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Gemeinderat beschließt mit 1 Stimme Mehrheit

Die Stadt übernimmt die Felderhalde für drei Jahre

Foto: Julian Aicher
Auf mehrere Stockwerke verteilten sich die Interessierten vor der Gemeinderatssitzung zur Felderhalde im Treppenhaus des Rathauses Isny am Montagabend.
veröffentlicht am: 13.10.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Isny – Elf Mal „ja“. Zehn Mal „nein“. Damit entschied sich der Gemeinderat Isny am Montagabend (12.10) mit 1 Stimme Mehrheit dafür, dass die Stadt Isny die Skiliftanlagen Felderhalde selbst betreibt. Für drei Jahre.  So hoben die 11 Ratsmitglieder auch ihre Hände für „außerplanmäßige Mittel“ im Stadthaushalt. Gleich für 2026 insgesamt 28.000 Euro.

Dichtes Gedränge. Vor dem Großen Saal im Rathaus standen nicht nur am Eingang Interessierte,  kurz bevor um 18.15 Uhr die öffentliche Sitzung zum Felderhalde beginnen sollte. „Das geht zwei Stockwerke runter“, berichtete eine Besucherin. So massiv der Andrang derer, die die Debatte selbst erleben wollten.

Bürgermeister Rainer Magenreuter kündigte am Anfang der öffentlichen Ratsversammlung um 18.33 Uhr „eine nicht einfache Entscheidung an“.  Einerseits stehe nämlich fest, „dass wir uns als Stadt Isny kein finanzielles Abenteuer leisten können“. Andererseits stelle das Skiliftgebiet Felderhalde ein ortsnahes „Alleinstellungsmerkmal“ für die Allgäustadt dar, „um das uns andere Kommunen beneiden“.

Die Stadtverwaltung schlage deshalb dem Rat einem Pachtvertrag mit der „Familienlifte Isny GmbH“ vor. Für 14.000 Euro.  Gültig „für drei Winter“.  Aufgrund bisheriger Erkenntnisse könne das ein „Defizit“ von rund 20.000 Euro bedeuten – im Extremfall auch 60.000 Euro.

Hannes Mechler vom Winterportverein Isny (WSV) bekam viel Applaus aus dem fast 100-köpfigen Publikum für seine Rede zugunsten der Felderhalde während der Gemeinderatssitzung Isny am Montagabend.

Dann übergab Magenreuter das Wort an Hannes Mechler, den Vorsitzenden des Wintersportvereins (WSV) Isny.  Mechler betonte, es sei wichtig, „dass wir jetzt mit dem Aufbau beginnen“.  Es habe in letzter Zeit „ein bisschen eine Rauferei zwischen der Max-Wild-Arena“ (die die Felderhalde bisher betrieb) „und der Stadtverwaltung“ gegeben, aber jetzt lasse sich erwarten, „dass wir die Fahne hochhalten“. (Bürgermeister Magenreuter widersprach der „Rauferei“ und nannte es eher klare Verhandlungen.) Mechler erinnerte an die olympischen Erfolge Isnys im Winter 2025/2026 und freute sich auf „60 Winter-Ski-Tage“ in Zukunft an der Felderhalde. Dann versicherte er: „Auf alle Fälle sind wir da.“ Brandender Applaus vom fast 100-köpfigen Publkum.

Dr. Alexander Sochor (CDU) meldete sich als „einer der dienstältesten Gemeinderäte in Isny“.  Einerseits stellte er fest: „Wir haben einen Sparzwang.“ Andererseits: „Wir haben eine Aufgabe.“  Nämlich es nicht zuletzt Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, nahe der Innenstadt skifahren zu lernen und zu genießen. Das bringe sie in gesunde Bewegung. Und damit weg von den Bildschirmen. Dann habe sich die „Käsealm“ an der Felderhalde als „soziales Zentrum“ erwiesen. Sochor: „Deswegen sollten wir über diesen Stab springen.“ Gegebenenfalls mit einer Betreibergenossenschaft. Wieder brandete Applaus bei Besucherinnen und Besuchern auf.

Anders für die FDP. Deren Fraktionsvorsitzender Alexander Ort bekannte: „Wir sind heute die ersten, die nicht beklatscht werden.“ Aber „aus wirtschaftlicher Sicht kommt eine Übernahme“ (der Felderhalde durch die Stadt Isny) „nicht in Frage“. Denn das sei angesichts des Klimawandels „schwer kalkulierbar“. Ort: „Wir stimmen dem Pachtvertrag nicht zu.“ Damit erntete Ort einige Buh-Rufe aus dem Publikum.

Marc Siebler (CDU) verwies auf die städtische Finanznot

Anschließend überraschte Marc Siebler (CDU) mit der Ankündigung: „Die CDU-Fraktion wird nicht einheitlich abstimmen.“  Im Gegensatz zu seinem christdemokratischen Ratskollegen Sochor wolle Siebler seine Hand nicht zum Ja für den Pachtvertrag der Stadt Isny zum Betrieb des Skilifts Felderhalde heben. Denn „wir haben einen katastrophalen städtischen Haushalt“.  Die Ausgaben für den Pachtvertrag bedeuteten „Geld, das nicht da ist“.  Dann erstaunte Siebler, als er bekundete: „Da muss ich der grünen Fraktion zustimmen.“ Kurzum: „Der Klimawandel ist nicht zu leugnen.“ Also insgesamt zu wenig Minustemperaturen und Schnee für die Felderhalde. Mäßiger Applaus aus den Publikumssrängen für Marc Siebler.

„Ich bin ehemaliger Leistungssportler“, sagte Edwin Stöckle (SPD). Auch deshalb „bin ich bereit, ein gewisses Risiko einzugehen“ – also für den städtischen Felderhalde-Betrieb zu stimmen. Stöckle: „Was sind die Alternativen?“ „Was machen die Kinder sonst?“ Ohne das „Alleinstellungsmerkmal“ Felderhalde falle die Antwort darauf schwer. Starker Applaus vom Publikum für Stöckle.

Sie höre und lese derzeit oft von „Leuten, die mich fragen: ,Meint Ihr das ernst?‘“ Also den Plan einer „hochverschuldeten Stadt“, Geld für einen Skilift auszugeben. Darauf machte Dorothée Natalis (Grüne) aufmerksam. Was das Rathaus da vorschlage, bedeute „eine weitere Aufgabe für den Bauhof“.  Also noch mehr Kosten. Der Gemeinderat im Skiort Mittenwald habe vor ein paar Tagen erst beschlossen, dem örtlichen Wintersportbetrieb kein Geld bereitzustellen. Isny solle sich stattdessen für mehr Sommersport-Möglichkeiten stark machen. Ihre grüne Fraktion werde mit Nein zum Felderhalde-Vorschlag der Stadtverwaltung stimmen. Natalis: „Wir hoffen, dass die Vernunft siegt.“ Ebenfalls hörbarer Applaus aus den Besuchsrängen.

Dagegen erinnere Sibylle Lenz (Freie Wähler) an das „Alleinstellungsmerkmal“ Felderhalde. Die Mutter von vier Kindern begrüßte es, in den drei vorgesehenen Betriebsjahren „Erfahrungen zu sammeln“.

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„Die Seele der Stadt“

„Das finanzielle Risko kann jederzeit von uns beendet werden“, sagte Peter Clement (SPD). Und ein Angebot an der Felderhalde während des Sommers sei ohne den Lift nicht denkbar. Gebhard Mayer (Freie Wähler) bekräftigte: „Wer gegen diese Investition ist, der reißt dieser Stadt die Seele aus der Brust.“ Mayers Fraktionskollege Rainer Leuchtle schloss daraus: „Die Felderhalde bewegt“. Leuchtle: „Ich fühle mich dem Edwin Stöckle von der SPD nahe.“  Das vorgeschlagene Tun der Stadt an der Felderhalde bezeichnete Leuchtle als „ein überschaubares Risiko“. An der Felderhalde könne sich das Ehrenamt der Begeisterten beweisen. Dann forderte er die Kritiker dazu auf: „Geben sie der Felderhalde eine Chance!“. Damit erntete Leuchtle Applaus von den Zuschauerrängen.

Blick in den vollbesetzten Ratssaal.

Um 19.26 Uhr forderte Bürgermeister Rainer Magenreuter. „Kommen wir zur Abstimmung.“ Dabei hoben elf Ratsmitglieder ihre Hand zum Ja für städtisches Geld und Tun für und an der Felderhalde. Zehn zum Nein. Damit folgte der Rat mit einer Stimme mehr dem Vorschlag der Stadtverwaltung. Bürgermeister Magenreuter: „Mehrheit ist Mehrheit“.

Spendenkonto

Bürgermeister Magenreuter nach der Abstimmung: „Jetzt könnt Ihr spenden.“ Dazu nannte der städtische Pressesprecher Michael Panzram noch in der Nacht die passende Kontonummer:

Verwendungszweck „Förderung des Sports an der Felderhalde“:
IBAN: DE27650910400070848009
BIC: GENODES1LEU

Außerdem teilte Michael Panzram mit: „Wer sich an der Felderhalde ehrenamtlich engagieren will, kann sich gerne per Mail an felderhalde@isny.de melden.“
Text und Fotos: Julian Aicher

Nachstehend weitere Einzelheiten zur Skilift-Entscheidung in einer Pressemitteilung der Stadt. Darin wird Marc Rudhart als Betriebsleiter genannt.

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Julian Aicher
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13.10.2026
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