Mister Reha nimmt Abschied
Bad Wurzach – Ellio Schneider ist seit mehr als 30 Jahren in der Geschäftsführung der Waldburg-Zeil-Kliniken tätig. Beim zweiten Kliniktalk der Rehaklinik in Bad Wurzach, der am Mittwochabend (26. August) stattfand, sprach der Diplom-Kaufmann mit Moderator Christof Folkerts, Referent der Klinikleitung der Rehaklinik Bad Wurzach, über seinen Lebensweg und über prägende berufliche Stationen, Herausforderungen und Entscheidungen und sein Verständnis von Führung als Unternehmensleiter in der Gesundheitsbranche.
„Volle Kraft voraus“– mit diesem zum Lebensweg von Ellio Schneider sehr gut passenden Lied von Helene Fischer eröffnete Folkerts die Veranstaltung, zu der auch Bad Wurzachs neuer Bürgermeister Florian Schiller gekommen war. „Dass die Lebenswege aus Höhen und Tiefen bestehen, das können viele Patienten hier in der Klinik unterschreiben“, ergänzte Folkerts.

Auch Bürgermeister Florian Schiller war zum Talk mit Ellio Schneider gekommen. Links Moderator Christof Folkerts.
Bodenständige Italien-Fans
Ellio Schneider wurde 1960 in Würzburg geboren. Das Licht der Welt erblickte er in einem katholisch geführten Krankenhaus. Zwar zählt die Stadt 130.000 Einwohner, aber er wuchs in einer eher ländlich strukturierten Region auf. Dies habe ihn geprägt und immer bodenständig bleiben lassen. Seinen Vornamen erhielt er, weil seine Eltern Fans von Italien-Urlauben waren. Bei seiner Namensgebung saß ihnen der Schalk im Nacken: „Den Ordensschwestern in der Klinik erzählten sie, dass der Name von Elias komme.“ Und ein wenig prophetisch sei die Namensgebung auch gewesen, wenn er da an Elliott das Schmunzelmonster denke; in der Rückschau müsse er wohl zugeben, ein Lausbub gewesen zu sein. Seine Eltern hätten ihm in ihrer Erziehung aber auch klare Werte mitgegeben. Mit Regeln, an die man sich zu halten hatte. Bei Zuwiderhandlung gab es dann auch die gerechte Strafe …
Die Zeit bei VW
Vieles, was ihm dann in seiner Berufs- und Management-Tätigkeit zum Vorteil gereichte, wurde ihm damals mitgegeben. Immer wieder erwähnt Ellio Schneider in dem Gespräch, dass es im Leben auf die richtige Einstellung ankomme. Sein Vater war Kaufmann und handelte Autos, so dass zu Hause immer Menschen zu Besuch waren. Logische Folge: Der junge Ellio fing nach seinem BWL-Studium im Vertrieb bei VW an. Allerdings dürfe man sich das nicht mit dem Klischeebild des Buchhalters mit Lederellenbogenschützern vorstellen: „Von 1986 bis 1990 waren wir eine Gruppe von jungen Leuten, die ihren Spaß miteinander hatten. “ Und deswegen auch sehr erfolgreiche Arbeit leisteten. Ellio Schneider kennt seit jener Zeit den VW-Konzern und weiß, dass die Arbeit dort von ganz oben bis ganz unten „bürokratie-vermint“ sei. Dennoch habe er dort wertvolles Rüstzeug erworben. Er beschreibt die Zeit bei VW mit den Worten: „Tun, erklären, überzeugen und auf Augenhöhe kommunizieren.“
Genau das, was er in seiner Zeit als Geschäftsführer des Waldburg-Zeil-Klinikverbundes praktizierte.
Von Kühen und einem Headhunter
Wie er von Braunschweig ins Allgäu gekommen sei, fragte Moderator Folkerts seinen Gast (der auch sein oberster Chef war). Er habe sich bei jenem Headhunter in Stuttgart gemeldet, der die Stelle bei Waldburg-Zeil ausgeschrieben hatte. Damals habe er vom Allgäu nicht viel gewusst, ja er habe Neutrauchburg nicht einmal auf der Karte gefunden (damals gab es ja noch kein Google-Maps). Er habe nur das Klischee gekannt, dass es dort angeblich mehr Kühe als Menschen gäbe. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich hier 36 Jahre bleiben werde, den hätte ich glatt für verrückt erklärt.“
Mit Optimismus geht es besser
Was sich in seiner Zeit – er fing 1993 als Kaufmännischer Direktor im Vorstand an und wurde dann ab 1998 für 28 Jahre Geschäftsführer – geändert hat: „Für mich ist das Glas immer halbvoll“, sagte Schneider einige Male und meinte damit, dass es ihm wichtig sei, die Mitarbeiter mit Optimismus zu motivieren; das motiviere dann auch die Patienten. Er sei nicht mit dem Ziel angetreten, Geschäftsführer zu werden. Sein Credo sei immer gewesen: „Wenn einer es besser machen kann, dann soll er meinen Job machen.“ Allerdings gehen ihm die vielen Ideologen, die heute aus dem Off alles besser wissen, auf die Nerven. Die positive Einstellung zu seiner Arbeit habe er sich immer erhalten. Viele Manager, die nur drei Jahre irgendwo arbeiteten, würden keine richtige Bindung zum Betrieb aufbauen.
Entscheidungen nicht auf die Lange Bank schieben
Ganz wichtig sei auch für ihn das Engagement in Verbänden. Dort bekam er auch den Spitznahmen „Mister Reha“. Er habe sich früh in den Verbänden engagiert und viel mit den Kollegen diskutiert. Man bekomme so früh mit, was bald geschieht. Und viele Entscheidungen könnten rasch getroffen werden. Dafür sei er immer bekannt gewesen. Auch wenn von zehn Entscheidungen mal zwei oder drei falsch gewesen seien, liege er damit aber meistens richtig. „In meinem Mail-Postfach befinden sich meistens höchstens 20 Mails, weil ich schnell entscheide. Was nützt es tausende von Mails darin zu haben, wenn dann die eine oder andere verloren geht?“
Bündelung der Kräfte
Eine seiner wichtigsten Entscheidungen sei gewesen, den Klinikverbund von 18 auf 12 Einrichtungen zu verkleinern und dabei etwa die Alten-Einrichtungen abzugeben. Dabei sei es ihm nicht nur um das bloße Abgeben gegangen, ihm sei auch wichtig gewesen, dass diese in gute Hände kamen. Aber durch die Bereinigung des Portfolios habe man die Kräfte bündeln können.
Investieren auch und gerade in der Krise
Umsichtig handeln sei er, der bei VW viele Umstrukturierungen erlebt hatte, gewohnt: Auch in Krisenzeiten wurden bei ihm die Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen nicht auf Null heruntergefahren. Und Arbeitsprozesse sollten standardisiert werden. Viele politische Entscheidungen hätten das Gesundheitssystem in Deutschland an den Rand des Kollapses geführt, weil Kliniken ohne Differenzierung zwischen Akut- und Rehakrankenhaus geschlossen werden sollten. „Wir haben die Klinik in Wangen komplett als Akut-Krankenhaus weiter betrieben.“
Der Turbo-Kaffee
„Für mich ist das persönliche Gespräch durch nichts zu ersetzen.“ Deswegen reduziert er die Abwesenheit durch Dienstreisen auf ein Minimum. Dies erfuhr auch der Geschäftsführer der Rehaklinik in Bad Wurzach, Pepe Kaiser, der eine Anekdote zu solch einer Reise beisteuern konnte, als er seinem Noch-Chef das Gastgeschenk überreichte: „Während einer kurzen Pause wunderte ich mich, warum Ellio viel Milch in seinen Kaffee gab.“ Dieser erklärte dazu lächelnd: „Weil er zu heiß war, um ihn schnell zu trinken.“ Die Fahrt ging nämlich an einem einzigen Tag zur slowenischen Grenze und wieder zurück!

Pepe Kaiser, Geschäftsführer der Bad Wurzacher Reha-Klinik von Waldburg-Zeil.
Plädoyer für ein soziales Jahr
Der Manager plädiert dafür, dass alle jungen Leute heute ein soziales Jahr machen sollten. „Wer selbst nichts einbringt, darf auch nichts erwarten.“ Das ist einer seiner Leitsätze.
Privates
Privat lebt Ellio Schneider, Vater von fünf Kindern, der noch „bis Montag 23.59 Uhr“ Geschäftsführer sein wird, in Buchenberg. Bis vor kurzem in einem Mehrgenerationenhaus, bis sein 25-jähriger Sohn geheiratet hatte und ausgezogen war. Am Tag vor dem Vortrag kam sein zweiter Enkel zur Welt. Familie ist ihm sehr wichtig, diese stehe nun immer an erster Stelle. Aber er könne sich nun auch seinen Hobbys widmen: Cabrio-Fahren, Sport und der Rotary-Club. Dieser liegt ihm sehr am Herzen, mit ihm könne man viele ehrenamtliche Projekte unterstützen. Eine besondere Eigenschaft von Ellio Schneider ist es, dass er im Urlaub an einem bestimmten Ort in der Lage ist, „den Schalter umzulegen“, also einfach komplett abzuschalten.
Am Dienstag im Café
Er habe für Dienstag 9.00 Uhr in seinem Lieblingscafé für sich und seine Frau zum ausgiebigen Frühstück einen Tisch reserviert, dann wenn kein Wecker ihn gestört haben wird und sein Handy abgeschaltet sein wird …

War 36 Jahre lang im Dienst von Waldburg-Zeil: Ellio Schneider. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Keine zwei Herren
Sein Nachfolger ist seit dem 1. Advent letzten Jahres bekannt und wurde von ihm eingearbeitet. Er selbst werde sich komplett zurückziehen, damit die Mitarbeiter nicht in einen Zwiespalt kommen und bei Problemen vor der Frage stehen sollten, ob sie damit zum neuen oder zum alten Chef gehen.

Moderator Christof Folkerts dankt seinem Gesprächsgast mit einem Geschenk.
Text und Fotos: Uli Gresser
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