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Bad Waldsee – 35 Reiter, 24 Hunde und neun Schleppen: Andreas Hertkorn hatte zur traditionellen Schleppjagd rund um Bad Waldsee geladen. Unser Reporter Erwin Linder hat das Ereignis beobachtet:
Am vergangenen Samstagnachmittag (31.10.) kam man sich auf Reutes Wiesen ein bisschen vor wie in einem Film nach Rosamunde Pilcher. Als hätte sich für einen Nachmittag die Welt der Schönen und Reichen und der ganz schön Reichen auf die Hügel Oberschwabens verlagert. Bei strahlend blauem Himmel und auf saftig grünen Wiesen preschte zunächst eine Hundemeute über die Landschaft. Kurz darauf folgte das Reiterfeld, elegant gekleidet in traditionelle Jagdröcke. Pferde und Reiter jagten in vollem Galopp über die Hindernisse und Hügel auf und ab. Schon von Weitem waren die Klänge einer Jagdhornbläsergruppe zu hören, die dem Geschehen einen beinahe filmreifen Rahmen verlieh.
Es war Schleppjagd rund um Bad Waldsee. 35 Reiter mit ihren Pferden und eine Meute von 24 Hunden waren unterwegs. Organisiert hatte das besondere Ereignis Andreas Hertkorn, der damit inzwischen eine schöne Tradition begründet hat. Eine Schleppjagd hat übrigens nichts mit der Jagd auf lebendes Wild zu tun. Die Hunde verfolgen eine vorbereitete Spur, die Reiter begleiten sie auf ihrem Weg durch die Landschaft. Es handelt sich um eine sportliche Veranstaltung, bei der die Zusammenarbeit von Mensch und Tier im Vordergrund steht.
Eine Leidenschaft, die ansteckt
„Mich hat das Jagdfieber eigentlich schon von Anfang an gepackt“, erzählt Andreas Hertkorn. Seit er mit dem Reiten begonnen habe, sei er von der Schleppjagd begeistert gewesen. Über die vielen Jahre habe er dabei zahlreiche Freundschaften geschlossen, gute Bekannte gefunden und vor allem immer wieder viel Freude und gute Laune erlebt.
Irgendwann sei ihm der Gedanke gekommen, auch einmal etwas zurückzugeben. Schließlich sei er selbst über viele Jahre von Freunden zu Schleppjagden eingeladen worden. „Da wollte ich auch einmal etwas zurückgeben und meine Freunde zu einer Jagd einladen.“
Vor sechs Jahren, mitten in der Corona-Zeit, setzte er diesen Gedanken in die Tat um und organisierte erstmals eine eigene Schleppjagd rund um Bad Waldsee. Die Premiere wurde gleich ein großer Erfolg. So wurde aus einer privaten Initiative eine feste Tradition, die inzwischen zum sechsten Mal fortgesetzt wurde. Auch in diesem Jahr war die Begeisterung wieder groß.
Einladung nur an versierte Reiter
Wer bei Hertkorns Jagd dabei sein möchte, braucht allerdings mehr als ein schönes Pferd und einen eleganten Jagdrock. Andreas Hertkorn sucht sich seine Jagdgäste persönlich aus. Denn die Strecke durch die oberschwäbische Landschaft ist anspruchsvoll.
„Die Pferde müssen für Schleppjagden konditioniert und auch die Reiter müssen entsprechend erfahren sein“, erklärt Hertkorn. Für Anfänger sei eine solche Jagd nicht geeignet. Das Gelände rund um Bad Waldsee mit seinen Hügeln und Hindernissen verlange Pferd und Reiter einiges ab.
Der Teilnehmerkreis setzt sich aus Freunden und Bekannten aus dem gesamten süddeutschen Raum zusammen. Manchmal lädt Hertkorn auch ein oder zwei neue Teilnehmer ein. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um versierte Reiter mit erfahrenen und entsprechend trainierten Pferden handelt, die den sportlichen Anforderungen einer solchen Schleppjagd gewachsen sind. Die Sicherheit von Pferden und Reitern steht schließlich an erster Stelle.
21 Kilometer durch Oberschwaben
In diesem Jahr gingen 35 Reiter an den Start. Die Strecke führte von Gaisbeuren über die Halder Säge und den Spätenhof nach Greuth. Von dort ging es in Richtung Stadel, weiter nach Wallenreute, Eisenfurt, Tannweiler und Möllenbronn. Über den Hundeplatz führte die Runde schließlich zum Klostergarten nach Reute.
Insgesamt legten die Reiter gut und gerne 21 Kilometer zurück. Neun Schleppen waren zu bewältigen. Dabei ging es nicht um Geschwindigkeit oder einen Wettbewerb. Vielmehr standen das gemeinsame Erlebnis, die sportliche Herausforderung und natürlich die Arbeit der Hundemeute im Mittelpunkt.
Die Hunde folgen der Spur und geben die Richtung vor
Mit dabei war die Frankenmeute mit ihren 24 Hunden. Die Geschichte dieses Schleppjagdvereins reicht bis ins Jahr 1976 zurück. Damals gründeten Ludwig Dittrich und sein Vetter Klaus eine eigene Meute. Ihre Wahl fiel auf Beagles, die mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn und ihrer Ausdauer für diese Aufgabe besonders geeignet sind.
Eine Besonderheit der Frankenmeute ist ihre Fährtenarbeit. Sie folgt sogenannten Trittsiegeln. Ein vorausreitendes Pferd legt dabei die Spur. Durch die Hufe werden Gräser und Pflanzenteile verletzt und der Boden aufgewühlt. Die dabei entstehenden Gerüche nehmen die Hunde mit ihren feinen Nasen wahr. Auch wenn andere Gerüche die Spur kreuzen, müssen sie diese zuverlässig weiterverfolgen.
Alle wohlbehalten zurück
Nach 21 Kilometern und neun Schleppen konnte schließlich eine erfreuliche Bilanz gezogen werden: Alle Pferde, alle Reiter und sämtliche Hunde kamen wohlbehalten nach Hause.
Für Andreas Hertkorn dürfte das ein besonders schöner Abschluss gewesen sein. Was vor sechs Jahren als Einladung an gute Freunde begann, ist inzwischen etabliert. Und wer an diesem Herbsttag die Reiter über die grünen Hügel Oberschwabens galoppieren sah und dazu die Jagdhörner hörte, konnte verstehen, warum Hertkorn dieses besondere Jagdfieber seit so vielen Jahren nicht mehr loslässt.
Text und Fotos: Erwin Linder
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