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Minister Hagel und Staatssekretär Haser machten dem Jubelverein ihre Aufwartung

Hoher Besuch beim Blutreiter-Jubiläum in Unterschwarzach

Foto: Uli Gresser
Schlussbild am Ende eines feierlichen Gottesdienstes: Dekan Kurt Susak erbittet Gottes Segen für die Gemeinde.
veröffentlicht am: 28.10.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Unterschwarzach – Hoher Besuch beim Blutreiter-Jubiläum in Unterschwarzach: Zur 75-Jahr-Feier kam Innenminister Manuel Hagel. Der Politiker, selbst Blutreiter,  kam auf Einladung von Dekan Kurt Susak. Susak, aus Unterschwarzach stammend, stand dem Festgottesdienst vor. Nach dem feierlichen Gottesdienst ging das große Fest im Gemeindezentrum weiter.

Innenminister Manuel Hagel wird von Ortsvorsteherin Gisela Brodd zur Kirche geleitet. Mit dabei Bad Wurzachs Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Schütt (links) und selbstverständlich auch Bürgermeister Florian Schiller (hier nicht abgebildet).

Neben dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Manuel Hagel war mit Staatssekretär Raimund Haser MdL ein weiterer politischer Hochkaräter gekommen, nicht zuletzt auch, weil er selbst alljährlich als Reiter an der Reiterprozession in Bad Wurzach teilnimmt. Auch Bürgermeister Florian Schiller kennt das Heilig-Blut-Fest in Bad Wurzach von Kindesbeinen an. Ebenso wie der gebürtige Adelshofener Kurt Susak, der ebenfalls alljährlich mitreitet. Auch Gisela Brodd, Ortsvorsteherin von Unterschwarzach und langjährige Gemeinderätin, ist das Bad Wurzacher Brauchtum um die Heiligblutverehrung ein großes Anliegen. Nebenbei: Ihr Mann wirkt als Musiker beim Musikverein „Harmonie“ mit, der die Unterschwarzacher Blutreiter stets begleitet.

Unterschwarzachs Ministrantenschar, die prominenten Gäste und die ganze Festgemeinde in Andacht versammelt.

Die Wurzeln reichen bis 1919 zurück

Die Blutreitergruppe Unterschwarzach wurde als Verein 1951 gegründet. Dabei reichen die Wurzeln der Blutreiter-Gemeinschaft in der Ortschaft sogar bis 1919 zurück, wie ein Auszug der Chronik des Vereins zeigt. Aus jenem Jahr stammt auch die ältere der beiden Unterschwarzacher Standarten (Bild). Ritten auf den alten Bildern ausschließlich Männer mit, spielen zwischenzeitlich auch die Frauen im Blutreiterverein eine wichtige Rolle. Gruppenführerin ist seit 2022 mit Silvia Ernle eine Frau. Im Jubiläumsjahr besteht der Verein aus 67 Mitgliedern, davon sind 15 aktive Reiter. Die Vorstandschaft haben Thomas Birk und Josef Fleischer gemeinsam inne. Alois Wirth und Johanna Fleischer kümmern sich um die Finanzen, die Aufgaben der Schriftführerin erfüllt Marina Rief.

Die beiden Standarten der Unterschwarzacher Blutreiter werden am Altar in Demut gesenkt.

Außer am Blutritt in Bad Wurzach nehmen die Unterschwarzacher noch im Mai am Weingartener Blutritt teil, dazu ebenfalls im Mai am Georgsritt in Ochsenhausen, im September am Wendelinus-Ritt in Gutenzell und im November am Leonardiritt in Merazhofen. Darüber hinaus ist die Fahnenabordnung der Blutreiter mit ihren zwei Fahnen und zwei Standarten bei den kirchlichen Festen, wie zum Beispiel Fronleichnam, präsent.

Mit einem Prozessionsmarsch von der Festhalle, wo später das Fest stattfand, ging es am Morgen des Festtages (25.10.) hinab zur Kirche. An der Spitze des Zuges stimmte der Musikverein Unterschwarzach die Abordnungen der Blutreitervereine aus der Region sowie die der weiteren Unterschwarzacher Vereine auf den Gottesdienst ein. Es waren dies die TSG-LJG, der Radfahrverein, die Krieger- und Soldatenkameradschaft und die Musikkapelle aus Eggmannsried. Dazu kamen aus der Großgemeinde Bad Wurzach die Blutreitergruppen aus Arnach, Bad Wurzach, Dietmanns, Eintürnen, Hauerz, Seibranz und Ziegelbach sowie aus den umliegenden Ortschaften diejenigen aus Ellwangen, Oberessendorf, Michelwinnaden, Eberhardzell und Winterstettendorf.  

Weil Petrus den Blutreitern an diesem Tag nicht gewogen war, hatte Gisela Brodd mit ihnen ein Einsehen und öffnete für sie und die Musikanten bis zum Abmarsch zur Schonung der wertvollen Standarten und Holzblasinstrumente die Türen des Rathaus- und Schulgebäudes.

Es zelebrierte Dekan Kurt Susak

Für Dekan Kurt Benedikt Susak, der in Davos als Stadtpfarrer wirkt, war es eine Herzensangelegenheit, den Festgottesdienst zu übernehmen. Dabei konnte er sich über eine vollbesetzte St. Galluskirche freuen. Und auch der Anblick, der sich etwa den Musikern des Musikvereines von der Orgelempore herab bot, war beeindruckend: Der Chorraum war gefüllt mit den Fahnen und Standarten der Blutreitergruppen sowie der Vereine aus Unterschwarzach. Dazu gesellten sich noch zahlreiche Ministranten, es wurde dort richtig eng.

Zum Auftakt des Gottesdienstes erklang das Wurzacher Heilig-Blut-Lied. Vorstand Josef Fleischer begrüßte die Gäste. Gisela Brodd brachte sich im Gottesdienst als Lektorin ein.  

Um den Altar scharten sich die Fahnenabordnungen und die Ministranten.

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Ko-Vorstand Josef Fleischer begrüßte die Festgemeinde.

Sie stehen dem Jubelverein vor: Ehrenmitglied Alois Wirth, Ko-Vorstand Thomas Birk und Gruppenführerin Silvia Ernle (von links; Ko-Vorstand Josef Fleischer hier nicht abgebildet).

Nach Lesung (vorgetragen von Ehren-Mitglied Alois Wirth) und Evangelium erfüllte sich Kurt Susak einen Traum: Er, der in der Unterschwarzacher Gallus-Kirche die erste Heilige Kommunion erhalten hatte und gefirmt worden war, hatte noch nie deren Kanzel betreten dürfen. Nun hielt er eine – laut eigener Definition –  kurze Predigt von eben dieser Kanzel herab.

Dekan Susak auf der Kanzel.

„Tradition mit Inhalten füllen“

Seine Predigt hatte er mit „Tradition mit Inhalt“ überschrieben. Dass die Heilig-Blut-Verehrung während der Nazizeit schwierig war, dürfte jedem bekannt sein. Und dass die Nationalsozialisten Tausende von Priestern und Ordensleute ins KZ geschickt hatten, ebenfalls. Dass es in Wurzach sehr mutige Ordensleute, die Salvatorianer-Patres, gegeben hatte, die mit einem schlichten Feldkreuz ein Glaubenszeichen und ein Zeichen des Widerstandes setzten, war bisher weitestgehend unbekannt gewesen. Dieses Kreuz, das erst vor wenigen Tag frisch restauriert an seinen Platz oberhalb des Salvatorhofes zurückgekehrt ist, trägt die Inschrift: Im Kreuz allein ist Heil! Und am Sockel die Jahreszahl 1942. Ein mutiges, ja provokantes Zeichen in einer Zeit, als der Begriff Heil in einem ganz anderen Zusammenhang benutzt wurde. Und als Kreuze abgehängt und Kirchen geschlossen wurden. 

„Glauben kommt von unten“,  mahnte Susak, der zugleich eine Krise des Glaubens konstatierte. „Der Glauben verdunstet.“ Und daran sei die Kirche nicht unschuldig: Der Vertrauensverlust durch einige Skandale in die Institution Kirche sei enorm.  Aber: Missbrauch sei nicht nur ein Problem der Kirche, sondern ein gesellschaftliches Problem. „Hier sollten die, die mit dem Finger auf andere zeigen, erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren“, erklärte der Dekan kämpferisch. 

Bezugnehmend auf das Tagesevangelium stellte der Prediger das Doppelgebot heraus, das für jeden Christen gelte: „Gott, den Herrn, zu lieben“ und als zweites: „Den Nächsten lieben wie dich selbst.“ Mit dieser zentralen Botschaft endete Kurt Susaks Kanzelpredigt.

Nach den Fürbitten, die von den beiden Ministrantinnen Karolin Ernle und Theresia Willburger vortragen wurden, spielte die Musikkapelle zur Gabenbereitung das Kirchenlied „Danket dem Herrn“, bei dem alle Kirchenbesucher inbrünstig mitsangen.

Diana Heines Gesang

Zur Kommunion erklang Albert Freys Kirchenlied „Wo ich auch stehe“ und im Anschluss beim Gedenken für die verstorbenen Blutreiter „Ich hatt´ einen Kameraden“, das durch den wunderbaren Gesang von Diana Heine noch eindrucksvoller wurde. Vorstand Thomas Birk und Gruppenführerin Silvia Ernle entzündeten unterdessen zum Gedenken an die Verstorbenen die große Osterkerze.

Nach dem Segen und dem an hohen Festtagen obligatorischen „Großer Gott, wir loben Dich“ formierte sich der Prozessionszug neben der Kirche, um zur Festhalle zurückzukehren. Über jenen Teil des Festes berichten wir gesondert.

Liebevoll arrangiert: Ins Hufeisen wurde ein Foto von einem Blutritt eingelegt.

Text und Fotos: Uli Gresser

Viele Bilder in der Galerie

Die Berichterstattung zum Blutreiter-Jubiläum in Unterschwarzach wird fortgesetzt 

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