Musikverein Molpertshaus malte iroschottische Impressionen


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Haidgau/Molpertshaus – Das Frühjahrskonzert des Musikvereins Molpertshaus entführte die Besucher in die Welt der keltischen Musiktradition, wie sie in Schottland und Irland auch heute noch gepflegt wird. Die musikalische Leitung des knapp fünfzigköpfigen Blasorchesters verwirklichte eine Idee, die absoluten Seltenheitswert bei der Gestaltung von Jahreskonzerten hat. Nicht die übliche Auswahl aus Pop, Musical, Märschen, Klassik oder Film wurde getroffen. Stattdessen wurde ein streng themengebundenes und sehr anspruchsvolles Musikprogramm einstudiert, das komplett auf „keltische Klänge“ fokussiert war. Alle neun Titel wurden vom Publikum mit begeistertem Applaus belohnt!

In seiner Begrüßung berichtete Vorsitzender Dominik Lander (Bild; er spielt im Bassregister) von sehr intensiver Probenarbeit, die diese spannende und außergewöhnliche Idee erst möglich machen konnte. Er hoffte, die oft nebeligen und grauen Landstriche des britischen Nordens mit der Absicht eines Frühjahrskonzerts in guten Zusammenhang zu bringen. Leonie Lerch (Trompetenregister) und Sarah Lander (Querflötenregister) teilten sich gekonnt und kompetent die Moderation durch den Konzertabend.

Leonie Lerch. Die Trompeterin fungierte auch als Ansagerin.

Querflötistin Sarah Lander als Ansagerin.
Auftakt war „Scottish Sunrise“ von Lars Ericsen. Das Stück, eine Folkballade, beschreibt eine Morgenszene in den rauen, aber faszinierenden schottischen Highlands: schottische Musik begleitet den farbenbringenden Sonnenaufgang. Das typisch schottische Timbre des Stücks beherrschten die Molpertshauser in bester Manier. Das ruhig beginnende Stück schwillt zu voller Wucht. Oboe (Martina Waibel) und Klarinetten (insbesondere Christiane Hoh und Claudia Holand) übernahmen verblüffend die Rolle des Dudelsacks. Man war somit angekommen in den Landschaften des Musikprogramms.
„Irish Castle“, arrangiert von Markus Götz, führte auf die grüne Insel mit ihren alten und mächtigen Burgen, aber auch mit saftig grünen Hügeln. In dem Titel waren Feiern von Festen zu vernehmen, aber auch aufkommende Gefahren, denen mutig zu begegnen ist. Opferbereite Männer nehmen den Kampf gegen Eindringlinge auf und siegen schließlich. Der Aufbruch in die Schlacht mit Klarinettensolo, die Schlacht mit Getümmel aus Schlagwerk und Klatschen und der schließlich triumphale Sieg, verkörpert durch hohes und würdiges tiefes Blech, gelang den Musikern absolut überzeugend.
Auch mit „Pertshire Majesty“, eine typisch schottische Ballade für Blasmusik, arrangiert von Samuel R. Hazo, bewies das Ensemble sein sensibles Einfühlungsvermögen. Die wunderschönen Highlands mit ihrer Natur, Weiten und Tälern malten die Musiker mit ruhigen, getragenen oft schmeichelnden Passagen, die sie so in Gedanken unmittelbar sicht- und hörbar machen konnten. Wiederum in Irland war man mit dem Titel „Saint Patrick’s Day Parade’“von James L. Hosay. Weil der Namenstag des römisch-britischen Missionars und Heiligen Patrick von Irland gerade mal vier Tagen zuvor (17. März) war, durfte dieser Titel natürlich nicht fehlen. Die Komposition spiegelt die Freude an diesem Fest wider. Da gibt es auf den Straßen Umzüge (Paraden) und tanzende Menschen, natürlich ganz in Grün. Sehr rhythmisch und mit vertrauten Melodien strahlte die Interpretation der Molpertshauser Energie aus. Tiefes Blech und Klarinetten unterstrichen besonders die Lebensfreude der Feiernden.
Die Pro-musica-Plakette


Der Musikverein Molpertshaus wurde 1922 gegründet (als Verein; sicherlich hatte es zuvor schon Blasmusik in dem Pfarrdorf gegeben).
Nach diesem Titel begab sich Wolfeggs Bürgermeister Peter Müller ans Mikrofon. Er berichtete von der besonderen Auszeichnung des Musikvereins Molpertshaus, die bereits am 16. November stattfand. Der Bundespräsident zeichnete die Kapelle mit der Pro-musica-Plakette aus. Nur verdiente und mehr als hundert Jahre bestehende Musikvereine erhalten diese Auszeichnung. Im Namen des Bundespräsidenten überreichte damals im November Landrat Harald Sievers die Plakette in kleinem Kreis.

Die Vereinsführung (Lorenz Bareth, Manuel Stotz, Dominik Lander) ist mit Recht stolz auf die Pro-musica-Plakette.
Eine gute Gelegenheit, diese Auszeichnung auch öffentlich zu feiern, ist natürlich das Frühjahrskonzert des Vereins. Müller bat den Vorstand zu sich und hielt eine kurze Laudatio. Mit Mozart ist er der Meinung, ohne Musik ist alles nichts. Musik führe zusammen, schaffe Freundschaften und begleite durch Feste, Hochzeiten und auch Trauer. Der Musikverein ist Molpertshausens größter Verein, der seit mehr als 100 Jahren traditionelle Blasmusik pflege. Übung, Geduld, Fleiß, Geschick in der Vereinsführung sind die Aufgaben der Mitglieder. Und was wären denn unsere Dörfer ohne Musik, fragte Müller. Dieser Verein ist auch zu Großveranstaltungen fähig, erinnerte das Gemeindeoberhaupt. Unvergessen sei das Kreismusikfest 2012. Müller selbst ist Musiker (Tubist) und wisse, wovon er rede. Nur Zeit, Herzblut und Menschen, die sich einbringen, machen Erfolg möglich und bereichern. Gute Kameradschaft spiele dabei eine herausragende Rolle. Mit Stolz dürfe der Verein diese besondere Auszeichnung vor großem Publikum annehmen. Müller gratulierte dem Verein herzlich und wünschte ihm eine gute Zukunft und viel Freude.

Bürgermeister Müller bei seiner Laudatio.
„Lord of the Dance“ (Musik von Ronan Hardiman) hieß das nächste Musikstück, womit man wieder in Irland war. Seit 30 Jahren ist es auf den Bühnen der Welt. Die irische Tanzshow verkörpert kraftvolle Musik und leidenschaftlichen Tanz. Das Motiv wandert mal ruhig, mal kraftvoll durch die Register. Besonders hervorzuheben sind hier Passagen mit Schlagwerk, Oboe, Trompeten und Klarinetten. Die Interpretation war voll von Wucht und Power und folgte damit perfekt den Ideen der Schöpfer des Stückes.
Weiter ging’s mit „Highlights from Brave“ (Patrick Doyle). In dem Disney-Film gehe es um den Weg Prinzessin Meridas und ihrer Mutter Königin Elinor, die zusammenfinden. Erneut war schottische Klangfarbe zu spüren. Paukenschläge eröffneten das Stück und führten wieder zu den bagpipeähnlichen Passagen durch Klarinetten und Oboe. Auch hier bewiesen die Musiker ihr hohes Niveau, das in zahlreichen Proben erarbeitet wurde.
Auch mit dem nächsten Titel verweilte man in Schottland. James L. Hosay arrangierte eine anlässlich der Krönung des schottischen Königs Robert geschaffene Komposition für Blasorchester. Robert hatte Schottland in die Unabhängigkeit geführt. Das Molpertshauser Ensemble brachte erneut die extrem disziplinierten und exakten schottischen Parademarschtraditionen in eine feine Interpretation. Bei diesen Märschen hört sich das Laufen einer ganzen Kolonne so an, als würde nur ein Mensch laufen, weil die Schritte stets exakt gleichzeitig sind. Hosays Arrangement entwickelt sich von einer ergreifend beschaulichen Passage hin zu einem mit Macht verbreitenden Höhepunkt. Die Schritte waren anfangs von Oboe, Klarinetten, Querflöten, Saxophonen – im Original natürlich Dudelsäcken – perfekt zu empfinden. Wie in den schottischen Militärformationen kamen auch die Schlagwerker zum Einsatz, auch mit einem rasanten Solo. Mit diesem brillanten Höhepunkt war leider schon das Programmende erreicht. Allerdings bewog begeisterter Applaus die Musiker zu einer Zugabe.
Dominik Lander dankte
Zuvor aber dankte Dominik Lander allen, die diesen Abend ermöglicht haben, insbesondere Natalie Kiekopf, der er viel Geduld bei manchmal zähen Proben bescheinigte. Auch den beiden Moderatorinnen und dem Dekoteam unter der Leitung von Franziska Egger galt sein herzlicher Dank. Das Dekoteam hatte an verschiedenen Stellen aufwändige Arrangements aus Natursteinen, Blumen auf grünem Grund und sogar Tuch mit Schottenmuster aufgebaut. Sie alle wurden auch mit einem Blumengebinde geehrt. Auch beim vereinseigenen Serviceteam, beim Grafiker des Programmflyers und bei der Haidgauer Ortsvorsteherin Ernestina Frick für die Zurverfügungstellung der Festhalle, beim Publikum und bei allen Musikern bedankte er sich.

Blumen für Sarah: Wie andere Mitwirkende auch erhielt die Ko-Moderatorin einen floralen Dank.
Die nun fällige Zugabe war das schöne „Highland Cathetral“, das sogar in Deutschland entstand. Dabei handelt es sich um eine beliebte Dudelsackmelodie. Wiederum waren diese nicht vorhandenen Instrumente in Haidgau gekonnt imitiert zu hören. Und weil es auch danach langen Applaus gab, trat Dominik Lander ans Mikrofon und kündigte persönlich die zweite Zugabe an: „Amazing Grace“. Dieses heute weltweit beliebte Kirchenlied aus dem 18. Jahrhundert hatten die Royal Scots Guards sogar an die Spitze der britischen Charts gebracht, berichtete der Vorsitzende. Mit diesem Hörgenuss verabschiedeten sich die Musiker vom begeisterten Publikum.
Text und Fotos: Peter Lutz
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