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Kommentar

Ein Nasenwasser

veröffentlicht am: 07.08.2026
Autor: Gerhard Reischmann
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die Freie Energiegenossenschaft (FEGI) hat in einer Mitteilung an die Presse Vorwürfe gegen die Stadt erhoben. Sie beklagt unter anderem fehlende Unterstützung seitens der Stadt für die Erschließung des Beurener Berges für Windkraft.

Eines kann man Bürgermeister Rainer Magenreuter gewiss nicht nachsagen: dass er nichts für Windkraft übrig habe. Dass er kein Herz für die Regenerativen habe. Im Landkreis gilt Rainer Magenreuter eher als „Grüner“, der nicht davor zurückschreckt, die Adelegg mit Windkraftanlagen zu „bespargeln“.

Den Sachverhalt bei der Bioenergie Isny (BEI) können wir nicht beurteilen. Wohl aber die Sache mit den 0,2 Cent, die pro Kilowattstunde produziertem Windstrom an die Standortgemeinde fließen würden.

0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Windstrom an die Gemeinde: Das ist keine großherzige Beteiligung. Das ist nicht einmal ein Gnadenakt. Das ist gesetzliche Pflicht.

Mit den 0,2 Cent wird landauf, landab die aufgeschreckte Bevölkerung beschwichtigt. Wir haben diese windige Rechnung vor einiger Zeit für den Standort Humberg bei Bad Wurzach betrachtet (der dann vom Regionalverband gekippt wurde).

Dort waren drei Windkraftanlagen des Typs Vesta geplant gewesen; sie hätten eine Höhe von jeweils 261 Metern haben sollen. 0,2 Cent / kWh – das hätte eine Jahressumme von etwa 85.000 € ergeben, wovon Bad Wurzach 90 Prozent und Kißlegg 10 Prozent erhalten hätten. Die Summe wäre in den allgemeinen Stadtsäckel geflossen, sie wäre nicht zweckgebunden gewesen, um besonders belasteten Anwohnern ein kleines Trostpflaster zu geben.

Die drei bei Humberg geplanten Anlagen hätten laut Projektierer 42,5 Millionen kWh Strom pro Jahr geliefert und damit einen Jahres-Umsatzerlös von etwa 3 Millionen € generiert. Und das 20 bis 25 Jahre lang.

Anwohner im nahen Umfeld von Windkraftanlagen haben mit Lärm zu kämpfen, haben Schattenwurf zu ertragen, sie sind Infraschall ausgesetzt  und sie haben Druckpulse durch den abgehackten Wind hinzunehmen.

Was auf jeden Anwohner im Nahbereich von Windkraftanlagen zukommt, ist eine schwere Last. Dafür soll es ein „Nasenwasser“ geben, das für ein paar Ruhebänke und eine Info-Tafel reicht!

„Die Gewinne werden privatisiert, die Belastung wird sozialisiert“, sagte ein Anwohner am Rande der damaligen Windkraft-Ortschaftsratssitzung in Arnach zum Vertreter der Bildschirmzeitung und traf damit den Nagel auf den Kopf.

Hier 3 Millionen, dort 0,085 Millionen – dieses Missverhältnis schreit zum Himmel. Die grün geführte Landesregierung ist hochkreativ bei der Windkraftvorrang-Politik, schränkt Widerspruchsrechte der Bürger ein, baut den Artenschutz ab, schiebt den Denkmalschutz auf die Lange Bank, ja, sogar das Verlegen der Erdkabel wird dergestalt optimiert, dass die Grundstücksbesitzer keine Einrede mehr geltend machen können. Letzteres ist sogar etwas Vernünftiges.

Bei der – wirtschaftlichen – Bürgerbeteiligung aber versagt ausgerechnet jene Partei, die einst die partizipative Demokratie, die Teilhabe der Leute an transparenter Politik, auf ihre Fahnen geschrieben hatte.

Statt wirtschaftlicher Teilhabe gibt es eine neue Umverteilung von unten nach oben. Die Windkraftbetreiber sind die neuen Feudalherren und ihnen halten die Grünen die Steigbügel.

Mit Verlaub, Herr Özdemir, es gibt freie Güter. Der Wind gehört allen. Selbstverständlich muss das gebundene Kapital sich amortisieren. Selbstverständlich muss es sich für Investoren auskömmlich verzinsen. Aber eine Ernte, bei der nur Brosamen für die Masse der Leute abfallen, ist ethisch nicht in Ordnung.

Wenn Windkraft, dann unter echter Beteiligung der direkt betroffenen breiten Bevölkerung: über Billigstrom und angemessene Gewinn-Ausschüttungen.

Wer die Last trägt, braucht einen Zutritt zur Tränke.
Gerhard Reischmann

Unter „Lesen Sie hierzu auch“ finden Sie nachstehend die zugehörige Pressemitteilung der Freien Energiegenossenschaft (FEGI).

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Gerhard Reischmann
veröffentlicht am
07.08.2026
Lesedauer: ca. 3 Minuten
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