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Kißlegg – Lust und Last liegen beim Erhalt historischer Bausubstanz oft nah beieinander. Diese Erfahrung macht man in Kißlegg aktuell wieder mit dem Umbau des ehemaligen Gasthofes „Löwen“ zu einem Bürgerhaus. Mit dem Haus Walser wartet dabei schon das nächste Projekt. Über den Stand der Dinge informierte sich Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, im Rahmen der Denkmalreise des Landesamts für Denkmalschutz. Deutlich wurde am 8. September vor rund vierzig Interessierten: Hier ist ein langfristiger, ehrenamtlicher Einsatz in Verbindung mit viel Fachwissen gefragt.
„Ein Konzept ist nötig, es muss für die Beteiligten einen Sinn haben“, betonte Rolf-Dieter Blumer und verwies auf vergleichbare Projekte im Ostalbkreis. So sei es dem Kulturverein in Königsbronn gelungen, ehemalige Industriegebäude einer Nutzung als Museum, für kulturelle Veranstaltungen und sogar durch eine Hausbrauerei zuzuführen. Das trage sich sogar selbst.
Vereinsgründung steht bevor
Auf diese Erfahrung setzt auch Kißleggs Heimatpfleger Bernd Mauch. Der Kontakt zum in Schwäbisch Gmünd lebenden Blumer, der laut der Lokalzeitung den Denkmalschutz „inhaliert“ habe, kam über das Landesamt zustande. „Was ist hier das Ziel?“ hatte auch Theresa Schopper gefragt. Auf jeden Fall soll das Gebäude die Heimatpflege fördern und von den Kißleggern wieder genutzt werden können. Wie genau und welche weiteren Zwecke sich anböten – das will Bernd Mauch mit interessierten Bürgern im Rahmen eines Vereins entwickeln, dessen Gründung unmittelbar bevorstehe.
Das älteste Gebäude in Kißlegg
Mit einem kurzen Abriss der Geschichte des Hauses Walser hatte zuvor Bürgermeister Dieter Krattenmacher die denkmalpflegerische Bedeutung verdeutlicht: So gingen die Ursprünge bis auf die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg zurück, als die Walsers aus dem Alpenraum angeworben wurden. Die Familie aus dem Färberhandwerk hatte sich 1661 etwas außerhalb des Marktfleckens angesiedelt, wodurch das Gebäude als einziges, außer der Kirche und dem Alten Schloss, den verheerenden Brand von 1704 überstanden hatte. Ein großer Teil der Bausubstanz stamme aus der Erneuerung im Jahr 1714, was es zum ältesten Haus in der Gemeinde und damit einmalig mache. Im Jahr 2011 ging es auf die Gemeinde über mit der Maßgabe, über eine Stiftung für die Erhaltung zu sorgen. Seit 2015 ist es nicht mehr bewohnt, wobei Teile des Inventars vielen Kißleggern wohlbekannt sind: Das im Neuen Schloss angesiedelte Heimatmuseum hatte 2024 und 2025 laut Dieter Krattenmacher großen Zuspruch für die Ausstellung der historischen Spielzeugsammlung erfahren. „Und jetzt, Frau Ministerin, sind wir froh, dass Sie da sind“.
Die Größe der Herausforderung ist zu erahnen
Augenscheinlich beruhte dies auf Gegenseitigkeit. Jedenfalls ließ sich Theresa Schopper einen Rundgang durch den Balken- und Bohlenständerbau nicht nehmen, bei dem auch die Größe der Herausforderung zu erahnen war: Aus einer Stube könnte man, ohne die Rupfen an den Wänden, nach draußen sehen. Eine undichte Stelle im Dach hatte dafür gesorgt, dass unter dem jüngst entfernten Teppichboden Flecken im Boden entstanden waren. In einigen Räumen waren Relikte aus der Zeit zusammengestellt worden, als die Walsers dem Flaschner- und Spenglerhandwerk nachgegangen waren. „Faszinierend“ empfände sie die Tätigkeit von Archäologen wie von Denkmalpflegern. „Das Ergebnis der Arbeit ist oft eine Augenweide“. Eventuellen finanziellen Begehrlichkeiten, die aber allenfalls in Gedanken bestanden, schob sie angesichts der Kassenlage vorsorglich einen Riegel vor.
Vertrauensvolles Miteinander gefragt
Womit wir wieder beim Ehrenamt wären. „Das braucht Zeit“ betonte Prof. Ulrike Plate, deren Abteilung Baudenkmale beim Landesamt den Termin in Kißlegg eingefädelt hatte. Deshalb sei es gut, dass das Gebäude der Gemeinde gehört. Der Erhalt des kulturellen Erbes lebe vom vertrauensvollen Miteinander von Eigentümern, Kommunen, Fachbehörden und engagierten Ehrenamtlichen.
Bereits seit Jahren organisiert das Landesamt vor dem Tag des offenen Denkmals am 2. Septembersonntag die Reise zu außergewöhnlichen, erhaltenswerten Stätten. Theresa Schopper erinnerte daran, dass allein Baden-Württemberg auf eine ordentliche fünfstellige Zahl von Denkmalen käme. Laut dem Präsidenten, Prof. Claus Wolf, wurde die letzte Station, das Haus Walser, wegen des behutsam einzusetzenden Spezialistentums ausgewählt. Die Umsetzung wollen jetzt die engagieren Kißlegger um Bernd Mauch angehen. Die Bildschirmzeitung bleibt dran.

Austausch zur Vorgehensweise in der Stube mit Rolf-Dieter Blumer (li.), Theresa Schopper (re.), Prof. Ulrike Plate (3. v. re.), MdL und Staatssekretärin Petra Krebs (4. v.li.), Kreisdenkmalpflegerin Ursula Rückgauer (5. v.li.), Prof. Claus Wolf.

Janine Butemut, Referentin für Kunst- und Baudenkmalpflege im Landesamt, mit Ministerin Schopper vor einem der Objekte der Spielzeugausstellung.

Im Haus Walser finden sich noch jede Menge Objekte, die an die handwerkliche Tätigkeit erinnern – wie hier an die Färberei.

In einem Raum sind Überbleibsel aus der Spenglerei gesammelt aufbewahrt.

Auch Leuchten für Kutschen wurden im Haus Walser gefertigt.

Ein Fundstück der anderen Art: Fahrplan des Bahnhofs Kißlegg von 1940.

Auch bei einem einfachen Blick von außen lässt sich die Größe der Herausforderung erahnen, das Haus Walser zu erhalten.
Text und Fotos: Ulli Stark

































