Wenn maximal 17 Minuten bleiben …


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Kißlegg / Oberreute – Wenn’s brennt, entscheiden oft Minuten über den Erfolg von Rettungseinsätzen. Deshalb legt man bei der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) größten Wert auf regelmäßiges Training. Die jährliche Hauptübung dokumentierte auch die ausgefeilte technische Ausstattung. Unser Reporter Ulli Stark war am 7. November vor Ort und beschreibt in Wort und Bild die Übung, die heuer auf Immenrieder Gemarkung, in Oberreute, stattfand:
Insgesamt an die hundert Interessierte, darunter viele Familien, säumten um 13.00 Uhr die Straßenränder rund um die Zimmerei Mayer in Oberreute. Kaum hatte Tobias Dunst, mit Mikro und Headset ausgestattet, die Ausgangslage erläutert, hörte man das erste „Tatütata“ näherkommen: Die Immenrieder Abteilung war mit einem Löschfahrzeug zuerst vor Ort. Das große wasserführende Tragkraft-Spritzenfahrzeug (TSF-W) wurde rasch nahe der Tür positioniert, hinter der sich gefährdete Personen befinden sollten. Mannschaft und Material aus dem Begleitbus bereiteten parallel schon die Schläuche für die Entnahme von Löschwasser aus dem nahen Hydranten vor. Und schon traf die Verstärkung aus Kißlegg und der Abteilung Waltershofen ein.
Rauch als größter Feind
Die Ausgangslage für die Übung stellte sich so dar: Bei einem Kindergeburtstag war es laut Alarm in dem Gebäude zu einer „unklaren Rauchentwicklung“ gekommen. Wobei gerade Rauch zu den größten Feinden der FFW gehöre, wie Tobias Dunst erläuterte: So kämen bereits nach siebzehn Minuten die Wiederbelebungsversuche an Opfern zu spät. Auch für die Kameraden seien die bei Bränden entstehenden giftigen Gase gefährlich, der Rauch behindere obendrein die Sicht.
„Wasser marsch“
Ausgerüstet mit Atemschutzmasken, die schon während der Anfahrt angelegt wurden, mit Lampen und Schlauch kämpfte sich die Vorhut durch den von einer Nebelmaschine erzeugten Rauch. Nach und nach wurden die acht Kinder – dargestellt von der Jugendfeuerwehr – aus der Gefahrenzone ins Freie getragen, wo sich ein weiteres Team um die Erstversorgung kümmerte. Längst hatte es da am Hydranten „Wasser marsch“ geheißen, wobei die Schläuche allerdings tunlichst nicht auf das Zimmereigebäude gehalten wurden.
Druckluft-Hebekissen lupft den Gabelstapler
„Eingeklemmte Person“ hieß es plötzlich. Eine zusätzliche Übungseinheit, zu der die Zuschauer ausdrücklich näher ran gebeten wurden. Das Rolltor einer Halle öffnete sich und gab – zwischen Rauchschwaden – den Blick auf eine Puppe unter einem Gabelstapler frei. Womit der Umgang mit Technik des Rüstzugs demonstriert werden konnte: zunächst ein Gebläse, um zu enträuchern und freie Sicht zu bekommen. Mit dem Druckluft-Hebekissen, das sich in kleinsten Ritzen ansetzen lässt, wurde der Gabelstapler angehoben und mit Holzkeilen gesichert. So konnte auch die Puppe „gerettet“ werden.
„Flüssiges Zusammenspiel“ der drei Abteilungen
Nach gut einer Stunde funkte Patrick Wünsche „fertig, Abmarsch“ an die Gruppenführer aus dem Fahrzeug der Einsatzleitung. Kommandant Andreas Wiltsche zog zufrieden ein erstes Fazit: „Das Zusammenspiel unserer drei Abteilungen lief flüssig, ohne Störfaktoren. Wir waren genügend Leute, die auch stets Aufgaben wahrzunehmen hatten“. Die Nachbesprechung in Verbindung mit einer kleinen Feier war im Anschluss im Kißlegger Feuerwehrhaus vorgesehen. „Auch in den nächsten Wochen werden wir einzelne Abläufe und Entscheidungen in der Rettungskette noch detailliert durchgehen“, so Andreas Eisenbarth, Abteilungsleiter der FFW Immenried. Bei so einer Übung komme es entscheidend darauf an, für die Zukunft zu lernen.
Löschwasserversorgung als Herausforderung
Die Hauptübung findet alle zwei Jahre auf Kißlegger Gemarkung (Bereich Kernort) und dazwischen abwechselnd in Waltershofen und Immenried statt. Das über 700 m hoch gelegene, zu Immenried gehörende Oberreute war auch wegen des Anschlusses an das kommunale Wassernetz ausgewählt worden. Laut Bürgermeister Dieter Krattenmacher bestünde demgegenüber in vielen Weiler und Wohnplätzen nach wie vor eine dezentrale Eigenversorgung. Damit im Ernstfall „überall auf unserer riesigen Gemeindefläche“ der Zugriff auf genug Löschwasser besteht, verfügt die FFW sogar über ein Fahrzeug, das in Minuten zwei Kilometer Schlauch verlegen kann.
Bilder von der Übung

„Wasser marsch“ – Der Hydrant in Oberreute ist an das kommunale Netz angeschlossen, was die Durchführung der Übung vereinfachte.

Mit Atemschutzausrüstung sollen ist die erste und wichtigste Aufgabe zu lösen: Menschenleben retten. Zur Sicherheit steht immer ein Team als Reserve bereit.

Gut ausgerüstet geht es ins Ungewisse.

Ein Verletzter wird geborgen.

Auch die Gasflasche wird vom Brandherd entfernt.

Gut 15 kg wiegt die Ausrüstung. Philipp Sontag (links) weist lachend auf den bepackten Kameraden.

Bei der Zusatzübung wurden die Zuschauer näher herangebeten. Szenario: Eine Person ist unter einem Gabelstapler eingeklemmt.

Das Gebläse sorgt für freie Sicht.

Mit dem Druckluft-Hebekissen lässt sich auch ein schwerer Gabelstapler anheben.

Gedankenaustausch mit Bürgermeister Dieter Krattenmacher (rechts) am Einsatzleitfahrzeug.

Modernste Technik erlaubt eine zentrale Steuerung der Einsätze und bietet den Überblick über alle Fahrzeuge sowie das Kißlegger Wassernetz.

Offenbar interessierte sich auch eine Kameradin aus Bodnegg für die Kißlegger Übung.

Die Bevölkerung war herzlich eingeladen. Gruppen von Interessierten fanden sich überall rund um die Zimmerei Mayer in Oberreute.

Wieder eine gelungene Sache war die Schauübung der Kißlegger Wehren, heuer durchgeführt in Oberreute rund um die Zimmerei Mayer.


































