
Auch für die März-Ausgabe erreichten BLIX wieder jeder Menge Zuschriften. Vor allem das Ende des geplanten Biosphärengebiets erhitzt die Gemüter.
Leserbriefe zum Artikel „Den Schuss gehört“, BLIX Januar/Februar 2026, S. 5 ff.
Dankenswerter Weise wird in diesem Artikel die unrühmliche Rolle aufgedeckt, die einige Familien, die im Feudalismus zur Schicht des Adels gehörten, bei der Verhinderung des Biosphärengebiets gespielt haben. Seit ich vor einigen Jahren nach Oberschwaben gekommen bin, beobachte ich erstaunt das Verhältnis und den Umgang zwischen diesen Familien, den Bürgerinnen und Bürgern, sowie den Staatsbediensteten. Ausnahmslos werden die Begriffe „Adel“, „Fürst“, „Graf“, „Herzog“ beispielsweise als Anrede und Beschreibung verwendet, und selbst Bürgermeister benutzen zusätzlich Begriffe wie „Durchlaucht“ oder „königliche Hoheit“.
Ich frage mich, wie das in einer Demokratie möglich ist. Demokratie und Gleichberechtigung aller Bürgerinnen und Bürger sind doch ein so ungeheuer wertvolles Gut! Allein in den Bauernkriegen sind hier im Südwesten etwa 70 000 Menschen dafür gestorben. Es gibt in unserem demokratischen Land den Stand des Adels nicht mehr. Herr Erich von Waldburg-Zeil ist genauso wenig „Fürst“, wie beispielsweise der Herr von Württemberg „Herzog“ ist. Meines Wissens ist es mit dem deutschen Namensrecht lediglich vereinbar, dass der frühere Titel als Teil des Nachnamens verwendet werden kann. Und meines Wissens ist es die Pflicht aller Staatsbediensteten, alle Menschen im Staat gleich zu behandeln.
Durch den Gebrauch dieser überkommenen Titel/Bezeichnungen pflanzen sie sich im Denken und Erleben der Menschen weiter fort, verknüpft mit den veralteten Machtverhältnissen. Dies ist ein Beispiel, an dem sich die in Oberschwaben weit verbreitete „Obrigkeitshörigkeit“ und damit ein mangelndes Demokratieverständnis offenbart. Sprache prägt Denken und Weltverständnis genauso wie umgekehrt.
Ich verstehe schon, dass die Vorstellung eines „guten Königs“ oder „guten Vaters“ Hoffnung geben kann und damit praktischerweise auch gleich die Verantwortung bei jemand Anderem liegt. Wenn wir jedoch beispielsweise in die USA blicken sehen wir, wohin das führen kann. Autokraten lösen keine Probleme, sie verschlimmern sie nur.
Barbara Herzig, Ravensburg
Dipl.-Psychologin und Psychol. Psychotherapeutin
Sehr geehrter Herr Freudenreich, sehr geehrter Herr Dr. Reck,
meinen nachfolgenden Text könnten Sie als Leserbrief nutzen…falls dieser geeignet ist… Erneut haben Sie in sachkundiger Form den sozial-verwerflichen Prozess zur Vereitelung einer regionalen Entwicklungsplanung im Blix 1/2.26 dargelegt. Mit tiefer Erschütterung über den Verlauf der Agitation von Akteuren aus den Adelsgeschlechtern beschäftigt mich, da es die politische Dimension der „Ent- Demokratisierung“ durch gezielte Desinformation und Manipulation gegen einer sachorientierten Meinungsbildung einnimmt.
Ich habe über 34 Jahre in der kommunalen Planung, Stadtentwicklung und Naturschutz in NRW gearbeitet sowie auch langjährig in der Regionalentwicklung. Daher macht ein solcher Prozessweg aus diesem Raum sehr nachdenklich.
Die vermeintliche Einflussnahme auf gewählte Stadträte ist nicht außergewöhnlich, aber die im Artikel „Den Schuss gehört..“ skizzierten Hintergründe (kommunale Flächenentwicklungen etc.) beschämt einen kommunal-politisch interessierten Wähler. Bereits vorherige Artikel oder der Bericht in der „Stuttgarter“ haben bereits auf die Informationsmanipulationen und Agitationen hingewiesen. Diese Meinungs- und Stimmungsbildung bedeutet gerade in der heutigen Zeit eine Gefährdung demokratischer, politischer Entscheidungsorozesse durch Stadtratsvertreter. Der Begriff der Klientelpolitik liegt da sehr nahe. Die Interessensvertreter sind für die örtliche Bürgerschaft in der Gesamtbevölkerung zuständig und nich für die wirtschaftlichen Interessen einzelner Großgrundbesitzer. Diese Entscheidungshemnisse und die vermeintliche Sorge über mögliche Flächenentwicklungen durch gezieltes Einwirkung befremden.
Den Bürgerschaften der Kommunen wird eine Machtform gespiegelt, die zu grosser Sorge Anlass gibt, da ein primäres Eigeninteresse der Großgrundbesitzer im Vordergrund steht. Das Allgemeinwohl und der öffentliche Beteiligungsprozesse haben zurück zu treten bzw. werden entwertet. Die wirtschaftlichen Interessensziele von Flächeneigentümern ist legitim und nachvollziehbar- wenn da nicht eine beständig gezielte Desinformation UND eine personelle Verunglimpfung von seriös handelnden Menschen mit anderen Auffassungen zu Regionalentwicklungen erfolgt zu sein scheint. Die Belange einer naturverträglichen Raumentwicklung sollte einer modernen Planung entsprechen und sollte nicht diskreditiert werden. Die monetäre Machtausübung und Landschaftsplakatierung mit zusätzlicher sozialfeindlicher Wortwahl erschüttern das Vertrauen in die kommunalpolitische Entscheidungsmacht, die ein solches Handeln mit Beschlusslage gebilligt hat. So wird mit Ängsten und Verunsicherung gearbeitet. Es ging um eine räumlich ganzheitliche Entwicklungsstrategie- weit weg von Projekten, Finanzierungen, zeitlicher Realisierungen. Es sollte allerdings auch um konkrete sozial- kulturelle- umweltverträgliche Entwicklungen gehen. Dieses ist auch neben anderen Leistungen die Aufgabe der Städte und Gemeinden. Natürlich sind Perspektiven der Entwicklungspotentiale aufzuzeigen und daran wäre zu arbeiten und kein „Planspielchen“ mit öffentlichen Finanzmitteln zu betreiben. Vielleicht ist das Wort „Bio“ schon geistesgefährdend- trotz voller Produktregale bei Grossupermärkten. Durch einen solchen Prozess wird eine Politikverdrossenheit befruchtet und unsere Demokratie ist in akuter Gefahr durch unterlassene Vernunft und einem massiven Grabenausbau zwischen eigentlich klugen Menschen…
Hans Rommeswinkel
Sehr geehrte Damen und Herren,
Herrn Freudenreichs Beitrag zum Biosphären-Aus strotzt nur so vor ätzender schlechter-Verlierer-Rhetorik und die mehrfach eingestreuten Hinweise auf die Vermögensverhältnisse derer, denen seine Attacke gilt, sollen dabei wohl Neid und Missgunst fördern. Die geschätzten 650 Millionen sind aber Vermögen, das verwaltet werden muß, das Arbeitsplätze sichert und Steuereinnahmen generiert. Im Gegensatz zu Regierungen in Bund und Ländern scheint es dem Haus Waldburg-Zeil immerhin zu gelingen, sein Vermögen beisammenzuhalten.
Man kann wohl darüber streiten, ob der historisch entstandene Besitz des Adels heute noch gerechtfertigt ist – solange er aber legal ist, ist auch klar, wer letztlich die Nutzung verantwortet. Und vermutlich wäre auch Gottfried Härle nebst Aktionären nicht begeistert, wenn z.B. die Anonymen Alkoholiker ihm aus hehren Motiven in den Betrieb reinreden wollten – obwohl sie bei 2 Millionen Alkoholabhängigen und mehr als 5000 Alkoholtoten pro Jahr durchaus gute Gründe dafür hätten. Sie könnten etwa ein Abstinenzsphärengebiet Allgäu-Oberschwaben fordern, wo nur Bier mit maximal 2% Alkohol gebraut und verkauft werden darf.
Das Aus des Biosphärengebiets ist vielleicht auch einer allmählichen Übersättigung der Öffentlichkeit mit linken und grünen Forderungen geschuldet. Es ist nicht mehr so selbstverständlich, dass man mit einigen Öko-Statistiken wedelt und sogleich Mehrheiten darauf anspringen. Vielleicht, weil man sich in einem vermeintlichen Kampf um eine irgendwie bessere Gesellschaft ohne „Rechts“ verzettelt und sich mit allen, die auch so taten, undifferenziert gemein gemacht hat – von nonbinären Pronomenerfindern und Hamnerbanden bis hin zu Hamas-Sympathisanten. Vielleicht schreckt dies manchen eher konservativen Umweltfreund am Ende doch ab.
Mit freundlichem Gruß,
Jürgen Votteler, Bad Waldsee
Hallo, Herr Reck,
danke für den aufschlussreichen und ausführlichen Bericht zum Thema ‚Biosphärengebiet Oberschwaben ist gescheitert‘ (BLIX Jan/Feb 26).
Geschichtlich Interessierte kennen die Grundlagen, die zu den ererbten Ländereien und Privilegien des Adels führten. Auf die Methoden will ich nicht weiter eingehen und setze sie als bekannt voraus. Dem so genannten Blauen Blut würde daher mehr Demut anstehen. Diese Herren setzen hingegen Eigennutz und Eigeninteressen vor Volkswohl und Natur. Wie in vergangenen Zeiten sehen sie nur ihr eigenen Vorteile. Dazu nutzen sie auch die von ihnen abhängige Schwäbische Zeitung. Verwunderlich ist, dass trotz Aufklärung und Demokratie der Untertanengeist noch verbreitet ist und dem Adel willfährig ist. Ohne diese Unterstützung wäre dem Adel die Verhinderung des Biosphärengebiets Oberschwaben nicht gelungen. Wie schrieb schon Gerhard Ruff 1985: ‚Herr schmeiß Hirn ra!‘ Dieser Wunsch kommt für dieses wichtige Zukunftsprojekt zu spät. Liebe BLIX-Verantwortliche bleiben Sie Ihrer Linie treu!
Mit freundlichen Grüßen
Ingrid und Karl Schürer, Attenweiler-Rupertshofen
Leserbrief zum Artikel „Der Waldler“, BLIX Januar/Februar 2026, S. 38 ff.
Das, was Herr Samuel Bosch macht, ist ja durchaus ein guter Ansatz. Was mich an seiner Aktion stört, ist, dass er beim Thema Windkraft keine klare Stellung bezieht. Denn hier wird ‚sein Thema‘ konterkariert, denn dabei wird mehr Wald zerstört und Boden verdichtet, so dass kein Wasser mehr aufgenommen werden kann als beim Kiesabbau.
Werner Assfalg, Altshausen
Hallo,
nachdem die „Schwäbische Zeitung“ aus meiner Sicht immer mehr in die rechte Ecke abdriftet, freue ich mich über alternative Angebote wie „Blix“ oder „Kontext“. Unter anderem ist mir dies wieder über die Berichterstattung über das geplante Biosphärengebiet aufgefallen. Vielen Dank für eure tolle Arbeit!
Herzliche Grüße aus Illmensee
Jürgen Seyfried
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