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    „Der unbekannte Meister“, Ausstellung in Biberach

    Eines der Exponate kommt aus Volkertshaus

    Foto: Brigitte Hecht-Lang
    Der Altar in der Volkertshauser Kapelle. Nur bei genauem Hinsehen erkennt der Betrachter das Fehlen der gotischen Antoniusfigur auf der rechten Konsole. Die Skulpur, geschaffen mit hoher Wahrscheinlichkeit von Michael Zeynsler, wurde für eine Ausstellung nach Biberach verliehen; an die Fehlstelle wurde übergangsweise eine Fotografie des Bildwerks gerückt. Am Altar sehen wir links die spätgotische Figur des Heiligen Mauritius und rechts eben das Foto, in der Mitte eine Maria mit Kind, alle drei Michael Zeynsler zugeschrieben um 1520. Die Figuren im oberen Bereich, nochmals ein Mauritius und rechts ein Sebastian, sind ungefähr 100 Jahre später entstanden, der Altaraufbau wiederum datiert aus der Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Brigitte Hecht-Lang, der wir diesen Artikel verdanken, schreibt: „Hier wurde zu einer Einheit zusammengefügt, was ursprünglich nie zusammengehörte.“
    veröffentlicht am: 08.05.2026
    Autor: Brigitte Hecht-Lang
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Biberach / Volkertshaus – Im Museum Biberach wird vom 16. Mai bis 18. Oktober 2026 die Ausstellung „Der unbekannte Meister“ gezeigt. Sie befasst sich mit dem Leben und Werk eines Holzbildhauers in den unruhigen Zeiten zu Beginn des 16. Jahrhunderts in der Freien Reichsstadt. Die Kunstwissenschaft gab ihm den Notnamen „Meister der Biberacher Sippe“. Heute wird er meist als Michel Zeynsler identifiziert, der in Memmingen geboren wurde und sich 1515 in Biberach niederließ. Michael Zeynsler durchlebte bewegte Zeiten – am Vorabend von Glaubenskämpfen und Reformation. In der Kapelle in Volkertshaus finden sich drei Arbeiten von Michael Zeynsler. Eine davon – ein Antonius – wurde jetzt als Leihgabe der Ausstellung zur Verfügung gestellt.

    Das Museum Biberach versucht mit der Ausstellung „Der unbekannte Meister“ eine Annäherung an eine aufregende Künstlervita. Die Restauratorin Eva-Maria Popp aus Blaustein fandet seit gut einem Jahrzehnt nach den weit verstreuten Werken dieses Bildschnitzers. Besonders ihre werktechnischen Untersuchungen können kunsthistorische Stilvergleiche und Zuschreibungen stützen oder auch unwahrscheinlich machen. So wird versucht, diese Künstlerpersönlichkeit und ihre „Meisterwerke“ zu erfassen.

    Michel Zeynsler dreimal in Volkertshaus vertreten

    In der Kapelle in Volkertshaus finden sich drei Arbeiten von Michael Zeynsler. In der Mitte des späteren, barocken Altares zeigt sich eine Maria mit Kind, vom Betrachter aus stehen links ein Hl. Mauritius und rechts ein Hl. Antonius. Dieser Heilige ist der Gründer des Antoniter-Ordens, der sich vor allem der Fürsorge der Kranken widmete, die an dem sogenannten „Antoniusfeuer“ litten – hervorgerufen durch eine Verunreinigung von Getreide, meist Roggen, mit dem Mutterkornpilz.

    Wie der „Sau-Done“ zu seinem Namen kam

    Die Antoniter-Mönche durften zur Verpflegung der Kranken ihre Schweine frei zur Mast durch die Allgemeinheit herumlaufen lassen. Zur Erkennung wurde ihnen ein Glöckchen umgebunden, das Tier in Volkertshaus trägt ein Glöckchen am linken Ohr. Daher wird Antonius oft mit einem Schwein zu Füßen dargestellt, im Dialekt als „Säule-Antonius“ oder auch „Sau-Done“ bezeichnet.

    Der Hl. Antonius, zu seinen Füßen das Schwein mit dem Glöckchen am linken Ohr.

    Wie die drei gotischen Skulpturen nach Volkertshaus an den wesentlich jüngeren Altar gelangt sind, wird sich nicht mehr klären lassen. Sie wurden wohl im Laufe der Zeit an ihrem angestammten Platz als unmodern empfunden, durch jüngere Nachfolgefiguren ersetzt und dann verkauft. 

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    Der Volkertshauser Antonius befindet sich nun im Biberacher Museum in Gesellschaft weiterer ehemaliger Werkstattgenossen. Die museale Präsentation lässt seine Schönheit voll zur Wirkung kommen. Denn er ist einer der wenigen, der noch seine ursprüngliche (teilweise reduzierte) Farbfassung trägt, die besonders strahlend im Gesichtsinkarnat (Hautfarbigkeit) zum Ausdruck kommt.

    Beindruckendes Gesichtsinkarnat: der Volkershauser Zeynsler-Antonius in der Nahaufnahme.

    Die Kirchengemeinde St. Peter Bad Waldsee hat die Ausstellungsanfrage positiv beschieden, was die Ausstellungsmacher sehr gefreut hat. Über eine zeitlich befristete Ausstellung der Marienfigur – außerhalb des Mai-Monats – wurde ebenfalls nachgedacht, doch dieser Wunsch dann verworfen.

    Eine Fotografie als vorübergehenden Ersatz

    Am Altar in Volkertshaus steht seit einigen Tagen eine gleich große, auf einer Platte montierte Fotografie des Heiligen, so dass sein Fehlen nur bei genauer Betrachtung auffällt. Als Blickfang im Monat Mai gilt wiederum der schöne Blumenschmuck von Frau Sättele, der Mesnerin.

    Die Ausstellung im Museum Biberach ermöglicht dem interessierten Betrachter ein Eintauchen in die Zeit des 1. Drittels des 16. Jahrhunderts der benachbarten Freien Reichsstadt Biberach sowie in die Werkstatt eines Bildhauers der Sakralen Kunst. Seine Werke sind heute in alle Welt verstreut. Einige kehren nun zeitweise an ihren Ursprung zurück und „der unbekannte Meister“ hat wieder seinen Namen erhalten: Michael Zeynsler.
    Brigitte Hecht-Lang

    Unter dem roten Download-Balken in der rechten Spalte haben wir das Faltblatt des Museums Biberach zur Ausstellung „Der unbekannte Meister“ hinterlegt.

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    Brigitte Hecht-Lang
    veröffentlicht am
    08.05.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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