Bad Wurzach – Isabella Schwägele und ihr Onkel Alfred Schiller sind Isa Backsepp und Fonze Kochsepp, die neuen Pächter des „Wurzelsepp“, der Kultgaststätte beim Oberschwäbischen Torfmuseum, das seit Ostern wieder geöffnet hat.
Isabella hatte immer schon gerne gebacken und dies bei ihrer Großmutter gelernt. Die Mutter der zweieinhalbjährigen Tochter Annika, genannt Mini-Sepp, entstammt der Familie Schiller im Achberg und lebt mit ihrem Mann Nico in Seibranz. Sie war vor der Geburt ihrer Tochter in Vollzeit Sozialversicherungsfachangestellte bei einer großen Krankenkasse. Dort arbeitet sie jetzt noch 12 Stunden in der Woche. Ihr Onkel Alfred ist gelernter Kommunikationselektroniker und hat immer schon gerne gekocht, insbesondere seine Wurstsalate waren und sind im Familien- und Freundeskreis legendär.
Für die Beiden gilt: Backen und Kochen ist für sie Berufung. Deswegen haben sie sich auch bei der für die Verpachtung der Gaststätte in der Stadtverwaltung zuständigen Dagmar Wild gemeldet, als sie davon hörten, dass der Wurzelsepp neu verpachtet werden sollte. Allerdings war ihr erster Eindruck, als sie sich die Gaststätte im November 2024 das erste Mal ansahen: „Das ist für uns zu groß.“ Und sagten erstmal ab.
Doch der Gedanke, ihre Fähigkeiten „Drhoim für Wurzacher“ zu nutzen, ließ sie nicht mehr los. Weil sie es zu zweit nicht schaffen konnten, fragte Isabella kurzerhand ihre Mutter Silvia, ob sie nicht als Angestellte mitarbeiten wolle. Diese hatte bisher als Verkäuferin beim Bäcker Schneider in Haidgau geschafft, wo sie eigentlich sehr zufrieden gewesen war. „Schweren Herzens“ habe ihre Mutter die Stelle aufgegeben und ihrer Tochter zugesagt und trägt nun innerhalb des Familienunternehmens den Titel „Stimmungssepp“. Und so konnten Isabella und Alfred im zweiten Anlauf im November 2025 endlich der Stadt ihre Zusage geben und kurz danach den Pachtvertrag unterschreiben. Einen festen Grundsatz hat das Familienunternehmen: Wir haben keine Angestellten von außen und wissen daher immer, was und wie es gemacht wird.
Es gab bis zur Eröffnung an Ostern allerdings noch viel zu tun. Zwar haben sie im Gastraum nicht viel verändert, aber die darüberliegende Wohnung musste kernsaniert werden. „Bei allen Maßnahmen haben wir von der Stadt Riesenunterstützung bekommen.“ Für die Eröffnung dann waren sie bestens vorbereitet, und tatsächlich konnte Isabella Schwägele an diesen Tagen ihre 40 gebackenen Kuchen fast komplett verkaufen.
Winterpause von November bis Ostern
„Wir schaffen aktuell an sieben Tagen in der Woche, obwohl wir nur an vieren geöffnet haben.“ Deswegen machen sie, vergleichbar mit der Saison der Torfbähnlesfahrer, vom 31. Oktober bis voraussichtlich Ostern Winterpause, um einfach einmal durchschnaufen zu können.
Ein Loblied auf die Liebe: Sehr dankbar ist Schwägele auch für die Unterstützung ihres Mannes Nico, der voll hinter ihrem „Projekt“ steht und als „Orga Sepp“ ihr viel Organisatorisches abnimmt. „Ab Freitagnachmittag wird er zum Hausmann und kümmert sich das Wochenende über um die Tochter. Ohne ihn würde das nicht funktionieren.“
Schwägele sieht den Wurzelsepp als einen Ort, wo Familien und vor allem Kinder sich ungezwungen bewegen können. Inzwischen hat der Wurzelsepp schon viele Stammkunden, die zum Teil schon täglich zum Kaffeetrinken und auf ein Schwätzchen vorbeikommen.
Isabella bäckt für so ein Wochenende 18-25 Kuchen, dazu noch das Brot für die Salate und Wurstsalate. Das geht aber nur, weil Isabella Schwägele zur Bedingung gemacht hat, dass die Küche mit zwei zusätzlichen Backöfen, die vor allem nachts genutzt werden, ausgestattet worden war.
Öffnungszeiten
Der Wurzelsepp hat geöffnet: Freitag von 14-19 Uhr, Samstag bis Montag, sowie an Feiertagen jeweils von 11-17 Uhr. Am Montag bieten Backsepp Isa und Kochsepp Fonze jeweils ein günstiges gutbürgerliches Mittagsmenü an. Das können Tortellini mit Salat sein oder ein Schnitzel mit Pommes oder auch die berühmten Cevacici-Spieße, die bereits auf dem Weihnachtsmarkt und beim Fit-Fun-Shoppingtag, als sie sich als die neuen Pächter des Wurzelsepp vorstellten, ein Verkaufsrenner waren.








