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    René Giessen auf Stippvisite in Kißlegg

    Weltmusik mit dem „Goschahobel“

    Foto: Ulli Stark
    Ein ganz großer Könner: René Giessen mit der Mundharmonika. Hier bei seinem privaten Auftritt in Kißlegg.
    veröffentlicht am: 10.08.2026
    Autor: Ulli Stark
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Kißlegg – Im Alpenraum wird sie liebevoll, aber etwas respektlos „Goschahobel“ genannt, Vielen gilt sie als Kinderinstrument. Die Titelmelodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ zeigte jedoch bereits Ende der 1960er-Jahre, welche musikalischen Höhenflüge eine Mundharmonika erlaubt. Eine Kostprobe davon gab Anfang August der zur Weltspitze gehörende René Giessen während einer Stippvisite in Kißlegg. Die Bildschirmzeitung durfte dabei sein.

    René Giessen war Gast von Wolfgang Schuwerk. Mit berechtigtem Stolz begrüßt der Hausherr den umgänglichen Star (vorne rechts im weißen Hemd, mit dem Rücken zum Publikum). Alle freuen sich auf des Konzert mit einem Großen seines Fachs. Foto: Ulli Stark

    Für Mike Scholz auch nicht alltäglich: Begleitung auf der Gitarre für René Giessen. Foto: Ulli Stark

    Am zehnten Geburtstag begann es

    Präzision ist nötig: René Giessen spielt auf einer chromatischen Mundharmonika. Mit der lassen sich auch alle Halbtöne erzeugen, was einen vielseitigeren Einsatz ermöglicht. Mit seiner ersten, ein Geschenk zum zehnten Geburtstag, hatte er sich im Wettbewerb mit einem Freund zu beweisen, der mit der Flamenco-Gitarre als klarer Favorit galt. Mit viel Ehrgeiz und noch mehr Fleiß sei es ihm damals gelungen, ihn gerade mit einem Flamenco-Stück auszustechen. Das er dem etwa 25-köpfigen Auditorium in Kißlegg auch prompt vorspielte – 70 Jahre danach.

    „Du kannst so schön miauen …“

    Damit war der Ton für den Abend gesetzt, den der ehemalige Gemeinderat Wolfgang Schuwerk für Gäste der Kißlegger Musikszene und im Freundeskreis spontan arrangiert hatte. Auf Anekdoten aus seinem Werdegang, mit viel Selbstbewusstsein aber auch Humor und Ironie erzählt, spielte René Giessen jeweils eine passende Weise. Auf die Story über das Treffen mit dem Komponisten George Gershwin und dem Harmonika-Virtuosen Larry Adler folgte so die Arie „Summertime“ aus dem Musical „Porgy and Bess“. Ein Stück aus „Cats“ untermalte die Aufforderung des Komponisten Lloyd Webber: „Du kannst so schön miauen, spiel mir was“. Mike Scholz, Gitarrist, langjähriger Musikpädagoge und erfahrener Partner in der gemeinsamen Studioarbeit, sorgte für jeweils die Begleitung. Als schließlich die Filmmelodie zu Winnetou erklang, konnte man sich vorstellen, wie der Titelheld und Old Shatterhand durch den Wilden Westen ritten.

    Pierre Brice, einst Darsteller von Winnetou, lässt sich von René Giessen den Einsatz der chromatischen Mundharmonika erläutern. Archivbild. © René Giessen

    Ein Muss: „Spiel mir das Lied vom Tod“

    Noch mehr Kopfkino erzeugte das letzte Stück, die von Ennio Morricone für „Spiel mir das Lied vom Tod“ komponierte, legendäre Titelmelodie. Wobei das Begleit-Orchester per Playback eingespielt wurde. „Darauf wartet das Publikum immer“, verriet René Giessen. Was auch für den Auftritt in Kißlegg zutraf. „Wenn ich das auf der Straße spielte und einen Hut aufstellte, könnte ich davon sicher leben.“

    Der junge René Giessen und Lex Barker alias Old Shatterhand (re.) erörtern die Filmmelodie mit der chromatische Mundharmonika. Archivbild. © René Giessen

    Immer wieder im Allgäu unterwegs

    Das Publikum beteiligte sich gern an der Begleitung durch Geräusche; hier mit der „Glasharmonika“. Foto: Ulli Stark

    Nicht fehlen in den Erzählungen durfte der Umstand, dass Mundharmonika bis heute nicht als Studienfach angeboten wird. Vom Dirigenten Rafael Kublik stammte Anfang der 1960er-Jahre deshalb die Empfehlung: „Lern ein klassisches Orchester-Instrument“. Die Wahl fiel auf die Klarinette, in Ergänzung studierte er in München das Dirigieren und Komponieren. Die Freundschaft zu Wolfgang Schuwerk entstand vor rund zwanzig Jahren bei den Rotariern in Isny, als René Giessen aus familiären Gründen für längere Zeit im Allgäu lebte. Damals führten ihn Ausbildungsprojekte mit Einzelschülern und ganzen Kapellen aus der Region auch nach Kißlegg. Die Konzerte, „für die wir noch gar keine angemessenen Säle hatten“, sind für Bürgermeister Dieter Krattenmacher unvergessen. Räumlichkeiten gäbe es inzwischen. Mit seinen 82 Jahren sprüht der Wahl-Gelsenkirchener vor Aktivität und kommt immer wieder einmal im Allgäu vorbei. Vielleicht passt es ja eines Tages für einen größeren Auftritt in Kißlegg.

    Der Weltmusiker in seinem Element. Foto: Wolfgang Schuwerk

    Bericht: Ulli Stark

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    Ulli Stark
    veröffentlicht am
    10.08.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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