in der Marktstraße eröffnet. Allerdings wurde der Kinobetrieb wegen Ausbruch des Ersten Weltkriegs bald schon wieder eingestellt. In der Zeitung erschienen jedenfalls keine Anzeigen mehr.

Zeitungsanzeige vom 27. Juni 1914.
An Ostern 1919
An Ostern 1919 wurde schließlich das erste ständige Kino im Kreißle’schen Haus in der Hauptstraße (heute Marktstraße 41, Spielwaren Fessler) eingerichtet. Zur Eröffnung wurde passend zu Ostern der Film „Maria Magdalena“ gezeigt. Betreiber war Oskar Volk, Buchdrucker, wohnhaft in Leutkirch. Das neue Lichtspielhaus verfügte über einen „geräumigen Saal“, „zweckentsprechende Einrichtung“ und „Klaviermusik“. Wie lange das Kino in der Marktstraße bestand, ist nicht bekannt. Überhaupt sind zu den Anfängen der Kinogeschichte im Stadtarchiv kaum Quellen vorhanden. Lediglich aus den Kinoanzeigen in der Zeitung lassen sich die verschiedenen Standorte rekonstruieren.
1921: Start in der Bachstraße
Mit der Unterbringung des Kinos 1921 im Gebäude Bachstraße 10 erhielt das Kino seinen festen Standort, es befindet sich bekanntlich noch heute dort. In den folgenden Jahren fanden allerdings mehrere Pächterwechsel statt, erst als Joseph Vogel 1929 das Gebäude kaufte, blieb es Jahrzehnte lang in Familienbesitz. Seine Tochter Mathilde Grossmann baute es 1956 zu einem modernen Filmtheater, dem „Centraltheater“, um. Der Charme der 1950er-Jahre ist dem Kino, das heute als Programmkino vom Cineclub Leutkirch e. V. betrieben wird, bis heute erhalten geblieben.

Seit 1956 gibt es diesen Schriftzug.
Text: Nicola Siegloch / Repros: Stadtarchiv
































