Von der Nachbars- zur Adoptivtochter


Kontakt
Redaktion
Anzeigen
Leutkirch – Wie kam Esther Straub in die Firmen-Führung der Leutkircher Brauerei Härle? Das – und so manch Bemerkenswertes mehr – stand am Dienstag, 3. November, auf nahezu einer ganzen Zeitungsseite. Und zwar in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Und damit in einem Blatt, von dem in ganz Deutschland täglich mehr als 160.000 Exemplare verkauft werden.
Familienangelegenheiten sind privat. Zumindest so lange, bis sie veröffentlicht werden. Und so ist spätestens seit dem heutigen Dienstag, 3. November, bekannt: Ursula Maurer-Härle und ihr Mann Gottfried Härle haben eine Adoptivtochter. Ihr Name: Esther Straub. Besser bekannt als Mitgeschäftsführerin (neben Gottfried Härle) der Brauerei Härle.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Dienstag, 3. November, weiß von einer Festlegung im Gesellschaftervertrag der Familie Härle von 1972. Dort stehe, dass nur leibliche oder adoptierte Kinder der Familie Härle die Brauerei übernehmen dürften. Geschrieben – getan.
Das Vertrauen, das sich zwischen Gottfried Härle und Esther Straub aufgebaut hat, erwuchs aus guter Nachbarschaft. 1998 waren Ursula Maurer-Härle und ihr Mann Gottfried Härle von Leutkirch nach Herlazhofen gezogen. Nebenan wohnte Esthers Familie. Die Familien freundeten sich an. Esther Straub arbeitete während und neben ihrer Studien immer wieder in der Brauerei. Dabei oft von Gottfried Härle gefragt: „Wie würdest Du das machen?“ So ebnete sich Esther Straubs Weg in die Geschäftsführung. „Im Rahmen einer Schenkung“ sei Esther Straub schließlich Mit-Anteilseignerin an der Brauerei Härle geworden. So die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) vom 3. November. Mittlerweile ist die 36-jährige Esther adoptiert – wegen der Vorschrift aus dem Gesellschaftsvertrag.
Auf fast einer ganzen Seite berichtet die FAZ über das Leutkircher Gerstensaft-Unternehmen. Mitgeschäftsführerin Esther Straub verwende auffällig oft das Wort „Wirksamkeit“. Und in der Tat lässt sich Straubs Einfluss inzwischen sinnlich schmecken. Denn die alkoholfreien Härle-Biere, die sich ziemlich bekömmlich genießen lassen, gehen auf Esther Straubs Bemühungen zurück. „Ich war da am Anfang sehr sehr skeptisch“, bekennt Gottfried Härle (laut FAZ) zum Bier ohne Alkohol. Laut der FAZ kommt Härle 2026 wohl „auf den größten Bierausstoß, den die Brauerei jemals hatte“: Voraussichtlich 3,2 Millionen Liter Gerstensäfte. Darunter ein rundes Fünftel „alkoholfrei“.
„Oh – schon ausverkauft?“
Dienstagmittag, 3. November, in einem Leutkircher Schreibwarengeschäft. „Habt Ihr die Frankfurter Allgemeine Zeitung?“ – „Klar“, lautet die freundliche Antwort der Inhaberin. Sie beugt sich Richtung Zeitungsregal und greift – ins Leere. „Oh, schon ausverkauft?“, wundert sie sich. Bei einem Supermarkt nahe dem Jugendhaus liegt die FAZ kurz danach noch – ein einziges Exemplar. „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“, lautete einst der Werbespruch der „Frankfurter Allgemeinen“. Die, die im Zeitungshandel am Dienstag zugegriffen haben, scheinen also alles andere als dumm zu sein. Zumindest schneller als andere. Denen, die nicht minder „gscheid“ sein wollen, hilft die Bildschirmzeitung hier schon mal weiter.
Julian Aicher
Anm. d. DBSZ-Red.: Der Jahres-Ausstoß der Brauerei Härle beläuft sich auf 32.000 Hektoliter, also 3,2 Millionen Liter. In der ersten Fassung dieses Artikels hatten wir den Ausstoß fälschlicherweise mit 32 Millionen Litern angegeben. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung.


































