THEATERmobileSPIELE gibt Kleists „Zerbrochenen Krug“ am Gymnasium


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Bad Waldsee – Theater an der Schule ist so eine Sache, die von manchen kritisch gesehen wird, denn welches Theater kann beispielsweise ein komplettes Ensemble an die Schulen schicken? Keines, klar. Wie soll man in Klassenräumen auch nur annähernd ein theaterähnliches Setting schaffen können? Kann das eigentlich nicht nur schief gehen und Schüler und Schülerinnen noch mehr kulturell entfremden? Termine kann sowieso immer niemand brauchen und dennoch, Theater soll, muss und kann Gemüter erhitzen aus diversen Gründen. Im Nachgang kann man sagen, es hat sich wieder mal gelohnt.
Das Konzept des Theaterregisseurs und Theaterpädagogen Thorsten Kreilos, der seit Jahren Gymnasien in Baden-Württemberg mit Abitur relevanten Theaterinszenierungen begleitet, hat ein Konzept entwickelt, das maximal beeindruckend immer wieder vor Ideenreichtum und Provokation sprüht und so manche jungen Erwachsenen zumindest erstaunt zurücklässt. Die Gymnasien jedenfalls kümmern sich in der Regel ein Jahr vorab darum, die begehrten Inszenierungen an die Schule zu bekommen.
In der Regel kommen ein bis zwei Schauspieler mit Kombi vorgefahren, alles haarklein in Kisten verpackt, aus denen dann innerhalb von 30 Minuten mit zehn SchülerInnen Bühne sowie Zuschauerplätze in den Raum gezaubert werden. Alsdann sind die Beiden bereit loszulegen. Die Fotoaufnahmen der Inszenierungen (siehe Homepage) zeigen Jahr für Jahr, dass hier äußerste Sorgfalt und Detailliebe am Werk sind sowohl bei Bühne/Requisite und Entfaltung der schauspielerischen Möglichkeiten.
Kleists wohl bekannte dramaturgische Studie über Richter Adam, der nach wenigen Minuten/Dramenseiten von Zuschauern und LeserInnen ob deutlichster Hinweise der zu richtenden Tat überführt werden kann, windet, dreht und täuscht nach Leibeskräften so lange, bis er sich selbst vollständig dekonstruiert hat und als Richter und Mensch nur noch als hohle Fassade zurückbleibt, ähnlich wie die Aktenordner, aus denen die Bühne gebaut wurde. Stets spielt die Bühne mit bei Kreilos und seinem Team, die Verstrickungen, aus denen sich der mächtige Justizvertreter und – verdreher nicht mehr lösen kann, sind am Ende auf der Bühne sichtbar.
Am beeindruckendsten fanden Schüler/Schülerinnen sowie anwesende DeutschkollegInnen die inszenatorische sowie schauspielerische Umsetzung. Über geschickt eingesetzte mediale Tricks hatte das Publikum teilweise die Illusion zwischen drei und sechs SchauspielerInnen gleichzeitig wahrzunehmen. Neben bespielbaren Puppen (bisweilen Kleiderständer) gab es im Hintergrund eine Off-Bühne auf Bildschirm, der geschickt via technischen Trick so einbezogen wurden, dass mehr Personen dargestellt werden konnten. Aber auch die Darsteller Rouven Honnef und Petra Ehrenberg bieten eine derart hohe stimmliche, mimische und gesamtkörperliche Flexibilität, dass Germanisten sich in der Regel einfach nur freuen, die Inszenierungen sehen zu können. Schüler und Schülerinnen haben nicht nur einen Zugewinn für ihr bevorstehendes Abitur, weil die Inszenierungen dermaßen reiz-voll sind (Wider- und Zuspruch sind hier gleichermaßen von Nutzen), sondern auch, weil im Nachgang Schauspieler und Schauspielerin sehr offen als Rollenmodelle über das eigene Berufs- und Arbeitsfeld Auskunft geben. Und wie heißt es auf der Homepage des Theaters so schön, „mit Kleist können wir krachend erheitern und lachend scheitern“.






























