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    Bedeutender Neobarock-Maler aus Wangen

    August Braun wäre heuer 150 Jahre alt geworden

    Foto: Günter Brutscher
    August Braun hat auch in der Kirche in Schloss Zeil gearbeitet. Hier ein Ausschnitt aus dem dortigen Deckengemälde.
    veröffentlicht am: 10.09.2026
    Autor: Günter Brutscher
    Lesedauer: ca. 8 Minuten

    Region – Der Wangener Maler August Braun wäre am 6. Mai 2026 150 Jahre alt geworden.  Als tiefgläubiger und praktizierender katholischer Christ hätte er aber wohl seinen Namenstag am 28. August eher gefeiert als seinen Geburtstag. So war es einstmals nicht nur im Oberland üblich. Vor 70 Jahren ist der gebürtige Wangener am 8. April 1956 in seiner Heimatstadt verstorben. August Braun hat vor allem, aber nicht nur im Oberland vielfältige Spuren hinterlassen. Decken- und Wandmalereien in Kirchen und Kapellen von ihm sind insbesondere im Bereich des ehemaligen Landkreises Wangen im Allgäu bzw. in den Dekanaten Wangen und Leutkirch zu entdecken.

    Freunde und Feinde des Kreuzes auf dem Rötenbacher Deckengemälde

    Die Feinde des Kreuzes auf dem Rötenbacher Deckengemälde (Ausschnitt). Unter den Feinden des Kreuzes hat er auch Adolf Hitler – und das im Jahre 1944 (!) –  und Winston Churchill gemalt (Hitler leicht verfremdet mit Brille, Churchill unverkennbar mit Zigarre).

    Eines der bekanntesten Werke von August Braun ist das Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Jakobus maior in Rötenbach. Dort hat er die Feinde und die Freunde des Kreuzes im Jahr 1944 in der Freskotechnik der Malerei, also die Farben auf noch feuchtem Kalkputz, aufgetragen. Und unter den Feinden des Kreuzes hat er auch Adolf Hitler  und Winston Churchill gemalt. Bei den Freunden, so wird vermutet, hat er zu dem aus Schweinhausen stammenden „Bekennerbischof“ Joannes Baptista Sproll, der 1937 ins Exil musste und im März 1949 verstarb, auch einige Heilige und Selige wie die Gute Beth von Reute (* 1386, + 1420) gestellt.

    August Braun wird in den wenigen Quellen, die über sein Leben und sein Werk veröffentlicht wurden, stets als zutiefst frommer, eher unpolitischer Mensch vorgestellt. Wenn man nicht nur sein Rötenbacher Werk, sondern die Hintergründe auch anderer Aufträge und deren Auftraggeber näher beleuchtet, wird allerdings deutlich, dass er, wohl gerade auf dem Hintergrund seiner Religiosität, durchaus auch einen aufrichtigen politischen Standpunkt vertrat.

    In Wangen auf Schritt und Tritt zu entdecken

    In seiner Heimatstadt Wangen im Allgäu ist er bzw. sind seine Werke, bei denen er oftmals auch mit seinem Neffen Josef Braun zusammenarbeitete, fast Schritt auf Schritt oder Blick auf Blick zu sehen. So haben die beiden das Martinstor (Lindauer Tor) bemalt, auch in der Herrenstraße oder im sogenannten Ratloch kann man, zum Teil mittlerweile überarbeitet, Werke von den Brauns sehen. So stammt die ursprüngliche Fassung der Darstellung „Missglückter Überfall auf die  Stadt Wangen durch Hans Truchsess von Waldburg mit 300 Reisigen am 31. Juli 1389“ von August Braun.  Auf dem Wangener Friedhof sind von ihm gemalte Grabmäler zu entdecken, Josef Braun hat den zur Wolfgangskapelle führenden Kreuzweg gemalt. Von August Braun hängen in vielen Privathäusern Bilder, die er von seiner Heimatstadt und deren Umgebung gemalt hat. In der Kapelle des Franziskanerklosters ist ein Gemälde, das die „Vision des heiligen Antonius von Padua“ zeigt und ein Kreuzweg von Braun zu sehen. Ein Gemälde, auf dem Jesus mit seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl zu sehen ist, hängt im Refektorium des Klösterles.

    In zahlreichen Kirchen im Altkreis Wangen

    Von Wangen aus könnte man eine Rundreise im Altkreis Wangen machen und an zahlreichen Stationen, also an und in Kirchen und Kapellen, Momente der Ruhe und Betrachtung, vielleicht sogar der Andacht, beim Blick auf die Werke von August Braun erfahren. So hat er in Hannober, eben auch in Rötenbach, in Bad Waldsee in der Pfarrkirche, in der dortigen Spitalkapelle und in der Sebastianskapelle auf der Grabener Höhe, wo sein Sebastiansbild allerdings nur am Gedenktag des Heiligen, dem 20. Januar zu sehen ist, gearbeitet. Weiter geht die Rundreise auf den Spuren Brauns über Haisterkirch, Arnach, wo Fresken aus seiner Hand in der Kirche zu bewundern sind (siehe Extra-Artikel unten). In Arnach existiert auch ein Foto mit ihm und mit mehreren seiner Mitarbeiter, unter anderem mit dem ebenfalls namhaften Künstler Peter Paul Beyerle (mit Brille), und mit seinem Auftraggeber Pfarrer Gustav Schmollinger (Pfarrer in Arnach von 1927 bis zu seinem Tod im Jahre 1942).

    August Braun 1930 in Arnach. Der Künstler steht rechts neben Ortspfarrer Schmollinger. Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Gerhard Reischmann.

    August Braun, der als bedeutendster Neobarockmaler Oberschwabens oder als „bester Barockmaler unserer Zeit“ (Zitat nach Dr. Franz Nassal) gilt, hat auch das imposante Deckengemälde in der Pfarrkirche von Schloss Zeil (1939) gemalt.  Dort hat er 88 Personen, einige Engel und Putten eingerechnet an die Decke gemalt. 37 der Personen sind Heilige, mehr als 10 Personen können dem Haus Waldburg-Zeil zugeordnet werden, hat doch Fürst Erich von Waldburg zu Zeil und Trauchburg (gest. 1953), also der Großvater des jetzigen Fürsten, das Gemälde in Auftrag gegeben und mit August Braun konzipiert.

    An seinen Tierdarstellungen könnt ihr ihn erkennen

    Mit 752 Metern Höhe liegt Schloss Zeil, nur wenige Meter unter der auf 758 Metern Höhe gelegenen Sebastianskapelle Haisterkich, ist aber vermutlich der geografische Höhepunkt des Wirkens von August Braun in Kirchen unserer Region. Weiter geht es über Urlau, wo von ihm im Chor ein Tafelbild zu sehen ist, über Friesenhofen nach Rohrdorf, wo von ihm und seinem Neffen Josef gleich mehrere Arbeiten zu sehen sind. Diejenigen aus der künstlerischen Hand von August Braun sind wohl auch daran zu erkennen, dass er mit großem Können die Tiere gemalt hat. Hat er doch bei Professor Zügel in München auch eigens Tiermalerei studiert. Allein seine Darstellungen der Pferde und Rinder sind ein Besuch in der Rohrdorfer Kirche ein Besuch wert. Vermutlich sind auf der Rundreise, die schließlich über Eglofs, wo er in der dortigen Pfarrkirche ein Gemälde, das die „Tempelreinigung“ Jesu zeigt, konzipiert hat, das dann von dem Biberacher Restaurator Anton Braun ausgeführt wurde, wieder zurück nach Wangen geht, noch einige Werke übersehen worden.

    Altarblatt in Rötenbach.

    Opferung Isaaks. Kleines Deckengemälde unter der Empore in Arnach.

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    Deckengemälde in Aitrach.

    Deckengemälde in Haisterkirch. Detail.

    Hannober (Ausschnitt).

    Rohrdorf. Mit der Heiligen Notburga von Eben.

    Tafelbild in Urlau.

    Weitere der mehr als 40 Kirchen, in denen er gearbeitet hat, liegen außerhalb des Altkreises Wangen, nämlich unter anderem in Rottenmünster, in Scheer, in Heufelden und in Kirchen bei Ehingen, in Ahlen, Ingerkingen, Hausen ob Urspring, Bremelau, Reinstetten, Eriskirch und noch viel weiter entfernt.

    Klares Bekenntnis zur Gegenständlichkeit der Malerei

    August Braun, dessen Werke nicht nur ob deren vornehmlich erdiger Farbtöne und dem klaren Bekenntnis des Künstlers zur gegenständlichen Malerei einen hohen Wiedererkennungsgrad haben, blieb Zeit seines Lebens seiner Religiosität und seiner malerischen Überzeugung treu, selbst wenn er immer wieder seine Arbeit angesichts der auch in Kirchen im 20. Jahrhundert zunehmend um sich greifenden expressionistischen und später gar abstrakten Malerei reflektierte.
    „AB“, wie er oft signierte, war ein Künstler, auf den die Stadt Wangen mit Recht stolz sein kann, der gewiss in einem Atemzug mit Rauch, Gegenbauer, Spiegler, den Sichelbein, Hans von Stall, Siegfried Haas, Balthasar Crinner und anderen genannt werden darf. So wurde er in besonderer Weise auch ein malernder Botschafter der Stadt Wangen auf dem Land, in der Provinz, in Dörfern wie Hannober, Arnach, Aitrach, Haisterkirch, Osterhofen, Rötenbach, Rohrdorf oder Schloss Zeil.
    August Braun, sein Neffe Josef und andere Künstler aus dem Oberland haben nicht nur bedeutende Kunstwerke in unseren Kirchen hinterlassen, sondern damit auch sichtbar gemacht, dass das Oberland tatsächlich dem Himmel etwas näher ist als andere Regionen und das nicht nur in Bezug auf die Höhenlage …
    Text und Fotos: Günter Brutscher

    Einen einigermaßen umfassenden Einblick in seine Werke gibt es auf der Homepage www.wegzeichen-oberschwaben.de unter dem Link „WANGEN IM ALLGÄU – auf den Spuren von August und Josef Braun“ oder per Klick auf das Künstlerblatt August Braun.

    Den Zugang zu dieser Webseite haben wir unter dem roten Linkbalken in der rechten Spalte hinterlegt.

    Das Deckengemälde in Arnach

    August Brauns erstes Großfresko: das Deckengemälde in Arnach
    St. Ulrich und St. Margaretha sind die Patrone der Pfarrkirche Arnach. Das Deckengemälde stammt von 1930; es ist das erste Großfresko (10 Meter auf 7 Meter) des Wangener Kirchenmalers August Braun (1876 – 1956). Das Thema ist die Fürbitte der Schutzheiligen: Gott – am Kopf des Bildes dargestellt in den drei Personen – schickt auf ihr Flehen hin zwei Engel, um über dem Dorf aufgezogene dunkle Wolken wegzuschieben. Rechts von Ulrich trägt ein Engel einen Fisch, das Attribut des heiligen Ulrich. Am Fuß des Freskos ist das Dorf mit der Kirche im Mittelpunkt zu sehen. Im Vordergrund sieht man „Weinhändlers“ Hof, zu dessen Besitzerfamilie Albert Müller der Kirchenmaler eine freundschaftliche Beziehung hatte. Erkennbar ist auch die damals schon eingestellte Brauerei von Josef Müller (Bruder von Albert Müller)  – die hellgrüne Fläche rechts vom Kirchengiebel deutet das Brauereigebäude an. In der NS-Zeit wurde das Brauereigebäude zu einem „Heim der Jugend“, im Volksmund Hitlerheim geheißen, umgebaut– und zwar in bewusster architektonischer Konkurrenz zur Dorfkirche. Nach dem Krieg wurden in dem für dörfliche Verhältnisse sehr ambitionierten NS-Bau Vertriebene – Opfer des von den Nazis entfesselten Krieges – und später, in den 1990er-Jahren, Asylbewerber untergebracht. Nach langem Leerstand wurde das „Hitlerheim“ wurde Anfang 2012 abgerissen. Text und Foto: Gerhard Reischmann

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    Günter Brutscher
    veröffentlicht am
    10.09.2026
    Lesedauer: ca. 8 Minuten
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