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Kißlegg – Einmal im Jahr lädt die Gemeinde zum Bürgerabend in die Mensa am Schulzentrum. Im Mittelpunkt standen am 28. März einmal mehr die hohen Investitionen bei schwieriger werdender Finanzlage. Dieter Krattenmacher ehrte darüber hinaus fünfzehn Kißlegger für ihr „herausragendes ehrenamtliches Engagement“.
Mit ein paar Zahlen stimmte der Bürgermeister die über 200 Zuhörer zunächst auf die ernste finanzielle Lage ein. Nach vielen guten Jahren erwarte er im Haushalt für 2026 und 2027 eine Deckungslücke von jeweils deutlich über einer Million Euro. Ein wesentlicher Grund liege in den Personalkosten, die von gut fünf im Jahr 2015 auf über zehn Millionen Euro gestiegen seien. Durch den Ausbau der Kinderbetreuung habe sich die Gemeinde „vom Betrieb für Technik und Verwaltung zum Betreuungsunternehmen gewandelt“. Hinzu kämen wichtige Vorhaben wie der Breitbandausbau, der Hochwasserschutz in Waltershofen oder die Erweiterung der Kläranlage. Die Erweiterung des Kindergartens St. Hedwig, Hallensanierungen sowie die Sanierung von Straßenbau schlügen auch jeweils mit Millionenbeträgen zu Buch.
„Unsere soziale Visitenkarte“

Eindringlich warb er in diesem Zusammenhang für das „Bürgerhaus Löwen, unsere soziale Visitenkarte“, auch wenn einige Kißlegger darin ein „Groschengrab“ sähen. Mit dem dort verbauten Geld hätte man auch ein paar der 120 Kilometer Gemeindestraßen runderneuern können. „Aber im Mittelpunkt der Kommunalpolitik, für die ich als Bürgermeister stehe“, sollte zuerst das Wohlergehen der Bürger stehen – „auch derer, die nicht mithalten können“.
Damit war schließlich der Ton für das Motto des Abends gesetzt: So konnte Dieter Krattemacher einerseits auch mit dem kommunalen Engagement für den geplanten Bau weiterer Wohnungen in der Becherhalde, dem Ausbau der Nahversorgung oder der Wiederbelebung der Ortsmitte punkten. Am Beispiel des Zivilschutzes oder der Wärmeplanung warnte er jedoch: „Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Staat und die Gemeinde das alles für Sie regeln werden“.
Kißlegg sieht er dabei auf einem guten Weg zur Eigenverantwortung anstatt einer „Vollkasko-Mentalität“. Ein großer Teil der Bevölkerung engagiere sich „selbstlos für andere“; viele wichtige Aufgaben würden „ehrenamtlich getragen“. Unter großem Applaus verlieh er am Ende drei Ehrenabzeichen, zehn Ehrenmedaillen und die Bürgermedaille (siehe Extra-Beitrag).
„Heut‘ hat er wieder lang g’red‘t“, raunte der eine oder andere Besucher nach insgesamt zweieinhalb Stunden, die von den preisgekrönten Nachwuchspianisten Tessa Paoli, Hannes Zinser und einmal mehr Sophia Aoki stimmungsvoll eingeleitet worden waren. Der große Zuspruch und der Applaus zeigten, dass den Kißleggern der ausgiebige Rundgang durch die Kommunalpolitik offenbar wichtig ist. So eilten auch nur wenige am Ende schnurstracks nach Hause. Die meisten nutzten den angebotenen Umtrunk, um sich noch bis spät in den Abend intensiv auszutauschen.
Ulli Stark

































